10.000 mal nichts

10.000 mal nichts

Manchmal habe ich das Gefühl, nichts zu schaffen – ein Gefühl von ‚den ganzen Tag lang leeres Papier in die Luft geworfen zu haben‘.

Kennen Sie das auch?

Sie blicken auf die vergangenen Tage zurück und sehen keine ausgesprochenen Ergebnisse Ihres Schaffens. Lediglich Ihre Müdigkeit und Erschöpfung verraten Ihnen, dass Sie offenbar eine Menge bewegt haben. Aber was war es? Ausgesprochene Arbeitsergebnisse sind nicht zu erkennen.

„Früher habe ich viel mehr geschafft“, denken wir dann und bringen das große Schwungrad des Lebenstempos noch ein wenig mehr auf Touren.

Doch manchmal passiert etwas, das die Sichtweise ändert.
In meinem Fall blockierte das Outlookprogramm.
Wegen Überlastung!
Ich muss Mails löschen. Die Situation zwingt mich, einmal genauer hinzuschauen: 10.000 E-Mails! – gesendet und empfangen in den letzten sechs Monaten.

Was ist schon eine E-Mail …
Kein wirklich begreifbarer Begriff. Doch ersetzen Sie das Wort E-Mail durch das Synonym ‚Brief‘, kommt plötzlich Leben in die Sache. 10.000 Briefe, die ich innerhalb eines halben Jahres gelesen, geschrieben, bearbeitet habe.

Ich denke zurück an meine Zeit im Business, in der es noch keine Computer gab. Wie viele Briefe/Schreiben waren es, die ich täglich zu bearbeiten hatte? Auch damals waren es nicht wenige – aber nur ein Bruchteil von dem, was ich heute zu bewältigen habe.

10.000 Briefe innerhalb von sechs Monaten! Umgerechnet würde das bedeuten: rd. 83 Briefe an jedem Arbeitstag!
Hätte ich damals an jedem Arbeitstag (Krankheit und Urlaub nicht mitgerechnet) 83 Briefe zu lesen bzw. zu schreiben gehabt, hätte mein Arbeitstag nicht acht, sondern 24 Stunden haben müssen – und vielleicht hätten die nicht einmal gereicht.

Allmählich dämmert mir, wo meine Zeit und meine Energie bleiben. Ich hacke sie täglich in die Tasten meines Computers und sie versickern sang- und klanglos in den Cyberwelten, während das Leben ungelebt an mir vorüberzieht – und während ein Gefühl der Leere in mir umso größer wird, je mehr ich versuche, es auszufüllen.

Es ist Herbst. Die Blätter sind welk, bevor ich sie gepresst habe – die Kastanien verschrumpelt, bevor ich mit meinen Enkeln kleine Männchen daraus basteln konnte.

Wenn Sie wieder einmal glauben, Sie würden nicht genug leisten/schaffen, schauen Sie einmal genauer hin! Jede E-Mail ist ein Arbeitsauftrag. Wie viele Arbeitsaufträge bewältigen Sie jeden Tag.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie am Ende Ihrer persönlichen Abrechnung ein wenig mehr Mitgefühl mit sich selbst haben und ein wenig mehr Respekt vor dem, was Sie täglich leisten.

 

Gemeinsam übt es
sich leichter…

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