Achtsamkeit authentisch lehren

Achtsamkeit authenisch lehren

Was bedeutet es, Achtsamkeit authentisch zu lehren, inmitten einer sich immer mehr ausbreitenden seichten Mainstream-Achtsamkeit? McMindfulness-Angebote unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von der in den buddhistischen Lehren wurzelnden Achtsamkeitspraxis.

Vielleicht war es eine persönliche Erfahrung mit der Praxis der Achtsamkeit, die deinen Wunsch geweckt hat, selbst Achtsamkeit lehren zu wollen. Und vermutlich hast du dabei eine innere Berührtheit gespürt, die nur schwer in Worte zu fassen ist. Tatsächlich scheint das „Original“ der Achtsamkeitspraxis so etwas wie eine Essenz zu beinhalten, die weit davon entfernt ist, Methode oder Technik zu sein.

Die buddhistischen Wurzeln der Achtsamkeit

Vielleicht liegt das Besondere in der tiefen Weisheit dessen, was der indische Prinz Siddharta Gautama, der spätere Buddha, im Zuge seiner meditativen Einsichten in die Natur des Geistes und des Lebens erfahren hat. Wenn wir dem Weg Buddhas folgen, dann schöpfen wir aus dieser Quelle der Weisheit, die seit zweieinhalbtausend Jahren unaufhörlich sprudelt.

Wenn wir Achtsamkeit lehren, vermitteln wir die Erkenntnisse eines Weges der zu innerer Befreiung führt und den schon Unzählige vor uns gegangen sind. Als Achtsamkeitslehrer tun dies auf eine moderne, säkulare und wissenschaftlich evaluierte Weise. Die Worte, die Pädagogik, die Vorgehensweisen und die Verkörperung des Lehrenden sind unverzichtbare Elemente dieser Vermittlung.

Achtsamkeit lehren: Mit dem Herzen das Herz weitergeben

Aber das besonders Bedeutungsvolle dabei ist das, was zwischen den Zeilen transportiert wird – das, was nicht gelehrt und nicht mit Worten ausgedrückt werden kann. Es ist etwas, das aus dem inneren Ozean des Verständnisses aufsteigt und durch die eigene Verwirklichung an der Oberfläche sichtbar wird.

Achtsamkeit zu lehren heißt deshalb, Achtsamkeit zu verkörpern (so gut wir es vermögen) – nicht nur in unseren Kursen und Seminaren, sondern in jeder Sekunde des Lebens. In seinen Kursen und Seminaren „doziert“ ein Achtsamkeitstrainer nicht und er erklärt seinen Teilnehmern auch nicht, was sie zu tun und zu lassen haben, um ein glückliches Leben zu führen.

Authentische Achtsamkeit ist verkörperte Praxis

Ein Achtsamkeitstrainer zeigt seinen Teilnehmern den Weg der Achtsamkeit und spricht aus dem Herzen seiner eigenen Erfahrungen. Er gibt mit seinem Herzen das Herz der Achtsamkeit weiter. Eine besondere „Essenz“, eine Ahnung vom Wissen um die Dinge. Und er tut dies auf eine ganz spezielle Weise.

Um die Weisheit der Achtsamkeitspraxis mit solch einer Qualität authentisch und glaubwürdig vermitteln zu können, braucht es viel eigene Praxiserfahrung und ein hohes Maß an Integrität. Fehlt der Vermittlung diese Tiefe, fehlt ihr auch die besondere Qualität, die dafür sorgt, dass Menschen den Mut aufbringen, sich auch den schwierigen, schmerzhaften Seiten ihres Lebens zuzuwenden.

Lehren ohne Worte – Wirken ohne Tun

Achtsamkeit zu lehren, bedeutet auf eine bestimmte Weise verwirklicht zu sein. Es bedeutet, authentisch, transparent, offen und berührbar zu sein, sich nicht hinter Masken zu verbergen, sich beim Lehren mit Haut und Haaren einzulassen und aus der Essenz der zahlreichen Dimensionen unseres Menschseins zu schöpfen, die durch Worte allein nicht vermittelt werden kann. So etwas zu lernen, braucht Zeit. Und es bedeutet nicht, dass ein Achtsamkeitslehrer „unfehlbar“ wäre. Er befindet sich auf dem gleichen Weg und ringt mit den gleichen Hindernissen, wie jeder einzelne seiner Teilnehmer – und er ist sich dessen bewusst.

Wird Achtsamkeit ohne die Anbindung an ihre Wurzeln und ohne eigene Verkörperung als kognitives Konstrukt zur „Optimierung“ und „Verbesserung“ von Menschen vermittelt, kann sich diese Form von Mainstream-Achtsamkeit als wirkungslos oder sogar kontraproduktiv erweisen.

© Doris Kirch, 2019


Achtsamkeitstrainer