Tagebuch einer Achtsamkeitslehrerin in der Corona-Krise

Dies ist ein positives Achtsamkeitstagebuch in Zeiten der Corona-Krise. Ich möchte mit meinen Gedanken und den Schilderungen meines Achtsamkeits-Alltags Ausrichtung, Kraft und Trost spenden.

Doris KirchMögen diese Impulse dich an deine eigene Weisheit erinnern und mögest du Freude und Sinn auch in diesen schwierigen Tagen finden.

Mögen alle Wesen gesund und frei von Leiden sein.

Doris


Kraft in der Corona-Krise

08.04.2020

Heute habe ich ein neues Wort kennengelernt: Corona-Koma. Irgendwie scheinen viele von einer Art Müdigkeit ergriffen zu sein – zumindest von einer tiefen Motivationslosigkeit. Ich merke das an der Anzahl der Views in den sozialen Netzwerken. Sie sind so tief im Keller, das wir uns in DFME gefragt haben, ob es derzeit überhaupt noch Sinn macht, irgendetwas zu posten.

Unser MBSR-Intervisionstreffen (online) habe ich vorhin abgesagt, weil die Teilnehmer derzeit alle genug mit der Bewältigung ihres Corona-Familienalltags und -Arbeitsalltags zu tun haben. Niemand hat Bock auf das Hundertste Zoom-Online-Meeting. Man wartet ab, verharrt in Regungslosigkeit. Lähmende Ruhe über dem Land.

Don Quichotte

Damit ich mich nicht fühle, wie Don Quichotte, denke ich derzeit auch darüber nach, diesen „Achtsamkeits-Corona-Blog“ einzustellen. Auf mein Angebot zur Interaktion von vorgestern hat kein Mensch reagiert. Ist jemand da? → Kommentarfunktion :o)

Alles in allem fühle ich mich gerade etwas müde. Aber das hat weniger mit dem Corona-Koma zu tun, sondern mit der Mehrarbeit, die mir durch die Corona-Krise entsteht. In solchen Müdigkeitsmomenten wandert mein Geist in die Zukunft. Und er wünscht sich, dass bald alles wieder „normal“ läuft.

So verständlich diese Neigung des Geistes und der Wunsch nach Normalität auch ist – hilfreich sind sie nicht. Hilfreich ist für mich, was die ostfriesischen Großeltern meiner jüngsten Tochter in solchen Situationen achselzuckend sagen: „Nützt ja nix.“ Das trifft den Nagel doch auf den Kopf, oder? „Nützt ja nix“ ist die Übersetzung von „Es ist, wie es ist.“ Wunderbar.

Was mir Kraft gibt

Meine Kraft ziehe ich aus dem Garten. Gärtnern und Faulenzen in der Sonne. Beim gestrigen Vertikutieren des Rasens per Hand sind gleich mehrere Zacken aus der Harke herausgefallen. Das ist allerdings weniger meiner dynamischen Arbeitsweise zuzuschreiben (die man eher als slow motion beschreiben könnte), als vielmehr mit einer gewissen Ermüdung des Materials.

Kraft gibt mir übrigens auch, meinen Lehrern zu lauschen. Hier ist die Aufzeichnung eines Livestreams mit Jon Kabat-Zinn im Rahmen von “Mindfulness, Healing and Wisdom in Times of Covid-19”. Vielleicht findest auch du Kraft und Zuversicht in seinen Worten.


Achtsam wirtschaften in der Corona-Epidemie

07.04.2020

Im DFME haben wir durch die Corona-Krise eine Unmenge an Mehrarbeit. Im Moment besteht ein großer Teil unseres Arbeitstages in der Bewältigung der Krise. Die Umsätze stagnieren und das erfordert von uns Ideenreichtum und Kreativität im Umgang mit den Auswirkungen.

Manchmal kommen wir auch nicht umhin, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Wenn man ein Unternehmen führt, trägt man Verantwortung nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Investitionen der Kunden sowie für das Umfeld.

Achtsames Wirtschaften ist keine verschmuste Sozialromantik

Wir praktizieren Achtsamkeit. Deshalb ist vor allem von uns in dieser Corona-Epidemie gefordert, uns nicht von emotionalen Impulsen und punktuellem Mitgefühl leiten zu lassen. Umsichtig zu agieren bedeutet, sich vor spontanen Entscheidungen zu hüten, deren Kurzsichtigkeit langfristig einen unangemessen großen Schaden anrichten könnte.

Achtsam zu wirtschaften bedeutet, nicht nur die Belange eines einzelnen, sondern immer auch das große Ganze, die Nachhaltigkeit und die Angemessenheit im Blick zu behalten. Wir können derzeit selbst im „Feldtest“ die Tragfähigkeit dessen erforschen, was wir im Zusammenhang mit achtsamem Wirtschaften in unserem Mindful Leadership Training vermitteln.

Mehr über das Mindful Leadership Training mit IHK-Zertifikat erfahren →

Einander unterstützen

Gestern fragte ich, was dir durch die Corona-Krise helfen könnte. Ich habe mir diese Frage heute auch in Bezug auf unser Unternehmen gestellt. Ich wünschte mir Kontinuität.

Was mich anbelangt, habe ich mein Umfeld im Blick – also all die Menschen und Unternehmen, deren Ressourcen ich sonst so selbstverständlich nutze. Ich möchte, dass sie die Corona-Krise überleben.

Deshalb habe ich „den Gürtel enger geschnallt“ und zahle die Beiträge für Angebote weiter, die ich momentan nicht nutzen kann, zum Beispiel die für das Fitnessstudio. An persönlichen Goodies zu sparen, ermöglicht mir auch, für Menschen zu spenden, die es sehr viel härter als mich getroffen hat.

Wie ich mein Umfeld unterstütze

Und ich kaufe Gutscheine von meinen Lieblingsrestaurants im Wert dessen, was ich dort gewöhnlich im Monat verzehre. Urlaub kann ich mir in diesem Jahr so oder so abschminken. Den Ausbau meines Hauswirtschaftsraumes auch. Der Rasen bleibt in diesem Jahr eine maulwurfsbedingte Hügellandschaft. Aber ich schlafe gut. Und ich mache die Erfahrung, dass es stimmt, was der Dalai Lama sagt:

Je mehr wir Gutes für andere tun, desto glücklicher sind wir selbst.

Was uns als DFME anbelangt, würde ich nicht soweit gehen, eine Unterstützung ohne eine Gegenleistung zu erwarten (obwohl wir nicht nur derzeit, sondern grundsätzlich viele Leistungen unentgeltlich erbringen).

Ich würde mir einfach wünschen, dass die Menschen weiterhin unsere Seminare und Ausbildungen buchen – denn es gibt auch eine Zeit nach Corona. Natürlich wird das nicht jedem möglich sein – aber dem einen oder anderen bestimmt.

Eine ethische Entscheidung

Wir haben lange überlegt, ob wir uns in die Riege derer einreihen sollen, die zur Zeit schnellgestrickte Achtsamkeitsangebote auf den Markt werfen, um zu überleben. Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir uns der Qualität unserer Arbeit verpflichtet fühlen. Auch das ist achtsames Wirtschaften. Vielleicht ist diese Entscheidung wirtschaftlich gesehen nicht klug. Aber sie ist ethisch :o)

Symptome der Corona-Krise

Symptomatisch für die derzeitige Situation sind eher Ereignisse wie dieses: Ich bekomme eine Mail von einem ehemaligen Kursabsolventen, der offenbar in einer tiefen Krise steckt. Auf mein Angebot zu einem Online-Coaching schreibt er zurück, dass er das vielleicht einmal nach der Corona-Krise in Anspruch nehmen wird – gefolgt von einer ausführlichen Schilderung seiner derzeitigen Situation mit allen Details.

Aus rein menschlicher Sicht hätte ich gerne geantwortet. Das hätte dann bedeutet: Zwei ausführliche Mails gelesen, zwei ausführliche Mails geschrieben – und keinen Cent verdient. Wenn ich das öfter am Tag mache, komme ich nicht mehr zum produktiven Arbeiten.

Was wir brauchen

Wenn es dir möglich ist …

Wir haben nur eine Zeit, in der wir leben. Sie ist jetzt!

Was hilft dir in der Corona-Krise?

06.04.2020

Fällt dir gerade die Decke auf den Kopf? Fühlst du dich überlastet durch die Doppelbeanspruchung, zu Hause zu arbeiten und parallel dazu die Kinder zu beschäftigen und täglich mit ihnen Hausaufgaben zu machen? Hast du Anlass, dir große Sorgen um deine wirtschaftliche Existenz zu machen? Bist du durch die Krise arbeitsmäßig völlig überlastet? Hast du Angst, dich anzustecken? Fühlst du dich gerade einsam?

Nach vielen Gesprächen und E-Mails scheinen das die Hauptprobleme zu sein, die den Menschen derzeit zu schaffen machen. Falls du davon betroffen bist, interessiert mich:

  1. Was wäre jetzt wirklich hilfreich für dich? (Ja, Geld – ist schon klar – aber was noch? ;o)
  2. Was hat sich bislang als unterstützend für dich erwiesen?

Deine Erfahrungen und Wünsche mit anderen teilen

Ich nöchte dich dazu einladen, die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrags zu nutzen, um deine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Ich bin kein Freund von „guten Ratschlägen“ (die ja bekanntlich „Schläge“ sind). Am freundlichsten lernt der Mensch durch das gute Vorbild anderer. Zu sehen, wie jemand mit einer Krisensituation umgeht oder umgegangen ist, bringt einen vielleicht auf die eine oder andere gute Idee.

Wenn sich genügend Leser dieses Corona-Tagesbuches mit ihren Erfahrungen beteiligen, könnte ich daraus einen eigenen Beitrag erstellen, der dann hoffentlich hilfreich für viele andere ist.

Lese hier meine 10 Tipps zum Umgang mit der Corona-Angst →

Die Bergmeditation: Kraft, Stärke und Aufrichtung

Als erstes hilfreiches Tool möchte ich dir die Bergmeditation vorstellen. Auf die Idee brachte mich eine Leserin, die mir schrieb, wie enorm hilfreich die Bergmeditation in dieser schwierigen Zeit für sie sei. Gleiches hörte ich auch von einigen Teilnehmern des letzten Wohnzimmer-Retreats.

In dieser 20-minütigen Meditation verbindet man sich mit der Kraft und Beständigkeit eines Berges. Der psychologische Trick dabei ist: Durch die geschickte Anleitung verbindest du dich mit deiner eigenen inneren Kraft und Beständigkeit! Vielleicht ist diese Übung deshalb so wirkungsvoll.

Der Berg ist ein Symbol für deine eigene innere Stärke

Der Berg ist letztlich „nur“ ein Symbol für deine eigene Stärke, die unter der derzeitigen Angst, Schwäche oder Scham verborgen ist. Denn egal wie stark die Wellen deiner Gefühle sich derzeit bewegen, schäumen und auftürmen – darunter liegt der Ozean deiner inneren Kraft … ruhig, still, weit und unendlich kraftvoll.

Die Ressource ist da, und die Bergmeditation ermöglicht dir, dich mit ihr zu verbinden. Das ist einfach wunderbar: Durch die Beine fest geerdet und verankert und den Kopf frei, „umgeben von klarer Luft“.

Tiefenpsychologische Wirksamkeit der Bergmeditation

Wir reden hier nicht über eine kurzfristige Entspannung im Rahmen einer netten Phantasiereise – diese Übung ist tiefenpsychologisch wirksam und verändert deine Haltung, im Umgang mit der Corona-Krise. Bewahre dir deine geistige und emotionale Stabilität – und deine innere Würde durch die Bergmeditation.

Anleitung zur Bergmeditation:
 


Wohnzimmer-Retreat: Erfahrungen mit meinem ersten Achtsamkeits-Online-Seminar

05.04.2020

Ich hab’s getan! Meine erste Online-Veranstaltung, das Wohnzimmer-Retreat ist heute gelaufen – und es war ein voller Erfolg.

Ich kam auf die Idee, weil unsere Wochenend-Auszeit mit Achtsamkeit im Schweigen (Achtsamkeits-Mini-Retreat) wegen der Corona-Krise ausfallen musste. Auch wenn sich die meisten Teilnehmer auf die nächste Veranstaltung umbuchen ließen, so waren sie doch enttäuscht, dass das Retreat jetzt nicht stattfinden konnte.

Also habe ich kurzerhand gesagt: „Lasst uns doch die Technik nutzen und trotzdem gemeinsam Achtsamkeit und Schweigen im Zuhause praktizieren“. Und einige haben dieses Geschenk gerne angenommen.

 Zuschauer nicht martern

Eine Online-Veranstaltung wirklich gut zu machen, braucht einiges an Geschick und Überlegung. Gut bedeutet in diesem Zusammenhang: Gute Webcam (= gutes Bild und guter Ton), gute Ausleuchtung, eine nett zurechtgemachte Moderatorin, eine gute Didaktik – und natürlich gute Inhalte.

Erst kürzlich schrieb ich über das Grauen, das mir die zahllosen grottenschlechten Online-Angebote machen. Über dieses Grauen sich übrigens auch eine Journalistin der Zeit geäußert. In ihrem Artikel macht sie ihrem Frust mit viel Wortwitz Luft und trifft nach meiner Ansicht voll den Nagel auf den Kopf.

Lohnt sich zu lesen: „Wir wollen das nicht sehen“.

Wer noch nie eine Online-Veranstaltung durchgeführt hat, kann sich kaum vorstellen, wie anstrengend das sein kann. Man muss die ganze Zeit über sehr konzentriert bleiben, denn als Moderator steht man voll im Fokus. Es gibt nichts Ablenkendes um einen herum. Die Zuschauer registrieren jede Bewegung, jede Mimik und Gestik – und sogar jede Mikroexpression im Gesicht.

Nichts bleibt verborgen

Sie nehmen wahr, wenn man vor der Kamera zu viel herumzappelt, weil man nervös ist (das werden sie dann auch) und wie oft man sich ins Gesicht fasst. Den Zuschauern bleibt es auch nicht verborgen, wenn sich eine Moderatorin während ihres Webinars rund 20 Mal eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht.

Jedes „Halt“ rückt in den Fokus – ein momentaner Tick vieler Sprecher, die es „halt“ nicht schaffen, zwei zusammenhängende Sätze ohne „halt“ rüberzubringen. Im Laufe eines Webinars kommt da bei dem einen oder anderen ganz schön was an „Halt’s“ zusammen. Eine fürchterliche Verstümmelung von Sprache. Und ein Beleg für unbewusstes Reden.

Wenn manch einer seinen mit zig „Halt’s“ durchsetzten Text in transkribierter Form zu lesen bekommen würde, dürften sich ihm selbst die Nackenhaare sträuben. Kein Schulaufsatz würde so durchgehen.

Gehirnspagat

All dessen eingedenk, war ich bemüht, meine jeweilige Kommunikationspartnerin immer direkt anzuschauen – was offenbar auch gut gelungen war. Mein Preis dafür war ein steifer Nacken.

Es ist anstrengend, auf die Worte einer Person zu hören, sich in sie hineinzufühlen und dabei in eine 1 Cent kleine Kameralinse zu starren, während das Gesicht der Person auf dem MacBook daneben zu sehen ist. Ich musste mich wirklich dazu zwingen, nicht dem Bedürfnis meiner Augen zu folgen, das Bild der jeweiligen Person anzuschauen. Spagat fürs Gehirn. Sicherlich ist das Trainingssache aber bislang fühlt es sich für mich noch unangenehm an.

Es wird Zeit, dass die Technik nachzieht und die Kameras in den Bildschirm eingebaut werden. Das wird kommen. Bis dahin dürfen wir uns gedulden.

Wohnzimmer-Retreat: Allein und doch gemeinsam

Mir hat es Freude gemacht. Obwohl mein Retreat-Tag als Veranstaltende etwas anders verlief, habe ich mich, soweit wie möglich an den Ablauf gehalten. Während der Meditationen und überhaupt auch während des Tages fühlte ich eine tiefe innere Verbindung zu den Menschen, die ich zum Teil gar nicht persönlich kannte.

Morgenmeditation „alleine mit anderen“ im Wohnzimmer-Retreat.

Die Teilnehmerinnen haben sich gut vorbereitet gefühlt und die Erfahrungen am Tagesende waren sehr interessant. Für jeden war es anfangs ungewohnt aber alle sagten, dass sie bereits nach kurzer Zeit gut in der Achtsamkeitspraxis, der Achtsamkeitsmeditation und im Schweigen angekommen sind.

Natürlich ist solch eine Online-Veranstaltung nicht mit einem Präsenz-Achtsamkeits-Retreat vergleichbar. Aber die Teilnehmer hatten offenbar einen schönen Tag; alle wirkten ruhig und ausgeglichen. Und ich konnte im Austausch am Abend noch mit einigen Missverständnissen über Achtsamkeit und Achtsamkeitsmeditation aufräumen.

Es war also nicht nur ein schönes Zur-Ruhe-Kommen, sondern das Wohnzimmer-Retreat hatte sogar einen Lernnutzen. Was will man mehr in Zeiten von Corona. Ich werde gleich mal ein paar neue Termine ansetzen – vielleicht bist du ja beim nächsten Mal mit dabei!? :o)

Wohnzimmer-Retreat buchen

Und sonst so?

Es geht mir gut. Ich komme immer mehr in der Ausnahmesituation an und sagte gestern erst, ich wünschte, ich könnte anderen etwas von meiner Gelassenheit, Ruhe und Kraft abgeben.

Der Mensch ist ein unglaubliches Wesen. Manchmal erschrecken mich die offensichtlichen Unzulänglichkeiten von Körper und Geist – und manchmal wiederum beeindrucken mich ihre Fähigkeiten. Zum Beispiel die Adaptionsfähigkeit. Unsere Spezies ist unglaublich anpassungsfähig.

Bei vielen kann ich sehen, dass die Corona-Krise zur neuen Normalität geworden ist. Viele haben akzeptiert, dass die Dinge liegen, wie sie liegen und es gelingt ihnen, das Beste daraus zu machen.

Wenn die Corona-Krise in die Knie zwingt

Nicht bei jedem ist das so, wie ich gestern wieder einmal feststellen konnte. Ein ehemaliger Teilnehmer schrieb mir folgendes: „Es ist schon recht lange her, dass ich den MBSR Kurs bei Dir besucht habe. Leider war ich nicht sehr fleißig. Das hätte mich vor der jetzigen Angeschlagenheit bestimmt besser schützen könne. Aber wie heißt es so schön „Wer nicht hören will, muss fühlen/Erfahrungen sammeln.“

Leider kein Einzelfall.

Achtsamkeit bedeutet nicht, sich den Hintern auf einem Kissen plattzudrücken oder seine Atemzüge zu zählen, als wäre einem einer abhanden gekommen. Es bedeutet vor allem, ein resilientes Gehirn zu trainieren. Auf diese Tatsache ging ich in der Abendbesprechung des Wohnzimmer-Retreats ein, als eine Teilnehmerin sagte, dass sie die langen Meditationen über den Tag teilweise angestrengt hätten.

Achtsamkeitsmeditation ist keine Entspannungsübung

Achtsamkeitsmeditation dient nicht der Entspannung. Sie ist ein Geistestraining, das wir praktizieren, um Einsicht zu erlangen. Einsicht in die eigene innere Natur und in die Natur aller Dinge. Diesen Einsichten folgt ein tiefes inneres Verstehen. Und daraus wiederum resultiert die tiefe Entspannung, die wir bei vielen Achtsamkeit Praktizierenden erleben können.

Wieder einmal zeigt sich, wie wichtig es ist, Achtsamkeit bei ruhiger See zu erlernen, um in stürmischen Zeiten ein geübter Navigator zu sein.

Achtsamkeit lernen, verkörpern und anderen vermitteln →

Wenn es reicht

Mir ist vorgestern einmal kurz die Contenance entglitten, als ich über WhatsApp die Nachricht bekam, dass sich zu Hause und im hauseigenen Garten ausschließlich die dort gemeldeten Personen aufhalten dürfen. Das war ein Moment, wo ich wütend wurde und dachte: „Jetzt reichts – das mache ich nicht mehr mit!“

Glücklicherweise erhielt ich kurz darauf eine weitere Mittelung, das niedersächsische Ministerium habe diese Anordnung wieder aufgehoben, weil die Menschen Sturm dagegen gelaufen seien. Auch Duldsamkeit hat Grenzen.

Da das Wetter so wunderbar ist, verlagere ich einen Teil des Lebens auf die Veranda. Und so gönne ich es mir von Zeit zu Zeit, einen Familienangehörigen oder einen lieben Freund einzuladen. Mein großer Garten lässt viel Raum für Social Distancing. Schön, dass Besuche einer vertrauten Person auch weiterhin gestattet sind. Auf diese kleine Freude dann und wann hätte ich ungern verzichtet.

Japanische Verhältnisse

Wir begrüßen uns mit einem tiefen Gassho Teto (eine tiefe Verbeugung mit vor der Brust zusammengelegten Händen), um dann in gebührlichem Abstand im Garten unseren Tee einzunehmen und uns über das Heitere, Ernste und Merwüdige der Welt auszutauschen. Diese Celebration hat irgendwie etwas Japanisches ;o)

Nähe bekommt in diesen denkwürdigen Tagen eine neue Definition und eine neue Qualität. Findest du nicht auch?

Newsletter des DFME


Distanz

02.04.2020

Der Morgen ist klüger als der Abend. Nach einem erholsamen Schlaf und einer langen Morgenmeditation fühle ich mich gekräftigt und zuversichtlich. In den letzten Tagen habe ich mich zu sehr in die Erfordernisse des Arbeitsalltags hineinziehen lassen.

Ich finde es erstaunlich, wie oft man sich selbst bei schädlichem Verhalten zuschauen kann – und es trotzdem nicht schafft, damit aufzuhören. Wie besinnungslos raffelt man weiter, um den Ansturm zu bewältigen, der jedoch nicht abreißt. So geht Burnout.

Bei den meisten braucht es irgendein dramatisches Ereignis im Außen, um sie wieder zur Besinnung zu bringen. Bei mir helfen Meditation und Achtsamkeit :o)

Wieder zur Besinnung kommen

Es ist mein Lieblingsdichter Hermann Hesse, an den ich mich dabei erinnere. In seinem Buch Das Glasperlenspiel schildert er mit seiner unvergleichlich schönen Sprache eine Situation, die wunderbar das Verlorensein im Tun-Modus und die Vernachlässigung der Meditation beschreibt. Ich habe die Passage zum Anhören einfach mal aufgesprochen.

Vielleicht enttäuscht es dich zu lesen, dass auch eine Achtsamkeitslehrerin bisweilen aus der Praxis kippt. Willkommen in der Realität. Dass so etwas geschieht, ist nämlich völlig normal. Die Frage ist, was als nächstes geschieht. Und da liegt genau der Unterschied.

Achtsamkeit macht den Unterschied

Während die einen in Burnout oder Depression versinken, bemerkt eine Achtsamkeit Praktizierende, was geschieht und nimmt heilsamen Einfluss auf die Situation, um sich innerlich wieder in der Mitte auszurichten.

Solch eine Fähigkeit erfordert ein langes und systematisches Training des Gehirns. Vielen dürfte durch die Corona-Krise bewusst werden, wie wichtig es ist, sein Bewusstsein lenken zu können. Nur dadurch ist es möglich, sich aus „Unzuständen“ umgehend wieder herauszuholen und Glück, Erfüllung und Freude auch angesichts belastender Umstände zu finden.

Und hier kommt der Werbeblock für diejenigen, die sich auf den Weg machen wollen, ihre Stärke, Freude und ihr Mitgefühl durch die Praxis der Achtsamkeit zu kultivieren:

Meditierende Achtsamkeitstrainerin aus unserer Ausbildung.

Kuriositäten in Zeiten der Corona-Krise

Gestern stolperte ich über eine Kuriosität, die ich gerne mit euch teilen möchte. Es handelt sich dabei um ein Zitat aus dem aktuellen Newsletter des Netzwerks Achtsame Wirtschaft. Gleich zu oberst prangte das folgende Zitat: „In Krisenzeiten hilft nicht Geld, sondern die Verbundenheit und ein Netzwerk mit anderen Menschen.“ (Michaela Doepke)

Angesichts der Tatsache, dass per heute rd. 470.000 Betriebe in Deutschland Kurzarbeit angemeldet haben, ein interessantes Postulat. Ich vermag mir gar nicht vorzustellen, wie hoch die Zahlen derjenigen sind, die ihren Job oder sogar ihr Unternehmen verloren haben. Angesichts dieser Not zu sagen, dass Geld in Krisenzeiten nicht weiterhilft, hat mich doch etwas sprachlos gemacht. Oder sehe ich das falsch?

Propheten und Heilsbringer

Natürlich sind Netzwerke und Verbundenheit von essenzieller Bedeutung. Aber ich glaube, mit finanziellem Rückhalt könnte der der eine oder andere diese Verbundenheit tatsächlich auch genießen.

Kuriosität Nr. 2 sind Anzeigen (in Tageszeitungen!), die versprechen: „Banker zeigt Trick, wie du 1.478 € am Tag von zu Hause verdienen kannst. Krise kann so einfach sein.

Ich beschließe, diesem Kuriositätenkabinett für heute den Rücken zu kehren und achtsames Gärtnern zu praktizieren.

Suche in der Natur und in den Blumen nach Ruhe im Geist und nach Lebensfreude.

Wang Wei

Genau das, werde ich jetzt tun. Ihr findet mich … irgendwo im Garten.

So helfen dir Achtsamkeits-Rituale durch die Corona-Krise →

Achtsamkeitstag zu Hause? Nimm teil an meinem 1-tägigen „Wohnzimmer-Retreat“ →


Folter

01.04.2020

Deutschland sitzt zu Hause. Freelancer und andere Unternehmer versuchen derzeit, den drohenden Konkurs durch Online-Angebote abzuwenden. Das treibt bisweilen seltsame Blüten. Und „umsonst“!? Ist oft umsonst. Es hat auch seinen Preis. Manchmal den der geistigen Folter.

Ich habe mir heute das unzähligste schlecht gemachte Webinar angeschaut. Die Faszination des Grauens. Schlechte Bild- und/oder Tonqualität, mangelnde Ausleuchtung, fehlende Didaktik und redundante, schwadronierende Vortragende nehmen mir gerade die Freude an der neuentdeckten virtuellen Gemeinsamkeit.

Existenzielle Verzweiflung treibt blinden Aktionismus an

Es geht nicht nur darum, dass man die Kernaussagen mancher zweistündiger Webinare auf zwei DIN A4-Seiten hätte zusammenfassen können – oft sind die Online-Angebote so unstrukturiert und von ständigen Chats und Zwischenfragen der Teilnehmer so „zerhackt“, dass einem am Ende der Veranstaltung nur noch der Kopf dreht.

Ich frage mich, wie lange wir alle noch Freude an Meetings, Seminaren und Fortbildungen via Zoom und Co. haben werden. Was mich anbelangt, sind die Grenzen meiner Toleranz gerade erreicht. Morgen werde ich mal wieder informelle Achtsamkeit im Garten praktizieren, damit ich nicht vergesse, warum ich lebe.

Jeder tut sein Bestes

Auch wenn ich gerade genervt bin und das Gefühl habe, dass solche Veranstaltungen mir manchmal einfach nur die Lebenszeit und die Gemütsruhe klauen, so kann ich doch die existenzielle Not dahinter sehen. Viele müssen schnell mit Angeboten in den Markt, um ihr Überleben abzusichern. Da bleibt nicht viel Zeit, sich mit Qualität aufzuhalten.

Auch ich biete mit dem Wohnzimmer-Retreat mein erstes Online-Seminar an und ich mache mir Gedanken darüber, wie es zu einer angenehmen Erfahrung für die Teilnehmer werden kann. Heute haben wir mit Beleuchtung und Ton experimentiert. Und ich habe mir überlegt, wie ich es schaffe, mit meinen Ausführungen kurz und knackig zu sein, damit die Menschen, die den Corona-Virus überlebt haben, nicht an Langeweile durch meine Webinare sterben.

Müdigkeit, die keinen Raum für Corona-Sorgen lässt

Ob mir das gelingt? Ich weiß es nicht. Vielleicht werde ich am Ende erkennen, dass ich mich mit meiner eigenen Veranstaltung auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Wir tun alle unser Bestes. Es ist mir wichtig, beides anzuerkennen: Die Tatsache, dass jeder seine Sache so gut macht, wie er kann und die Tatsache, dass mein Geist unter dem Dargebotenen oft leidet.

Die letzten Tage waren anstrengend. Viel Kommunikation und laufend Neues zu lernen. Zwischendurch habe ich auch mal in die Nachrichten hineingehört. Nichts, was zum Jubeln Anlass gab. Ich fühle Müdigkeit. Dadurch bekommt die Corona-Krise etwas Unwirkliches.

Bin ich wirklich wach?

Bin ich wirklich wach? Bin ich der Mensch, der träumt, er sei ein Schmetterling oder bin ich der Schmetterling, der träumt, er sei ein Mensch?

Ich werde jetzt ins Bett gehen und sich die barmherigen Schwingen des Schlafes über mich ausbreiten lassen. Und der Morgen – wird für sich selber sorgen.

Schlaflos

01.04.2020, 1:20 Uhr

Wer ist wach
ganz allein auf dieser schlafenden Erde,
in der Luft,
die zwischen den regungslosen Blättern schlummert?

Wer ist wach
in den stillen Nestern der Vögel,
in den verschwiegenen Kelch-Gemächern der Lumenknospen?

Wer ist wach
in den zitternden Sternen der Nacht,
in dem pochenden Schmerz tief in meinem Inneren?

Rabindranath Tagore


Wohnzimmer-Retreat

31.03.2020

Jeder, der schon mal an einem Retreat teilgenommen hat, weiß zweierlei: 1. Ein Retreat ist kein Sonntagsspaziergang und 2. Ein Retreat ist sehr unterstütztend für die Meditations- und Achtsamkeitspraxis.

Heute dachte ich darüber nach, wie hilfreich ein Retreat gerade in dieser Krisenzeit wäre, wo die Praxis bei einigen einer großen Zerreißprobe ausgesetzt ist. Gerade jetzt wäre es nötig, die geistigen Kräfte zu unterstützen und zu stärken.

Alleine aber nicht einsam

So kam ich auf den Gedanken eines „Wohnzimmer-Retreats“. Die Idee ist, dass jeder für sich und doch gemeinsam mit anderen meditiert. Das wirkt der Vereinsamung entgegen und man kann Kraft aus der geistigen Verbundenheit mit Gleichgesinnten ziehen.

Im Vorfeld bekommt jede Teilnehmerin Unterlagen zur Vorbereitung des Wohnzimmer-Retreats. Am Tag selbst gibt es morgens ein Online-Treffen über Zoom und abends zum Abschluss nochmal ein Treffen, in welchem die Teilnehmer ihre Erfahrungen des Tages miteinander teilen können. Schaun wir mal, ob das Format angenommen wird.

Hier findest du mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung für das Wohnzimmer-Mini-Retreat →

Und sonst so?

Die Klorona-Krise hat mich nun doch erwischt. Habe heute vergeblich versucht, bei Rossmann, Lidl oder Rewe Toilettenpapier zu kaufen: alles weg! Hätte ich wohl doch mal bunkern sollen …

Letztens ließ meine Freundin Britta mir zwei Rollen hier. Liebe Britta, wenn du das liest: Jedesmal, wenn ich mir den Popo abwische, muss ich an dich denken ;o))

Ich bin froh, dass es trotz der harten Zeiten zwischendurch immer wieder mal Situationen gibt, die mich köstlich amüsieren.

Was mich berührt

Tief berührt bin ich von den Zuschriften, die uns täglich erreichen. Derzeit jonglieren wir mit Informationen, die wir gar nicht haben und unseren Veranstaltungsterminen. Wir mussten das Mini-Retreat absagen und müssen die eine oder andere Präsenzwoche der Ausbildungen verschieben.

Wir hatten bislang nicht einen einzigen Absolventen unserer Ausbildung (inklusive derjenigen, die im Juni erst anfangen), der irgendwie negativ war. Ganz im Gegenteil. Alle bleiben ruhig, würdigen unseren derzeitigen Spagat und freuen sich darüber, von uns in der Krise immer gut informiert und begleitet zu werden.

Zitat aus einer heutigen Mail:

Ich finde es super, wie ihr mit der Situation umgeht, uns regelmäßig auf dem Laufenden haltet und konstruktive Lösungen findet.

Dankbarkeit und Glück durch Mitgefühl, Wertschätzung und Besonnenheit

In der Tat ist das ist ein hartes Stück Arbeit. Aber das Verständnis, den Gleichmut und die Wertschätzung der Menschen zu sehen, die mit uns sind, macht mich wirklich zutiefst glücklich. Und es erleichtert auch enorm.

Wir werden die Krise überstehen – weil alle besonnen und kooperativ bleiben. So wird es für niemanden einen Schaden geben. Und wir werden alle über uns hinausgewachsen sein. Wir werden gesehen haben, wie viel Güte und Kraft in uns stecken.

Ja, wir sind unendlich!


„Sommerzeit“

30.03.2020

Die Umstellung auf die künstliche „Sommerzeit“ torpediert in jedem Frühjahr eines meiner liebsten Rituale: In der Meditation auf den ersten Ton des ersten Vogels am frühen Morgen zu lauschen! Gewöhnlich beginne ich gegen 5 Uhr mit dem Meditieren und in den letzten Tagen konnte ich den ersten Pieps so gegen 5:20 Uhr vernehmen. Heute hörte ich ihn erst um 6:31 Uhr. Da war ich mit dem Meditieren bereits durch. Das macht mich gerade etwas mufflig.

Mir fällt dabei ein, wie  psychologisch geschickt die Bevölkerung bei der letzten Umfrage zur Sommerzeit manipuliert wurde. Statt zu fragen: „Möchtest du die natürliche Zeit zurück?“, fragte man uns: „Möchtest du lieber Sommerzeit oder Winterzeit haben?“. Wer will schon „Winter“!?

Lemminge

Wer nicht geübt darin ist, seine Gedanken achtsam zu erforschen, wird die suggestive Scharade kaum durchblicken. Er wird eher geneigt sein, spontan-automatisch zu voten: „Ich will Sommer!“ Vor allem, wenn diese Frage im Herbst oder im Frühjahr gestellt wird, wo man gewöhnlich dem Sommer hinterhertrauert bzw. ihn ersehnt. Ein schönes Beispiel dafür, wie scheinbar demokratische Prozesse durch geschickte Fragestellungen gezielt in eine bestimmte Richtungen gelenkt werden können.

Chaos in der Corona-Krise

Da ich schon mufflig bin, mache ich gleich mal weiter. Tatsächlich ist mir gestern Abend etwas aufs Gemüt geschlagen. Um inneres Chaos zu vermeiden, habe ich meinen Nachrichtenkosum auf ein Minimum reduziert. Mit Rücksicht auf meine Seelenruhe halte ich mich bewusst von Verschwörungstheorien und Anti-Regierungs-Diskussionen fern.

Aber irgendwie schaffen es solche Informationen bisweilen doch bis in meinen Kopf. Wie gestern. Via WhatsApp – was schon erstaunlich ist, weil meine Handynummer nur wenige ausgesuchte Menschen haben.

Ich bekam zwei Youtube-Videos zugeschickt. Darin wird erklärt, die ganze Corona-Epidemie sei ein einziger Fake. Die Bundesregierung habe aufgrund von falschen und falsch interpretierten Fakten mit dem Shut-Down eine riesengroße Fehlentscheidung getroffen.

Sich widersprechende Informationen über die Corona-Krise

Normalerweise hätte ich mir das a) gar nicht erst angeschaut und b) als Blödsinn sofort wieder gelöscht. Aber der Absender ist jemand, den ich als vertrauenswürdig einstufe und die Personen, die in den Videos zu Wort kommen, sind Mediziner, Universitäts-Professoren und anerkannte Epidemiologen – also Leute, von denen man annmimmt, dass sie wissen, worüber sie reden.

Die Experten schlagen Alarm und liefern handfeste Belege für eine völlige Fehleinschätzung der Corona-Krise durch die verantwortlichen Regierungsvertreter.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Da haben wir auf der einen Seite renommierte Fachleute. Sie sagen, wir hätten eine Pandemie, die es zum Schutze der Menschheit rechtfertigt, Bürgerrechte weitgehend außer Kraft zu setzen, Entscheidungen über Leben- und Sterbenlassen zu treffen, eine Weltwirtschaftskrise einzuleiten, Existenzen zu vernichten und unzählige Menschen in wirtschaftliche Not zu stürzen.

Und auf der anderen Seite haben wir ebenso renommierte Fachleute, die genau das Gegenteil behaupten: Es gäbe keine echte Gefahr und die Maßnahmen seien allesamt unnötig.

Corona-Krise: Ab in die Depression

Die Situation ist unklar und ich spüre Verwirrung. Fasziniert beobachte ich, welche Gedanken mein Kopf über die Situation produziert und welche Emotionen sie auslösen. Zusammen mit der Verwirrung tauchen Gefühle von Hilflosigkeit, Enttäuschung und Wut auf. Am liebsten würde ich den ganzen Mist abmurksen.

In meinem Kopf überschlagen sich viele Fragen: „Wie kann es zwei so klare Fronten in der Corona-Krise geben?“ „Wie kommt es dazu!?“ „Wem kann ich noch glauben?“ „Was kann ich noch glauben?“

Fragen, die depressive Zustände begünstigen

Das sind typische Fragen, die Depressionen begünstigen, denn es gibt keine eindeutigen Antworten darauf. Es handelt sich aber um eine Art von Fragen, auf denen der Geist gerne manisch herumreitet und die er permanent wiederkäut.

Durch Denken und noch mehr Denken versucht er verzweifelt, Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Als würde intensiveres und noch angestrengteres Nachdenken zu Klarheit führen. Was es jedoch nicht tut.

Natürlich findet der Geist die Antworten nicht, was Traurigkeit, Hilflosigkeit und Wut nach sich zieht. Wieder setzt der Geist an, den begleitenden deprimierenden Emotionen zu entfliehen, indem er die Gedanken erneut aufnimmt. „Da muss sich doch eine Lösung finden lassen!“

Nach wie vor findet er aber keine zufriedenstellenden Antworten (weil es keine gibt). So führt dieses fruchtlose Ping-Pong zwischen zwanghaften Gedanken und deprimierten Emotionen in einen immer enger werdenden Abwärtstrichter, der in einem depressiven Zustand münden kann.

Sich mit Achtsamkeit aus den depressiven Gedanken befreien

Vor allem Menschen, die zu Depressionen neigen, sollten diese Dynamik ernst nehmen. Aber alle anderen ebenso. Denn auch wenn nicht die Gefahr einer handfesten Major-Depression droht, kann der Mechanismus des Denkens zu belastenden depressiven Verstimmungen führen. Und das braucht wirklich niemand. Grundsätzlich nicht und zu dieser Zeit schon gar nicht.

Die Corona-Krise ist also eine gute Möglichkeit, mehr über die eigenen Psychodynamiken zu lernen, herauszufinden, wie sie bei uns wirken und die Fertigkeit zu entwickeln, diesen Prozessen mit Achtsamkeit heilsam entgegenzuwirken.

4 Achtsamkeits-Tipps zur Vermeidung von Depressionen in der Corona-Krise

1.  Stoppe, halte inne, nimm achtsam wahr

Hier ist schon wieder dieses Stoppen und Innehalten. Ja, ich kann es nicht oft genug wiederholen ;o)

Wenn die Seele leidet, bringt sie das durch Gedanken, Emotionen und körperliche Empfindungen zum Ausdruck. Oft merken wir erst, dass wir leiden, wenn wir mittendrin stecken. In diesem Fall ist gegensteuern schwieriger. Am besten ist, die Dynamik so frühzeitig wie möglich zu erkennen.

Achte besonders auf die Inhalte und die Dynamik der Gedanken, die dir durch den Kopf gehen. Beobachte auch, wie die Gedanken deine Gefühle und dein Körperempfinden beeinflussen. Wenn es heikel wird, setzt du dich am besten hin und machst dir dazu einige Notizen. So durchblickst du schneller, was vor sich geht.

Denke daran, dass sich die achtsame Erforschung von einer rein kognitiven Beobachtung durch die innere Haltung unterscheidet, in der sie durchgeführt wird. Prüfe deine Geisteshaltung anhand der Haltungen der Achtsamkeit.

2.  Erkenne an, dass es ist, wie es ist

Erkenne zunächst einmal dein Bedürfnis nach Klarheit und verlässlichen Informationen an. Als Bürger und Menschen haben wir ein Recht darauf. Gerade deshalb kann es schwer sein, anzuerkennen, dass wir diese Sicherheit und Orientierung erzeugende Situation (derzeit) nicht bekommen werden.

Wir brauchen das nicht gut zu finden. Aber es geht darum, die Situation zu sehen, wie sie gerade ist: Wir werden mit diesen beiden Lagern sich widersprechender Experten leben müssen.

Die Akzeptanz umfasst auch unseren eigenen Schmerz. Wir dürfen anerkennen, wenn uns das Ganze hilflos und wütend macht und dass wir unter der Situation leiden. Auch dieses Leid ist Teil der momentanen Erfahrung.

3.  Glaube nicht alles, was du denkst

Der Geist neigt dazu, die von ihm produzierten Inhalte (Gedanken) für die Wahrheit zu halten. Oft wird dabei die Wirklichkeit mit den Gedanken über die Wirklichkeit verwechselt. Wer seine Gedanken untersucht, wird vor allem zwei Dinge feststellen: Sie entstehen ohne unser bewusstes Zutun und sie gehen, wie sie gekommen sind. Ebenfalls ohne unser Zutun.

Stimmunglagen sind wie Wetterlagen

Es geht also darum, die Gedanken als flüchtige Erscheinungen zu erkennen, statt allem Glauben zu schenken, das am Horizont unseres Bewusstseins vorbeiwabert. Gedanken und die sie begleitenden Stimmungslagen sind wie Wetterlagen. Mal ist da Sonne, mal Bewölkung, mal Regen, mal Gewitter und mal Sturm oder Hagel. Dieses Kommen und Gehen lässt sich in der Meditation besonders gut beobachten.

Wenn wir nicht aufpassen, rennen wir immer noch im Regenmantel herum, obwohl längst schon wieder die Sonne scheint.

Don’t believe everything you think

Bei der Beobachtung der Gedanken lässt sich unschwer erkennen, wie viel „Trash“ dabei ist. Ich stehe meinen Gedanken manchmal selbst verwundert gegenüber und staune, was der Geist so alles hervorbringt. Weil der Geist ein unkontrollierbares Eigenleben hat, ist eine  gesunde Skepsis gegenüber den gedanklichen Produkten durchaus angebracht.

Auf diese Weise können wir erkennen, wenn sie uns irgendwo hinführen, wo wir nicht hinwollen – und uns für etwas anderes entscheiden.

4.  Folge deiner inneren Weisheit

Depressive Stimmungen werden durch zu viel Denken begünstigt. Du wirst schnell merken, dass Nachdenken nicht das geeignete Mittel ist, um dich aus einer miesen Stimmung während der häuslichen Corona-Quarantäne zu befreien.

Viel mehr Aussicht auf Erfolg hat es, die Weisheit des Kopfes mit der Weisheit des Körpers zu verbinden. Dabei hilft Achtsamkeit. Nutze deine Sinne, um aus den unheilsamen Gedankengespinnsten auszusteigen. Die Verbindung mit dem Körper verbindet dich mit der Realität des Hier und Jetzt, denn der Körper hat nur eine Zeit und einen Ort: Jetzt. Hier.

Wenn du in Verbindung mit deinen Sinnen bist, blickst du klarer. Du bist im wahrsten Sinne des Wortes bei dir. Das gibt dir Sicherheit und hilft dir herausfinden, wie du gut für dich sorgen kannst.

Möge die innere Erforschung während der Corona-Krise deine Geisteskräfte stärken und zur vollen Entfaltung bringen.


Stay at home

29.03.2020

Gestern sah ich, dass die Zahlen der Corona-Infizierten in Deutschland weiter steigen. Seltsamerweise fühlte ich nicht Besorgnis, sondern Dankbarkeit – Dankbarkeit für das entschlossene und zielstrebige Handeln unserer Regierungsvertreter. Denn habe mich gefragt, wo die Zahlen wären, wenn wir keinen Shut-Down hätten. Ich bin froh, dass uns Szenarien wie im italienischen Bergamo – zumindest bislang – erspart blieben.

Auch wenn ich hinter dem Vorgehen des Staates stehe, rufen gewisse Dinge doch eine leichte Besorgnis in mir hervor. Nach einer Woche war ich gestern mal wieder im Supermarkt einkaufen. Als ich auf meine Einkaufsliste auf dem Handy schaute, stand dort auf einmal am oberen Rand „Stay at home“.

Aktion ohne Grips

Vodafone schmückt sich mit dieser Aktion, die sie einen „freundlichen Reminder“ nennt. Wieder mal eine Aktion ohne Grips. Denn diejenigen, die sowieso zu Hause bleiben und nur zum Arztbesuch oder zum Einkaufen vor die Tür gehen, braucht man daran nicht zu erinnern. Alle anderen interessiert es ohnehin nicht.

Natürlich wusste ich auch vorher, dass man den Standort und die Bewegungen jeder Person über das Handy orten kann. Aber dieser „kleine Reminder“ brachte mir die Tatsache noch einmal unmittelbar ins Bewusstsein, und das macht mir Unbehagen.

Weil es sich für mich nicht gut anfühlt, auf solch eine Weise verfolgt (und gegängelt) zu werden, werde ich das Handy beim nächsten Mal zu Hause lassen – oder es zumindest auf Flugmodus schalten, wenn ich meine, es mitnehmen zu müssen.

Achtsamkeit

Fast täglich lese und höre ich von Praktizierenden, wie unterstützend die Achtsamkeitspraxis während der Corona-Epidemie für sie ist. Aber es gibt auch andere, die sagen, dass Achtsamkeit keine Stütze in der Krise für sie sei. Wenn jemand so etwas sagt, dann hat er nach meiner Erfahrung die Achtsamkeitspraxis nicht richtig verstanden und/oder sie wird nicht richtig (bzw. zu wenig) praktiziert.

Wenn man gar nicht wirklich Achtsamkeit praktiziert und wenn man es nur alle paar Monate mal aufs Meditationskissen schafft, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Praxis nicht wirkt.

Ein achtsames Gehirn erzeugt man nicht durch das bloße Bedürfnis danach. Um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erzeugen, braucht es ein systematisches Achtsamkeitstraining über einen längeren Zeitraum.

Ein verzerrtes Verständnis von Achtsamkeit

Viele fühlen sich berufen, über Achtsamkeit zu schreiben oder sie sogar zu lehren, ohne über das dafür erforderliche tiefe buddhistische Hintergrundwissen zu verfügen, geschweige denn über die notwendigen Erfahrungen einer eigenen stringenten Achtsamkeitspraxis. Dadurch kursiert in der Öffentlichkeit eine Menge Unsinn über Achtsamkeit, der zu vielen Irritationen (und Frustrationen) führt. Manche praktizieren etwas in einem Verständnis, das der Achtsamkeitspraxis sogar entgegensteht.

Ein großes Missverständnis ist zum Beispiel, Achtsamkeit für die schicke Schwester von Aufmerksamkeit zu halten. „Die Polizei rät zu mehr Achtsamkeit“. Falsch ist das nicht. Aber bei der Achtsamkeit, die ihren Siegeszug um die Welt angetreten hat, weil ihre Wirkungen als so heilsam erfahren werden, handelt es sich nicht um eine kognitive Fähigkeit, sondern um eine Meditations- und Lebenspraxis, die ihre Wurzeln in den buddhistischen Lehren hat.

Achtsamkeit als seelenlose Gehirnakrobatik

Um sie vom Verdacht einer möglichen religiösen Indoktrination freizuhalten, wird vollmundig erklärt, dass die Praxis der Achtsamkeit „säkularisiert“ vermittelt wird. (Eine Aussage, die mein Lehrer, Jon Kabat-Zinn, der „Vater der modernen Achtsamkeitspraxis“ übrigens gar nicht gerne hört).

Achtsamkeit die ihrer buddhistischen Wurzeln beraubt wird, ist nicht mehr, als eine ebenso geistlose wie wirkungslose Gehirnakrobatik.

Doris Kirch

Achtsamkeit, die ohne Anbindung an ihre Herkunft vermittelt und praktiziert wird, ist wirkungslos. Jedenfalls im Hinblick auf die ihr zugeschriebenen Wirkungen. Was die Achtsamkeitspraxis zu dem macht, was sie ist, sind die dahinterstehenden Haltungen der Achtsamkeit.

Lerne hier mehr über die Haltungen der Achtsamkeit →

Die geistigen Qualitäten der Achtsamkeitspraxis

Wenn jemand sagt, er praktiziere Achtsamkeit und ist mit den Haltungen der Achtsamkeitspraxis nicht vertraut, dann praktiziert er keine Achtsamkeit. Er bemüht sich einfach, im Alltag etwas aufmerksamer zu sein. Was ja, für sich genommen, eine feine Sache ist – nur eben keine Achtsamkeitspraxis.

Die Haltungen der Achtsamkeitspraxis haben eine Leuchtturmfunktion. Ein Leuchtturm ist nicht das Ziel – er weist den Weg zum Ziel. Das Ziel ist Einsicht (Weisheit). So sind diese Tugenden ein Bezugspunkt, ohne den wir nicht erkennen würden, wenn wir uns auf dem Weg verloren haben.

Mit Achtsamkeit heilsame geistige Zustände kultivieren

Wir, die wir Achtsamkeit im Sinne ihrer Wurzeln praktizieren, üben uns darin, die geistigen Qualitäten Anfängergeist, Nicht-Urteilen, Nicht-Streben, Akzeptanz, Seinlassen, Geduld und Vertrauen in jedem Augenblick unseres Lebens zu verwirklichen. Wir tun das mit Freundlichkeit, (Selbst-)Mitgefühl und Dankbarkeit – und  ich rechne gerne noch eine gute Portion Humor dazu.

Wenn mir zum Beispiel auffällt, dass ich bereits den ganzen Vormittag lang frustriert darüber bin, dass die Kontaktverbote bis nach Ostern nicht gelockert werden, dann kann mir die Besinnung auf Akzeptanz, Geduld und Selbstmitgefühl helfen, in eine heilsamere geistige Verfassung zurückzufinden. Soweit die Theorie.

Simple but not easy

Das hört sich so leicht an. Ist es aber nicht. Es ist einfach – aber nicht leicht. Die Stunde der Wahrheit schlägt auf dem Meditationskissen, im Ringen mit dem Gedankenchaos und ungebetenen, unangenehmen Gefühlen – und während der Corona-Krise an der Supermarktkasse … Hier zeigt sich in splitternackter Wahrheit, wo wir in unserer Praxis wirklich stehen.

Wir können eine Menge toller Bücher gelesen haben und viel über Achtsamkeit wissen. Aber was wir können, was wir verwirklicht haben, das zeigt sich vor allem in Krisensituationen. Und im Umgang mit Partner und Kindern. Der Alltag ist der Gradmesser. Er hält uns den Spiegel vor und zeigt uns unerbittlich, wie weit es mit unserer Achtsamkeitspraxis wirklich her ist.

Milde mit uns sein

Jeder Moment, in dem wir merken, dass wir aus der Praxis herausgekippt sind, ist ein Moment der Achtsamkeit, für den wir uns beglückwünschen sollten. Und es ist wichtig, dass wir in diesen Momenten milde mit uns sind, uns für unsere Unachtsamkeit nicht anmeckern. Die Praxis der Achtsamkeit ist eine Praxis des Herausfallens und Zurückkehrens von Moment zu Moment.

Das, was wir einen konstanten Strom achtsamen Gewahrseins nennen, liegt in der Mitte dieser beständigen Hin- und Herbewegung.

Achtsamkeit und Meditation unterscheiden sich grundlegend von allem, was du in der Welt lernst. Normalerweise lernen wir immer in der Absicht uns zu verbessern. Aber bei Achtsamkeit geht es überhaupt nicht ums Verbessern. Es geht darum zu bemerken, dass du schon perfekt bist, so wie du bist.

Jon Kabat-Zinn

Auf dem Boden der Tatsachen

Das bringt uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und verhindert, spirituell überzuschnappen. Ich liebe den Pragmatismus der Achtsamkeitspraxis :o)

Was mich anbelangt, möchte ich nicht so tun, als hätte ich stets und ständig alles im Griff. Jeder Praktizierende, egal, wie lange er schon dabei ist, kann mit seiner Praxis mal in Schieflage geraten. Manchmal sind die Anforderungen einfach zu hoch und sie folgen zu schnell aufeinander. Dann brauchen wir die Sangha. Zur Zeit Buddhas beschrieb das die Mönchsgemeinschaft.

Lernen durch die Sangha

Auch heute gibt es noch Sanghas: Gemeinschaften von buddhistischen Praktizierenden. Die Sangha gehört zu den Drei Juwelen der buddhistischen Grundlagen: Buddha, Dharma (die Lehre) und Sangha (die Gemeinschaft).

In einer Sangha gibt es (jedenfalls ist das die Idee) keine Klugscheißer. Wenn mal jemand aus der Praxis gekegelt wird, dann ist es das Vorbild seiner Mitpraktizierenden, das ihn wieder zurückbringt. Nichts beruhigt in einem aufgeregten Moment mehr, als der Anblick einer Person im inneren Gleichgewicht.

„Belehre“ ich als Achtsamkeitslehrerin andere, dann lernen sie … belehren. Meine Aufgabe sehe ich eher darin, sie an das zu erinnern, was sie bereits wissen. Ihr Augenmerk wieder auf die Praxis zu richten und auf die Haltung, in der sie ihre Praxis ausüben.

Achtsamkeitspraxis in der Corona-Krise

Was bedeutet das für deinen Alltag in der Corona-Krise? Ich weiß nicht, wer diesen Achtsamkeits-Blog liest. Vielleicht gehörst du zu denen, die keine finanziellen Probleme haben, die sich nicht um Kinder zu kümmern brauchen und die ihre Zeit in einem geräumigen Haus mit Garten verbringen können.

Möglicherweise bist du jedoch auf Kurzarbeit, hast im Moment Berufsverbot oder hast sogar deinen Job verloren. Oder du sitzt mit Partner/in und Kindern in einer kleinen Wohnung und dir fällt gerade die Decke auf den Kopf.

Weil die Voraussetzungen so unterschiedlich sein können, fällt es mir schwer, etwas allgemein Hilfreiches zur Achtsamkeitspraxis in der Corona-Krise zu sagen. Von einigen, die ohne große existenzielle Herausforderungen durch die Krise zu kommen, hörte ich, dass sie die Zeit nutzen, um wieder mehr zu meditieren. 

Andere sind überbeansprucht damit, zu Hause zu arbeiten und parallel dazu Beziehung und Kinder in ungewohnter Enge managen zu müssen. Für sie dürfte es eher darum gehen, wie sie sich derzeit einen Freiraum für Meditation schaffen können.

Doppelbelastung von Kindern und Home-Office als Achtsamkeitsübung.

Wie du Achtsamkeit während der Corona-Krise zu Hause übst

Es wird dich vielleicht überraschen aber beide Situationen bieten gleichermaßen Möglichkeiten, Achtsamkeit zu praktizieren. Als berufstätige Mutter wirst du derzeit möglicherweise keine Ruhe für die formale Meditation auf dem Kissen finden. Dann praktiziere informell, indem du Achtsamkeit in die täglichen Verrichtungen bringst.

Die informelle Praxis braucht auch dann und wann Aufladung durch die formale Praxis aber für eine gewisse Zeit können die alltäglichen Verrichtungen gute Achtsamkeitsübungen sein. (Wenn du sie dazu machst ;o)

Eine weitere Möglichkeit des häuslichen Übens ist die Gehmeditation. Keine Wohnung ist zu klein für ein paar Schritte. Es müssen durchaus keine langen Gehstrecken sein; es reicht eine Strecke mit 10 Schritten.

Mit Kindern Achtsamkeit praktizieren

Beziehe deine Kinder in die Achtsamkeitspraxis ein. Nicht „beschulend“, sondern mit ihnen gemeinsam praktizierend. Zum Beispiel beim morgendlichen und abendlichen Zähneputzen. Praktiziert gemeinsam achtsames Essen, Sitzmeditation mit Beobachtung des Atems oder den Bodyscan (hier findest du auch einen Bodyscan für Kinder zum kostenlosen Herunterladen.

Corona-Krise: Achtsamkeit im Home-Office praktizieren

Erste Hilfe – Wenn dir die Decke auf den Kopf fällt

Stoppen und Innehalten

Lies noch einmal über die heilsamen Wirkungen des Stoppens und Innehaltens nach.

Nutze die Atemraumübung

Die Atemraumübung (auch Atempause genannt) ist eine hervorragende Erste-Hilfe-Übung für schwierige Momente.

Gönne dir eine Auszeit mit der ‚1 Minute Meditation‘

Cool down mit einer 1-Minute-Meditation. Speichere dir den Link zu dieser Meditation auf deinem Handy ab, um sie für Ausnahmesituationen verfügbar zu haben. Alternativ kannst du das Video auf Youtube deiner Playlist hinzufügen.

Praktiziere R.A.I.N

R.A.I.N. ist ein Akronym für einen Prozess zum heilsamen Umgang mit schwierigen emotionalen Zuständen →

Praktiziere Selbstmitgefühl

Erfahre mehr über die heilende Kraft des Selbstmitgefühls →
Praktiziere die Selbstmitgefühlsübung „Heilsame Hände“ bei emotionalem Schmerz und Erschöpfung →
Lerne mehr über den achtsamen Umgang mit Wut →

Und sonst so?

Geist im Jogging-Anzug

Die häusliche Quarantäne unter dem Corona-Virus begünstigt nicht nur die innere, sondern auch die äußere Verwahrlosung ;o) Wie ich so rundherum hörte, verzichtet die eine oder andere Frau neuerdings aufs Schminken („Für wen soll ich denn das machen?“) und die Männer aufs Rasieren. Beiderlei Geschlechter machen es sich zu Hause gemütlich und haben Jeans und Hemd oder Bluse längst gegen den schlabbrigen alten Jogging-Anzug eingetauscht.

Ich bemerkte auch bei mir solche Tendenzen und habe festgestellt, dass sie mir nicht gut tun. Die äußere Lässigkeit wirkt sich unangenehm auf meine Arbeitsmotivation aus und fördert die Neigung, mich hängenzulassen. Um mir das Gefühl einer gewissen „Normalität“ zurückzuholen, habe ich mich heute wieder feingemacht und fühle mich irgendwie disziplinierter. Werde das beibehalten.

Heutiger Süßigkeitenkonsum: zwei Pralinen.


Achtsame Kommunikation

26.03.2020

Zur Freude der einen, zum Bedauern der anderen herrscht in unserer Gesellschaft seit dem Mittelalter kein Faustrecht mehr. Seit dem darf man einem anderen nicht mehr ungestraft auf die Birne hauen. Jedenfalls nicht mit Fäusten. Doch der Kampf Mann gegen Mann geht weiter. Wir haben ihn zivilisatorisch angepasst und fechten ihn heute mit Worten aus.

Homo homini lupus

heißt es dazu in der Komödie Asinaria des römischen Dichters Plautus aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Wir kämpfen heute „unter dem Radar“.

Läuft während der Corona-Krise eine Freundin in mäandernden Bögen auf mich zu und ich sage lachend: „… kommt torkelnd über den Rasen“. Fauchende Reaktion: „Ich kann ja wieder gehen, wenn’s dir nicht passt.“

Auf meine Irritation bekam ich zur Antwort, das wäre ein Witz gewesen und ich werde der Humorlosigkeit bezichtigt. So läuft Corona-Kommunikation. Und so läuft zwischenmenschliche Kommunikation. Öfter als uns lieb ist.

Ich höre was, was du nicht sagst

Meistens ist es gar nicht unsere Absicht, unser Gegenüber anzugreifen. Und doch verletzen wir andere durch die Wahl unserer Worte öfter als es uns bewusst ist. Wut und Ärger entstehen dadurch, wie wir miteinander umgehen, was sich dadurch ausdrückt, wie wir miteinander reden.

Mir fällt angesichts der Komplexität von Kommunikation immer wieder aufs Neue die Kinnlade herunter. Das einfachste Modell, das diese Komplexität aufzeigt, ist das Kommunikationsquadrat des Hamburger Kommunikationswissenschaftlers Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun.

Warum Kommunikation so anfällig für Stress ist

Ich will das Modell einmal kurz skizzieren, um aufzuzeigen, wieso Kommunikation so komplex und dadurch so außerordentlich kompliziert und anfällig ist.

Jede Äußerung, die wir von uns geben, wirkt in vierfacher Weise. Ob es uns bewusst ist oder nicht, enthält jede unserer Botschaften eine

  • Sachinformation (worüber ich dich informiere)
  • eine Selbstoffenbarung (was ich von mir preisgebe)
  • einen Beziehungshinweis (was ich von dir halte und wie ich zu dir stehe)
  • einen Appell (was ich bei dir bewirken möchte)

Zum einen senden wir auf diesen Ebenen (durch unsere verbalen und nonverbalen Äußerungen). Zum anderen empfangen wir das, was wir hören, auf diesen Ebenen. Eigentlich sollte Kommunikation durch diese vier Aspekte geordnet und unmissverständlich sein. Das ist jedoch eher die Ausnahme.

Wir meinen zum Beispiel, lediglich eine Sachinformation übermittelt zu haben, während unser Tonfall und unsere Gestik verraten, dass sowohl eine Beziehungsbotschaft in unseren Worten enthalten ist, wie auch ein Appell. Das bekannteste Beispiel dafür ist die folgende Szenerie:

Frau und Mann sitzen im Auto. Sie fährt. Er sagt: „Du, da vorne, die Ampel ist grün.“ Sie entgegnet: „Fährst du oder fahre ich?“.

Botschaften senden

Nimm dir in diesen Tagen der Corona-Krise einmal die Zeit, eine missglückte Kommunikation zu analysieren. Dann wirst du wahrscheinlich feststellen, der Absender

  • hat nicht immer auf der Ebene gesendet, auf der zu senden er glaubte.
  • wollte den Empfänger zu etwas Bestimmtem veranlassen, hat seinen Appell aber maskiert transportiert und zum Beispiel als Sachinformation verkleidet.
  • glaubte, etwas auf der Beziehungsebene zu kommunizieren, hat sich aber vor allem auf der Sachebene bewegt.
  • hat seine Botschaft offensichtlich auf einer bestimmten Ebene gesendet – aber parallel dazu noch auf einer oder mehreren anderen.

Das ließe sich weiter fortsetzen. Hinzu kommt, dass wir in der Regel nicht wissen, was die ursprüngliche Absicht des Absenders war. Gab es eine manipulative Absicht? Wie viel Bewusstsein und bewusste Absicht lagen in den Worten des Absenders? Oder schossen sie völlig unbewusst, impulsgesteuert und unreflektiert aus den Untiefen seines Unterbewusstseins hervor?

Du solltest mehr über deine Gefühle reden.“
„Ich habe das Gefühl, es wird heute regnen.“

Vor allem, wenn wir uns verletzt fühlen, möchten wir andere für ihre Worte zur Rechenschaft ziehen. Aber wenn jemand gar nicht weiß, was er redet – welchen Sinn hat das?

Botschaften empfangen

Als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, haben wir da auch noch die Seite des Empfängers. In der Kommunikation senden wir nicht nur auf vier Ebenen – wir hören auch auf vier Ebenen. Das bedeutet: Wir kriegen manchmal etwas auf einem Kanal rein, auf dem ein anderer gar nicht gesendet hat.

Und in Wahrheit ist es noch komplizierter: Wir glauben manchmal, etwas auf einem bestimmten Kanal gehört zu haben, aber tatsächlich haben wir die Botschaft auf einer anderen Ebene empfangen … und reagieren entsprechend. Kein Wunder, wenn der andere sauer wird, weil er sich missverstanden fühlt.

In Wahrheit ist alles noch sehr viel komplexer und verworrener. Am Beispiel von Frau und Mann im Auto kann man das ansatzweise erkennen. Und man beachte: Bei diesem Beispiel, über das man stundenlang diskutieren könnte, handelt es sich nur um zwei! Sätze.

Sich in flottem Tempo die Sätze um die Ohren hauen

Gewöhnlich reden wir sehr viel mehr. In der Hitze eines Disputs hauen sich die Kontrahenten innnerhalb weniger Sekunden zahllose Sätze um die Ohren – und damit Mengen an ausgesprochenen und unausgesprochenen, bewussten und unbewussten gesendeten und empfangenen Botschaften. Was für ein Schlamassel.

Was solche Situationen erschwert, sind vor allem Textmenge und Zeit. Unter dem durch den Alarmzustand erzeugten Druck wird innerhalb kürzester Zeit zu viel gesagt. Klarheit und Vernunft aber auch Mitgefühl und Verständnis bleiben dabei zwangsweise auf der Strecke.

Lernen von Austen und Shakespeare

Einer der Gründe, weshalb ich Romane von Jane Austen und Bühnenstücke von William Shakespeare so gerne mag, ist die Geschliffenheit der Sprache. Selbst in Stresssituationen bleiben die Protagonisten, aufgrund der vorherrschenden Etikette, in ihrer Kommunikation höflich, überlegt und schön. Das zeigt: Es geht irgendwie auch anders.

Achtsame Kommunikation in der Corona-Krise

Wie können wir unsere Anliegen, Werte, Gefühle und Bedürfnisse auf eine Weise zum Ausdruck bringen, die andere nicht verletzt? Nicht immer werden wir es vermeiden können, dass unser Gegenüber sich angegriffen oder missverstanden fühlt – aber was können wir tun, um das nicht unnötig zu befeuern?

Es gibt zahllose Ursachen für missglückte Kommunikation. Nach meiner Ansicht liegen die Hauptursachen darin, dass wir zwar hinhören aber nicht wirklich zuhören und dass wir unbewusst reden.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist das Tempo. In der Hektik des Alltags stolpern wir in der Kommunikation oft über unsere eigenen Füße. Meistens werden wir uns erst im Nachhinein bewusst, was wir von uns gegeben haben.

Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?

Entschleunigung und Bewusstsein durch achtsame Kommunikation

Wenn wir es schaffen, unsere Kommunikation zu entschleunigen und mehr Bewusstsein hineinzubringen, ist bereits viel gewonnen. Die Achtsamkeitspraxis fördert beides. Leider lassen sich diese Fähigkeiten nicht anlesen – sie sind das Ergebnis eines systematischen Achtsamkeitstrainings, durch das die Fertigkeit einer bewussteren Kommunikation über die Zeit im Bewusstsein verankert wird.

Am Anfang steht auch hier wieder das schon erwähnte STOP. Wenn wir nicht wahrnehmen, das Unbehagen in uns aufsteigt und wir in diesem Moment nicht stoppen, setzt sich der Vorgang der Stresshormonausschüttung fort und wir befinden uns innerhalb von Sekunden im Alarmmodus. Im Zuge dieser körperlichen Generalmobilmachung kappt unser Überlebenssystem als erstes die Zugänge zu den klügeren und reflektierten Bereichen des Gehirns.

Von hier ab befinden wir uns wieder im „Amöben-Status“. Es liegt auf der Hand, dass Kommunikation, die aus dem Kampf- und Fluchtmodus heraus gestaltet wird, keine guten Früchte hervorbringen kann. Krieg führt immer nur zu noch mehr Krieg.

Stoppen, innehalten, Selbstklärung

Das Stoppen und Innehalten sind demnach das Zünglein an der Waage. Wenn mein Alarmsystem durch etwas aktiviert wird, das jemand zu mir gesagt hat, dann folgt dem Stoppen und Innehalten die Selbstklärung.

Wahrzunehmen, was ich gerade im Körper spüre, das Rasen der Gedanken zu beobachten und die verschiedenen Emotionen zu identifizieren, die gerade in mir aufwallen, schafft zunächst einen gewissen Abstand zum Geschehen. In der psychologischen Fachsprache nennen wir diesen heilsamen Abstand Disidentifikation.

Aikido der Kommunikation

Wenn ich angegriffen werde und es schaffe, zu stoppen, innezuhalten und wahrzunehmen, wie es mir gerade geht, passiert meistens folgendes: Ganz natürlich steigt Selbstmitgefühl in mir auf, für die Tatsache, dass ich mich schmerzvoll getroffen fühle.

Mir die Zeit zu nehmen, einen kurzen Moment mitfühlend auf mich selbst einzugehen, öffnet mich dafür, auch das Leid des anderen wahrzunehmen. Und das wiederum öffnet einen weiteren Raum, in dem ich jenseits alles Trennenden auch das Verbindende erkennen kann. Ich nenne das Achtsames Aikido der Kommunikation.

Kein Mindfuck

Dabei handelt es sich nicht um eine „Methode“ oder um eine mentale Wortakrobatik, sondern um eine Sprache des Herzens, bei der Achtsamkeit und Mitgefühl die Zunge lenken. Kein Mindfuck.

Lerne hier mehr über das Aikido der Kommunikation →

Dieser Prozess des Stoppens, Innehaltens, Selbstklärens und Mitgefühl-Spendens dauert nicht so lange, wie es auf den ersten Blick scheint. Ist er erst einmal verinnerlicht, vollzieht er sich wie eine einzige Bewegung – er durchflutet uns wie eine barmherzige warme Welle.

In späteren Beiträgen werde ich noch auf achtsames Zuhören und achtsames Reden eingehen. Aber für den Moment soll dies als Impuls erst einmal reichen. Hier sind noch weitere Beiträge von mir zum Thema achtsame Kommunikation. Vielleicht findest du auch dort Hilfreiches zum Anwenden in der Corona-Krise. Jetzt lernen und einüben und später in der „Normalität“ weiter nutzen :o)

Achtsam Reden mit dem Aikido der Kommunikation →
Achtsame Kommunikation im Arbeitsalltag →
Achtsames E-Mail-Schreiben →

Und sonst so?

Der Geburtstag ist vorbei und der „Corona-Alltag“ hat mich wieder. Ich schaue einmal täglich in die neuen Entwicklungen. Heute spürte ich beim Anblick der unaufhörlich steigenden Zahlen einen Anflug von hilfloser Frustration.

Beim näheren Hineinspüren merkte ich, dass es weniger die steigenden Zahlen sind, als vielmehr meine innere Haltung dazu. Jeden Tag starre ich gebannt auf die Zahlen, als könnte ich sie damit zum Sinken bringen. Wenn ich das tue, bewege ich mich aus der Akzeptanz der Dinge heraus, wie sie sind und möchte mit Macht einen Zustand, der zur Zeit nicht möglich ist. Gegenlenken.

Heraustreten aus unheilsamen geistigen Angewohnheiten

Ich trete heraus, aus diesen unheilsamen Neigungen und werde die Zahlen künftig in einer absichtsloseren Haltung anschauen – ohne den Anspruch im Hinterkopf, dass sie am besten sofort sinken müssen.

Nichts bleibt ewig. Alles wandelt sich. Die Corona-Pandemie macht da keine Ausnahme. Immer wieder geht es darum, Geduld zu kultivieren und das Augenmerk auf das Nächstliegende zu richten.

Die Achtsamkeitstrainer-Ausbildung: Im Dienste unserer Teilnehmer

Im Moment bin ich mit der Überarbeitung unserer Achtsamkeitstrainer-Ausbildung beschäftigt. Wir haben Sie ja auf zweieinhalb Jahre erweitert und das ganze erste Jahr konzentriert sich voll und ganz auf das Entwickeln einer eigenen stabilen Achtsamkeits-und Meditationspraxis.

Die Ausarbeitungen machen mir viel Freude und ich freue mich schon sehr darauf, im Juni mit einer neuen Ausbildungsgruppe zu starten, die übrigens fast ausgebucht ist.


Zeitqualität

25.03.2020

Vor vielen Jahren habe ich eine astrologische Ausbildung absolviert – und das erweist sich auch in der Corona-Krise als sehr hilfreich. Seriöse Astrologie hat nichts mit Bildzeitungs-Horoskopen zu tun. Sie ist auch kein Blick in eine Kristallkugel.

Die Planetenkunde beschreibt Zeitqualitäten und zur Zeit der Corona-Epidemie ist der Blick in die Sterne natürlich ganz besonders interessant. Der heutige Tag markiert einen Wendepunkt und darauf basierend wäre es nicht unwahrscheinlich, dass wir zum Wochenende das erste Mal sinkende Infektionszahlen für Deutschland sehen werden. Hoffen wir das Beste.

Eine Zeitqualität, die es in sich hat

Die Zeitqualität zeigt für den ganzen Monat April eine besonders spannungsgeladene Zeit. Es liegt viel Aggression in der Luft und eine Neigung zum Überreagieren. Das verschärft die ohnehin schon schwierige Zeit noch einmal deutlich. Wir werden alle zeigen dürfen, wie viel Kraft und Geduld in uns schlummert.

Mir hilft es, das zu wissen, denn mit diesem Bewusstsein im Hinterkopf achte ich noch mehr als sonst darauf, „den Ball flach zu halten“. Indem ich mir der Brisanz dieser Energien bewusst bin, fällt es mir leichter, aggressive Anflüge in mir selbst besser zu beobachten und frühzeitig gegenzusteuern, um Eskalationen zu vermeiden. Und es gelingt mir auch, nachsichtiger zu sein, wenn bei einem anderen die Zunge mal schneller ist als das Hirn.

Burgfrieden

In meinem Umfeld gibt es keine Gewalteskalationen. Nur gelegentlich spüre ich eine unterschwellige Ungehaltenheit. Manchmal auch bei mir. Gestern fiel mir das bei zwei Sätzen auf, von denen ich rückblickend dachte: „Diese Bemerkung war unnötig und ich hätte sie mir sparen können.“ In unserer WG kommen wir nach wie vor gut klar. Hier und dort fällt mal eine kleine Spitze oder eine etwas unangemessene Bemerkung aber niemand legt etwas auf die Goldwaage oder steigert sich in irgendetwas hinein. Wir sind uns alle bewusst, dass es schwierig ist und jeder gibt sein Bestes.

Corona-Geburtstag

Okay, ich wollte es ja eigentlich gar nicht schreiben … aber jetzt sind gerade so wunderbare Dinge passiert, die ich unbedingt teilen möchte … Ich habe heute Geburtstag. Gerade, noch früh am Morgen, klopfte es an der Tür. Man kann sich vorstellen, wie verwundert ich war. Und als ich öffnete, bot sich mir dieser Anblick:

Eine Mitbewohnerin unseres Gartens stand am Fuße meiner Treppe, wünschte mir alles Gute zum Geburtstag, und im Blumenkübel steckte dieses liebevolle Geschenk. Das hat mich so sehr berührt, heute an diesem Tag, an dem ich auf meine Kinder, Enkel und Freunde verzichten muss. *schnief*

Die zweite Überraschung kam von meinen beiden häuslichen Mitbewohnern. Sie haben im Garten Blumen für mich gepflückt – einen Strauß mit Symbolcharakter:

Die bunten Frühlingsblüten als Ausdruck des Wunsches nach Gesundheit; die aufbrechenden Knospen als Symbol für das Entfalten meiner Kraft und die vertrockneten Hortensienblüten als Zeichen von Sterben und Wiedergeborenwerden.

Was soll ich sagen!? Ich glaube, in meinen „normalen“ Alltag hätten mich diese Gaben niemals so tief erfreut und berührt, wie sie es gerade heute tun. Und ich wünsche mir für uns alle, dass es uns gelingen möge, die Fähigkeit der Freude an den kleinen Dingen des Lebens über die Corona-Krise hinaus in uns zu bewahren.

Und mir war es wichtig, meine Freude mit anderen zu teilen. Kannst du sie in dir spüren?

Freude ist etwas, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.

Freude mitten in der Corona-Krise

Apropos Freude … Hier ist meine Geburtstagstorte. Unsere „Nordis“ haben es wahrscheinlich gleich erkannt: Es ist eine Ossitorte. Für alle anderen: Eine Ostfriesentorte, die aus Sahne, Rumrosinen und einem halben Liter Rum besteht. Die Torte hatte es wirklich in sich :o)

Ich möchte von Herzen Lucca und Dirk danken, die mich heute den ganzen Tag über verwöhnt haben. Danke für eure Liebe und dass ihr mir diesen Tag mitten in der Krise zu solch einem wundervollen Tag gemacht habt. Diesen Geburtstag werde ich wohl nicht vergessen.


Überleben

24.03.2020

Ich betrachte die Geschehnisse rund um die Corona-Krise um mich herum aus einer gewissen inneren Distanz. Doch wie groß ist meine innere Distanz wirklich? Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass mich mein Überlebenssystem mehr im Griff hat, als es auf den ersten Blick scheint. Trotz gelassener Grundhaltung unterliegt mein Verhalten leichten Veränderungen.

Zuerst fiel es mir beim Essen auf. Heimlich still und leise wurden die Portionen größer. Erkannt habe ich das zunächst bei meiner Mitbewohnerin … bis mir klar wurde, dass auch meine Portionen mittlerweile größer geworden waren. Auch wenn ich gewöhnlich nicht fettreich koche, gehe ich derzeit mit Öl, Butter und Co. tatsächlich etwas sorgloser um. Alles keine großen Sachen – eher ziemlich subtil – aber eine Änderung zum gewöhnlichen Status quo.

Chips und Eis als Seelentröster

Gestern im Supermarkt habe ich einmal darauf geachtet, worauf mein Fokus sich automatisch richtete. Gewöhnlich landen zunächst einmal Berge von Gemüse und Obst im Einkaufskorb aber diesmal ging mein Blick mehr in Richtung Süßigkeiten und Eis. Die teilweise leergefegten Kühlregale zeigten mir, dass ich mich mit meiner Neigung in bester Gesellschaft befinde. Bei den Snacks fiel mir ein leeres Regel auf: die Gewürz-Chips waren ausverkauft.

Süßes, fettes Essen als Seelentröster. Klammheimlich sorgt unser Überlebenssystem dafür, dass wir uns Notreserven anlegen. Was mich zu der Überlegung brachte, ob ich weniger und fettärmer essen würde, wenn ich diesen Mechanismus durch Klopapier-Bunkern ausleben würde? Weight Watchers wird nach der Krise wohl einen enormen Zulauf verzeichnen ;o)

Wie dem auch sei: Mir ist durch achtsame Beobachtung bewusst geworden, was ich hier tue. Ab jetzt werde ich wachsamer für diese Tendenzen sein und sanft gegensteuern, um meinem Reptilienhirn nicht vollständig das Feld zu überlassen.

In der Krise hat der Homo Sapiens die Tendenz, Ressourcen zusammenzuhalten. Ich dachte, dass ich das nicht tue: Ich horte nichts und ich kaufe, was ich sonst auch kaufe. Ich halte nicht einmal zwingend mein Geld zusammen, denn erst gestern habe ich, trotz überschaubarer eigener Ressourcen, einer Freundin finanzielle Unterstützung angeboten. Aber das Überlebensprogramm wirkt auch hier unglaublich subtil – wie das nächste Ereignis zeigt.

Es ist Frühjahr und ich liebe Tulpen. Zu dieser Jahreszeit habe ich fast immer einen großen Strauß auf dem Tisch stehen. Mal einfarbig und mal bunt aber immer üppig. Gestern nahm ich beim Einkaufen wieder einen Strauß Tulpen mit. Als ich sie in der Vase arragierte, dachte ich, dass der Strauss etwas mickrig aussieht und mir fiel auf, dass ich gewöhnlich zwei Sträuße kaufe, weil ich die Fülle dieser Tulpensträuße gerne mag.

Überleben durch 3 Euro gesichert

Ich hatte einen zweiten Strauß schon in der Hand und habe ihn wieder zurückgesteckt. Vom Bewusstsein unbemerkt habe ich mich hier zurückgenommen … und damit 3 Euro gespart. Interessant ist, dass unser auf Überleben ausgerichteter Instinkt uns unbemerkt dazu veranlasst, auf diese Weise zu handeln. Fast noch interessanter ist, dass er sich dabei nicht um die Verhältnismäßigkeit schert.

So erklären sich auch die Hamsterkäufe und das massive Horten von Toilettenpapier. Deshalb prügeln sich Menschen im Supermarkt um die letzten Rollen (des Tages). Man kann sich selbst bei seinem irrationalen Verhalten zusehen und es völlig abstrus finden … und dennoch handelt man auf diese Weise. Ich sage bewusst „man“, denn das betrifft wohl jeden von uns.

Wo hat dich das Überlebensprogramm im Griff? Kannst du es in deinem Alltag sehen?

Im Herzen immer noch Wilde

Wer Achtsamkeit praktiziert, ist auch hier klar im Vorteil. Denn nur, wer sich seines Denkens, Fühlens und Handelns bewusst ist, kann Einfluss darauf nehmen. Sonst sind wir nicht mehr als Marionetten eines archaischen Programms. Im Herzen immer noch Wilde. Weit entfernt von innerer Freiheit.

Das begünstigt weiteres unbewusst gesteuertes Verhalten, das weder situationsangemessen, noch mit unseren wahren Werten und Bedürfnissen im Einklang ist. Automatisches Handeln kann unheilsame Auswirkungen haben.

Die Presse schürt die Angst zu ihrem Vorteil

Ich stolperte gestern über einen Pressebeitrag zur angeblichen Erhöhung häuslicher Gewalt während der Corona-Krise. Tatsächlich findet man derzeit eine Fülle von Veröffentlichungen zu diesem Thema. Auf den ersten Blick hinterlassen sie den Eindruck, wir hätten es hier mit einem akuten, bedrohlichen und massiven Problem zu tun.

Tippt man „Häusliche Gewalt Corona“ bei Google ein, lauten die Headlines der obersten angezeigen Suchergebnisse: „Corona und Gewalt: Die Situation verschärft sich“, „Corona-Pandemie: Mehr häusliche Gewalt gegen Frauen“, „Corona Maßnahmen: Sorge vor häuslicher Gewalt ist groß“ und „Corona: Häusliche Gewalt ist jetzt in Düsseldorf im Fokus“.

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass die zur reißerischen Überschrift gehörenden Texte fast ausschließlich im Konjunktiv geschrieben sind. Man „geht“ davon aus, dass die Zahlen steigen werden“; man „warnt vor einem Anstieg“; „es wird befürchtet“; „… kann dazu führen“.

Das Letzte, was wir in der Corona-Krise brauchen, sind Angst und Stimmungsmache

Bei RTL.de verkündet die Headline eine (scheinbare) Tatsache: „Coronavirus verursacht auch Anstieg häuslicher Gewalt“, während man auch hier im Beitrag selbst zur Möglichkeitsform übergeht: „Das hat Konfliktpotenzial, wie Experten warnen. Familienministerin Franziska Giffey rechnet mit einer Zunahme häuslicher Gewalt“.

Da packt mich beim Lesen schon mal die Wut. (Auch hundert Jahre Meditation machen aus einem Löwen kein Schaf ;o) Die Presse hat überhaupt keine Skrupel, die Aufmerksamkeit potenzieller Leser durch das Schüren von Ängsten auf sich zu ziehen. Es sind solche apokalyptischen Überschriften, die das Fieber der Angst und Aggression zum Steigen bringen. Dabei täte Mäßigung Not. Was wir brauchen, sind sachliche Informationen und Beiträge, die uns darin unterstützen, diese Pandemie zu überstehen und unseren Partner nicht abzumurksen.

Aggression

Die Nerven liegen blank. Es geht um den Job, die Firma, die Ersparnisse, die Sicherheit, den Sozialstatus. Gut vorstellbar, dass der Druck einer Familie mit Kindern, deren Eltern auf Kurzarbeit sind und die kaum noch der Enge einer Zweieinhalb-Zimmerwohnung entfliehen können, groß ist. Die psychischen Belastungen dürften bei vielen enorm hoch sein.

Und natürlich wirft das die Frage auf, was man tun kann, um eine Eskalation von Frust und Gewalt zu verhindern. Aus Sicht der buddhistischen Achtsamkeitspraxis im Grunde leider nicht sehr viel. Mich erinnert das an eine Situation, die viele Jahre zurückliegt. Während eines Seminars mit Zentatsu Baker Roshi erfuhr ich, dass eine Freundin von mir in eine Psychose abgedriftet ist.

Vorsorgen ist besser als Bohren

Ich fragte meinen Lehrer, ob es in unserer Praxis irgendetwas gäbe, das hilfreich für sie sein könne. Er fragte mich, ob sie irgendeine (spirituelle) Praxis habe, was ich verneinte. „Dann“, sagte er, „haben wir da leider nichts“. Dieses Geschehnis machte mir klar, wie wichtig „Prophylaxe“ ist.

Mitten in einer existenziellen Krise damit zu beginnen, zum Beispiel eine Achtsamkeitspraxis entwickeln zu wollen, ist viel zu spät. Die geistigen Kapazitäten sind zu solchen Zeiten voll und ganz vom Überlebensmodus gebunden.

Was meinst du wohl, wer diesen Achtsamkeitsblog in der Corona-Krise liest!? Vor allem werden es diejenigen sein, die bereits Achtsamkeit praktizieren.

Achtsamkeit zu entwickeln, braucht Zeit

Ein achtsames Gehirn zu entwickeln, braucht Zeit. Warum ich heute recht gelassen mit dieser Krise umgehen kann, habe ich meiner 35-jährigen Achtsamkeits- und Meditationspraxis zu verdanken. Wir praktizieren Achtsamkeit, um Einsicht zu entwickeln – Einsicht in die Natur des eigenen Geistes und in die Natur des Seins schlechthin.

Die durch die Achtsamkeitspraxis erlangten Einsichten verändern die Perspektive zu vielen Aspekten des Lebens. Wir können schneller sehen, wo wir in unheilsame Denk- und Fühlmuster und Verhaltensweisen abdriften und sind imstande heilsam gegenzusteuern. Aber das braucht ein langes und systematisches Training.

Stoppen und innehalten, wenn die See hochgeht

Doch ich möchte noch nicht aufgeben. Kann ich denen, die nicht in einer Achtsamkeitspraxis verankert sind, nicht doch irgendetwas Hilfreiches anbieten? Vielleicht gibt es da etwas. Es heißt schlichtweg STOP!

STOP ist ein Akronym für eine Achtsamkeitsübung bei Ärger und Wut. Das S steht für „Stop“ (Stoppen und Innehalten), das T für „Time Out“ (eine Auszeit nehmen), das O für „Observe“ (untersuche, was gerade in dir vor sich geht) und das P für „Possibilities“ (Möglichkeiten).

Diese kleine Übung hat es wirklich in sich, denn sie unterbricht einen geistigen Automatismus. Wenn wir uns über etwas ärgern, reagieren wir normalerweise sofort darauf. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass es zwischen dem, was die Wut ausgelöst hat und unserer Reaktion darauf, einen Raum gibt. Hier ist noch einmal das Zitat des Psychiaters Viktor Frankl, das ich bereits vor einigen Tagen zitiert habe:

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Dieser Raum ist wirklich winzig. Anfangs ist es schwierig, ihn überhaupt zu treffen. Es ist wie beim Zielen auf den Mittelpunkt einer Dartscheibe: Es braucht Übung, bis man „auf die Zwölf“ trifft. Man könnte die Corona-Krise jedoch als Übungsfeld dafür nutzen.

„STOP“ – Achtsamkeitsübung bei Wut und Ärger

  • Versuche, dir im Laufe des Tages aller angenehmen und unangenehmen Empfindungen bewusst zu werden – ohne sie zu werten oder darauf einzugehen. Wut fängt mit leichtem Unbehagen an. In diesem Stadium ist der Ärger noch klein und kann gut in den Griff gekriegt werden.
  • Sehr hilfreich ist es auch hier, diese Übung schriftlich zu machen. Vielleicht legst du dir ein Achtsamkeitstagebuch an und notierst deine jeweiligen Erfahrungen.
  • Gewöhnlich spüren wir das Aufkeimen von Ärger unmittelbar im Körper. Wo oder wie kannst du es spüren? Kloß im Hals? Hitze im Gesicht? Flaues Gefühl im Magen? Verspannte Schultern?
  • Sobald du erste Anzeichen aufsteigenden Ärgers bemerkst, erinnere dich an STOP! Stoppe, halte inne und gönne dir zunächst eine Auszeit, zum Beispiel in Form eines Spaziergangs. Wenn das nicht geht, schließe dich einfach in der Toilette ein und mache das stille Örtchen für eine kurze Weile zu deinem Refugium.
  • Lass deinen Geist auf den Wellen des Atems zur Ruhe kommen.
  • Untersuche dann die Situation – und zwar so wertfrei wie möglich.
    Sei dir des Ärgers bewusst der da ist. Achte darauf, dich nicht mit dem Ärger zu identifizieren. Es ist ein Unterschied, ob du ein Gewitter beobachtest oder in das Gefühl einsteigst, selbst das Gewitter zu sein!
  • Geh immer wieder in die Position eines neutralen Beobachters zurück, wenn du merkst, dass die Wut beginnt, dich zu absorbieren.
  • Nimm wahr, welche deiner Gefühle, Bedürfnisse oder Werte gerade verletzt sind.
  • Schau auch auf den oder die übrigen Beteiligten: Welche ihrer Gefühle, Bedürfnisse oder Werte könnten gerade verletzt sein?
  • Achte darauf, in der achtsamen Haltung der Urteilsfreiheit zu bleiben.
  • Im letzten Schritt kannst du deine Möglichkeiten im Umgang mit der Situation überlegen. Als welcher Mensch möchtest du handeln? Welche Reaktionen deinerseits werden die Situation (langfristig gesehen) verschlimmern und welche könnten sie verbessern?

Sei nicht frustriert, wenn das alles nicht auf Anhieb klappt. Veränderung von Verhalten geht nur über unverdrossenes Üben. Beginne mit kleinen Herausforderungen und nicht gleich mit einer fundamentalen Beziehungskrise. Kultiviere sanfte Beharrlichkeit und du wirst sehen: Irgendwann gelingt es dir, das erste Mal im aufkeimenden Ärger bewusst zu stoppen, innezuhalten und Eskalationen zu verhindern.

Manchmal, wenn mich alle Hoffnung verlassen hat, kann ich in mein Herz atmen und dort den Glauben finden, der mich trägt; einen Glauben, der von den Momenten genährt wird, in denen ich oder andere ungeachtet aller tiefen Verletzungen und schier unüberwindlichen Schwierigkeiten doch noch das Gute, Lustige, Süße und Liebevolle im Leben finden konnten.

Oriah Mountain Dreamer


Herausfinden, was in mir steckt

23.03.2020

Als ich heute Morgen in meine Mails schaute, war ich überwältigt! Ich habe etliche wunderbare Zuschriften zu diesem Achtsamkeitsblog erhalten. Es sind Zeilen voller Achtsamkeit, Besinnung und Dankbarkeit. Und vor allem sind sie authentisch. Menschen sehen die Krise, sehen ihre kleinen und großen Ängste aber sie lassen sich davon nicht überwältigen.

Sie finden gerade heraus, wie viel Kraft und Geschick zur Bewältigung einer schweren Zeit in ihnen steckt. Was für ein Potenzial! Das macht Mut!

Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksal leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als mutig gefasst die Zügel festzuhalten und bald rechts, bald links, vom Steine hier, vom Sturze da die Räder abzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam.

Johann Wolfgang von Goethe, Egmont

Eine Absenderin schrieb: „Ohne meine Achtsamkeitspraxis wäre ich abgesoffen.“ Man kann viel über Achtsamkeit lesen und in unseren Ausbildungen viel über Achtsamkeit lernen. Und man kann die Achtsamkeitspraxis auch fest in sein Leben integriert haben. Aber erst wenn es hart auf hart kommt, erschließt sich einem das ganze heilsame Potenzial der Achtsamkeit.

Durch Achtsamkeit ein geübter Navigator des eigenen Lebensschiffs sein

Aus diesem Grund wird auch gesagt, dass der beste Zeitpunkt zum Erlernen von Achtsamkeit eine ruhige Lebensphase ist. Wir sind dann wie ein Kapitän, der bei ruhiger See das Navigieren lernt. Geht die See irgendwann hoch, ist er bereits geübt darin, Untiefen und Klippen zu umsteuern und das Lebensschiff sicher in den Hafen zu bringen.

Ich bin tief berührt, Teil dieser Erfahrungen sein zu dürfen. Und ich möchte die Absender um Verständnis dafür bitten, dass ich nur die E-Mails unserer Teilnehmer und Ausbildungs-Absolventen beantworte. So gerne ich alle Zuschriften beantworten würde – ich schaffe das einfach nicht. Aber wir haben unter diesem Beitrag eine Kommentarfunktion eingerichtet und es wäre toll, wenn du hier deine Erfahrungen in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter teilen würdest. Ich freue mich darauf, von dir zu lesen.

Einsamkeit

In dieser Corona-Krise höre ich viel über Einsamkeit. Offenbar fühlen sich viele Menschen in der derzeitigen häuslichen Quarantäne einsam, abgeschnitten und isoliert. Solche Gefühle können sehr belastend sein und ich habe tiefes Mitgefühl mit allen, die derzeit darunter leiden. Ich habe überlegt, was hilfreich für Menschen in dieser Situation sein könnte.

Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Freund von salbungsvollen, oberflächlichen Bemäntelungen. Ich bin eher dafür, den Dingen auf den Grund zu gehen und daraus zu lernen, um sich zu transformieren. Nach meiner Erfahrung ist jede Herausforderung, vor die wir gestellt werden, von unschätzbarem Wert von uns, denn sie ist eine Chance zu innerem Wachstum.

Fasziniert vom Leben

Wozu inneres Wachstum gut ist? Für mehr Lebenssinn und Lebensfreude. Je mehr Einsichten wir über unsere inneren Strukturen haben und je mehr wir über die Natur des Lebens begreifen, desto weniger Angst und Einsamkeit spüren wir. Seit ich begonnen habe, mich dem Sein mit Achtsamkeit, Anfängergeist, Neugierde und Offenheit zuzuwenden, bin ich nur noch fasziniert vom Leben und von der Fülle von Entfaltungsmöglichkeiten, die es birgt.

Die Stille bedeutet mehr
als tausend Leben.
Und diese Freiheit ist mehr wert
als alle Reiche der Welt.

Die Wahrheit in sich selbst erblicken,
nur für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel, mehr als alle Welten,
mehr als alles, was es gibt.

Rumi

Isolation: Zurückgeworfen auf sich selbst

Die einen fühlen sich vereinsamt, während andere das Alleinsein genießen. Wie kommt es zu solch unterschiedlichen Bewertungen derselben Situation? Um das zu verstehen, ist es hilfreich, diesen Sachverhalt einmal näher anzuschauen. So kann die in dieser Corona-Krise erfahrene Isolation als „Dünger“ für inneres Wachstum genutzt werden.

Psychologisch gesehen, hat derjenige Angst vor Einsamkeit, dessen Beziehungen gewöhnlich auf Bedürftigkeit statt auf Wachstum gründen. Das bedeutet, der Betroffene braucht andere, um sich selbst spüren zu können. Infolgedessen werden andere für eigene Bedürfnisse instrumentalisiert – oder man lässt sich selbst instrumentalisieren. So oder so sucht der Betroffene in einer Beziehung (unbewusst) verzweifelt nach Hilfe.

Einsamkeit als Lehrer für Beziehungsfähigkeit

Paradoxerweise sind es im Alltag genau diese bedürfnisorientierte Movitation und die daraus resulierenden Verhaltensweisen, die erfüllende und tragfähige Beziehungen verhindern. Die häusliche Zurückgeworfenheit der Corona-Epidemie ist eine Möglichkeit, solche Tendenzen in sich zu entdecken und das eigene Beziehungsverhalten einmal tiefer zu ergründen. Phoenix aus der Asche.

Die Achtsamkeitspraxis erweist sich auch hier wieder einmal als besonders wertvoll, denn sie erlaubt eine sanfte Erforschung dieser so sensiblen Sachverhalte.

Solltest du zu denen gehören, die sich derzeit einsam und isoliert fühlen, dann lass mich dir als erstes sagen: Es ist nicht deine Schuld!

Nicht deine Schuld

Wie wir heute mit Bindung und Beziehung umgehen und was wir brauchen, hat seine Wurzeln in unserer Kindheit. Unsere Beziehungfähigkeit gründet in frühkindlichen Erfahrungen; sie entstand durch den Kontakt zu unseren nächsten Bezugspersonen. Wir hatten auf das, was wir zu dieser Zeit erlebten, keinen Einfluss. Deshalb ist es nicht unsere „Schuld“, wenn wir heute ungeschickt mit Beziehungen umgehen.

Die gute Nachricht ist: Es ist nie zu spät, Verhaltensmuster zu verändern. Zunächst einmal muss man sie jedoch erkennen – und dazu ist die Corona-Krise mit ihrer häuslichen Quarantäne eine ungeahnte Möglichkeit.

Selbstmitgefühl als Antwort auf Schmerz

Nachdem wir im ersten Schritt festgestellt haben, dass der Status quo deiner Beziehungsfähigkeit nicht deine „Schuld“ ist, besteht der zweite Schritt darin, dir Selbstmitgefühl zu spenden. Kein infantiles „Mitleid“, sondern ein aufrichtiges Anerkennen der Tatsache, dass du gerade einsam bist und darunter leidest.

Zur Erforschung der Einsamkeit eignet sich die Schriftform hervorragend. Denn: Schreiben schafft Bewusstsein.

Erfahre hier mehr über die heilsamen Wirkungen des achtsamen Schreibens →

Achtsamkeitsübung zur Erforschung von Einsamkeit

Die folgenden Leitfragen können dir helfen, mehr Klarheit über deine Beziehungsmuster zu bekommen. Das Verstehen des eigenen Verhaltens ist die Basis dafür, es verändern zu können.

Gehe behutsam und mit spielerischer Leichtigkeit an diese Fragen heran. Sieh es am besten als ein Forschungsprojekt in eigener Sache und sei neugierig auf alles, was du zutage beförderst. Achte darauf, dich nicht zu verurteilen. Sei gut zu dir und mache eine Pause, wenn du spürst, dass es reicht. Es kann hilfreich sein, sich zwischendurch etwas zu bewegen. Vielleicht eine Gehmeditation an der frischen Luft? Gehmeditation lernen →

  • Welche Gedanken kommen zusammen mit dem Gefühl von Einsamkeit auf?
  • Welche Körperempfindungen kannst du wahrnehmen? Wo sind sie hauptsächlich lokalisiert? Welche Qualität haben sie?
  • Welche Emotionen begleiten das Gefühl von Einsamkeit noch?
  • Wenn der Schmerz der Einsamkeit sich in dir ausbreitet, dann setze dich hin und schreibe auf: „Was brauche ich gerade wirklich?“
  • Welche Rolle spielen andere Menschen dabei?
  • Was vermisst du im Moment am meisten?
  • Könntest du dir das auch selber geben?
  • Was sind deine drei hauptsächlichen Glaubenssätze über Beziehungen?
  • Was sagen andere über dein Beziehungsverhalten?
  • Pflegst du vorzugsweise Beziehungen, von denen du „profitierst“?
  • Wie ist das Verhältnis von Geben und Nehmen in deinen Beziehungen?
  • Wie tief lässt du dich emotional in Beziehungen ein?
    (Benenne auf einer Skala von 1 bis 10 Werte für Partner, Freunde, Kollegen, Eltern etc.)

Solche inneren Auseinandersetzungen brauchen Zeit. Derweil spürst du aber immer noch den Schmerz von Einsamkeit und Verlassensein. Dafür möchte ich dir auch eine zweiteilige Imaginationsübung anbieten. Es ist eine Übung aus dem Kontext des Selbstmitgefühls und sie nutzt die geistige Vorstellungskraft, um sich einen liebevollen Gefährten zu imagnieren.

Natürlich kann das einen Gefährten aus Fleisch und Blut nicht ersetzen. Aber aus der Mitgefühlsforschung wissen wir, dass es für unser Gehirn keinen Unterschied macht, ob ein liebevolles Wesen körperlich anwesend ist oder „nur“ in unserer Vorstellung besteht. Die unterstützende und tröstende Wirkung entsteht auch durch ein imaginiertes liebevolles Wesen.

Deshalb sollte diese Übung nicht unterschätzt werden; sie ist tiefenpsychologisch hochgradig wirksam.

Selbstmitgefühlsübung „Der liebevolle Gefährte“

Teil 1: Den liebevollen Gefährten erschaffen (Schreibübung)

Setze dich in einer ruhigen Stunde hin, nutze deine Kraft der Phantasie und mache dir ein paar Gedanken und Notizen zu der Frage, wer ein ideales Vorbild für Mitgefühl für dich ist.

Die Absicht ist, dich an jemanden zu erinnern oder dir jemanden zu imaginieren, der ein liebevoller Gefährte für dich sein möchte, den du immer herbeirufen kannst, wenn du Mitgefühl, Trost oder Unterstützung brauchst und der sich freut und es genießt, in deiner Nähe zu sein.

Dabei kann es sich um eine reale Person handeln, die lebt oder die bereits verstorben ist. Dein liebevoller Gefährte kann auch eine fiktive Person aus einem Film, einem Märchen oder einem Buch sein. Lasse deiner Phantasie freien Lauf.

Das Bild des Gefährten sollte uneingeschränktes Wohlbefinden in dir hervorrufen und du solltest eine positive Beziehung zu ihm haben. Dein liebevoller Gefährte muss kein Mensch sein. Es kann sich auch um ein Tier handeln, um ein übernatürliches oder mythologisches Wesen oder um ein Motiv aus der Natur.

Die Eigenschaften, die dein Gefährte haben sollte, sind uneingeschränktes Mitgefühl für alle fühlenden Wesen. Er sollte Mut verkörpern und vor nichts zurückzuschrecken und er sollte die Kraft haben, alles zu tragen, was es auch sein mag. Er ist erfüllt von Weisheit und da er es selbst durchgemacht hat, kennt er dein Leid und deinen Schmerz.

Dein Gefährte ist freundlich, liebevoll, zugewandt, fürsorglich, milde und akzeptierend. Du hast Vertrauen zu ihm, weil er dich nicht kritisiert oder belehrt, sondern dich vorbehaltlos annimmt, wie du bist. Die folgenden Fragen werden dir helfen, einen liebevollen Gefährten aus deiner Vorstellungskraft heraus entstehen zu lassen:

  • Wie soll dein idealer liebevoller Gefährte aussehen: Mensch oder nicht Mensch?
  • Männlich oder weiblich?
  • Jung oder alt? Male dir den Gefährten in allen Details aus.
  • Welchen Klang hat seine Stimme? Wie spricht er mir dir?
  • Wie ist sein Verhältnis zu dir?
  • Und wie ist dein Verhältnis zu ihm?
  • Wie möchtest du dich in seiner Gegenwart fühlen?

Teil 2: Den liebevollen Gefährten treffen (Imagination)

  • Wenn du bereit dazu bist, dann lege oder setze dich hin, und wenn es angenehm ist, schließe die Augen.
  • Richte die Aufmerksamkeit einige Zeit lang auf den Bereich des Körpers, in dem du deine Atmung besonders gut spüren kannst.
  • Lass deinen Geist auf den Wellen des Atems zur Ruhe kommen.
  • Stell dir einen schönen und sicheren Ort vor, an dem du den liebevollen Gefährten treffen möchtest. Male dir diesen Ort mit allen Sinnen aus. Es ist dein Ort, den nur du kennst. Zutritt hat nur, wen du dazu einlädst. Nutze die Kraft deiner Phantasie.
  • Wenn du bereit bist, dann lade deinen liebevollen Gefährten zu dir ein. Stell dir vor, wie du ihm begegnest. Vielleicht siehst du nur ein unklares, vages Bild, spürst aber seine wohltuende Gegenwart. Lass alles zu, wie es vor deinem inneren Auge entsteht.
  • Kannst du die bedingungslose Liebe spüren, die dein liebevoller Gefährte dir entgegenbringt – seinen tiefen Wunsch, dass es dir gut gehen möge, dass du in Sicherheit und frei von Angst und Schmerz bist? Er ist vollkommen um dein Wohlergehen besorgt.
  • Wie fühlt es sich an, auf diese bedingungslose Weise geliebt zu werden? Wie fühlt es sich an, die fürsorgliche Haltung eines anderen Wesens dir gegenüber zuzulassen – und anzunehmen? Welche körperlichen Empfindungen und Gefühle kannst du dabei wahrnehmen?
  • Genieße noch einige Momente lang die heilsame Gegenwart deines liebevollen Gefährtens.
  • Verabschiede dich, wenn du bereit bist und bringe deine Aufmerksamkeit wieder in Raum zurück.

Ich wünsche mir sehr, dass diese Ausführungen dir helfen, die Zeit des All-Eins-Seins auf die bestmögliche Weise zu überstehen. Mögest du Trost in dieser Übung finden und mögen dich die Erkenntnisse aus der Corona-Krise wie Phoenix aus der Asche aufsteigen lassen, wenn du ins gewohnte Leben zurückkehrst.

Die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten heißt, ein neues Leben zu beginnen.

Doris Kirch

Und sonst so?

Den ganzen Tag lang hat die Sonne geschienen – das war wundervoll. Sonne und Zuversicht sind irgendwie Geschwister. Obwohl mir der Ostwind heute kalt aufs Hinterteil geweht ist, habe ich mich wieder im Garten amüsiert. Zwischendurch gab’s Pausen mit Tee und Studium der Visuddhi Magga (buddhistische Lehre aus dem 5. Jahrhundert) auf der Hollywoodschaukel.

In einigen Zuschriften, die ich bekommen habe, wurde die Vermutung geäußert, dass ich dieses Achtsamkeitstagebuch der Corona-Krise auch irgendwie für mich selbst schreibe. Das tue ich ganz bestimmt aber vielleicht anders, als mancher meint.

Die Hilflosigkeit lindern

Das Schreiben dieses Tagebuches ist keine psychische Aufarbeitung der Geschehnisse. Aber es lindert mein Gefühl von Hilflosigkeit angesichts des Leides der Corona-Pandemie. Ich fühle mich weniger hilflos, wenn ich etwas dazu beitrage diese Tage für den einen oder anderen erträglicher zu machen. Wichtig ist mir auch, immer wieder auf den übergeordneten Aspekt des Geschehens hinzuweisen und damit auf die enormen Entwicklungschancen, die dieser Virus uns beschert. Ich werde zu späterer Zeit noch auf den evolutionären Aspekt des Geschens eingehen.

Vorhin habe ich bei Lidl einige Dinge besorgt, die ich bei meinem Biodealer nicht bekomme. Vor dem Eingang stand ein Security-Mann. Ich musste grinsen bei dem Gedanken, dass ich mich beim Einkaufen noch nie so sicher gefühlt habe. Es waren nur wenige Menschen im Laden und sie bewegten sich langsam und behutsam umeinander herum, wie Schwäne auf einem Teich in der Abenddämmerung.

Ein seltsamer Zauber

Eine sonderbare Ruhe liegt über dem Land; ich spüre sie über die Grenzen meiner Eremitage hinaus. Alles ist leiser und langsamer, als wäre das Leben unter einer durchsichtigen Schneedecke verborgen, die die Geräusche dämpft und alles in einen seltsamen Zauber hüllt.

Ich merke, dass der Schreck und die Befürchtungen, die ich zu Beginn der Epidemie hatte, sich immer mehr auflösen und sich in einen Zustand von Glückseligkeit verwandeln. Ein etwas surrealer Zustand angesichts der Situation, dass die Zahlen der Infizierten und Toten weiter im Steigen begriffen sind. Aber es fühlt sich tatsächlich so an.

Mögen alle Wesen die Kraft haben, zu tragen, was ihnen gerade aufgebürdet wird

Während ich mich auf den gemeinsamen Abend mit meinen Lieben vor dem Fernseher freue (es gibt Inspektor Barnaby ;o) gehen meine Gedanken und Gefühle noch einmal um die Erde. Ich sende meine innere Ruhe hinaus in die Welt, in der Hoffnung, dass diejenigen sie auffangen, die ihrer bedürfen. Das Mitgefühl aus der Stille meines Herzens hüllt alle Wesen ein. Auch dich.


WG-Impressionen während der Corona-Quarantäne

22.03.2020

Immer noch gelingt es uns in unserer Wohngemeinschaft eine gute Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Entspannung hinzukriegen. Manchmal gibt es auch Überschneidungen ;o)

Bin heute mal wieder auf die Waage gegangen. Das Ergebnis hat mir nicht gefallen. Die Auswirkungen des regelmäßigen Essens, des Nachmittagstees mit kleinem „Teilchen“ und der Langeweile-Snacks zwischendurch beginnen, sich auf meinen Hüften niederzuschlagen. Das kommt davon, wenn in diese Zeit der häuslichen Quarantäne das Essen in den Mittelpunkt des Vergnügens rückt. Werde als erstes mal die Snacks durch Äpfel ersetzen und zusehen, dass ich mich mehr an der frischen Luft bewege.

Wie gehst du in diesen Tagen mit deiner Ernährung um? Wenn du magst, nutze die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrags, um deine Erfahrungen und Gedanken mit anderen zu teilen.

Hier ist übrigens ein Beitrag zum Thema achtsam essen →

Die kleinen Freuden der häuslichen Quarantäne

 18.00 Uhr: Habe den Nachmittag in der Sonne genossen und noch ein wenig im Garten herumgewerkelt. Mein kleiner Freund, das Rotkehlchen, hat mir wieder Gesellschaft geleistet.

Die Schattenseiten der Corona-Krise

Gewöhnlich lese ich die Fake-News und Horrormeldungen in den sozialen Netzwerken nicht, die einem auch in einer Krise leider nicht erspart bleiben. Aber blieb ich heute bei einem Video hängen, das ich anschaute, weil es von einer Person geteilt worden war, die ich sehr schätze. Ein österreichischer Psychiater stellte die Notwendigkeit der derzeitigen Beschränkungen in Frage.

Ich frage mich, was geschehen würde, wenn die Bundesregierung nicht so konsequent handeln würde. Täten sie es nicht und hätten wir Zustände mit Hunderten bis Tausenden von Toten wie in Italien, würde man die Verantwortlichen im Nachhinein zur Verantwortung ziehen, weil sie nicht rechtzeitig, nicht vorausschauend und nicht verantwortungsbewusst gehandelt haben.

Vertrauen

Ist es wirklich angebracht, in der derzeitigen Situation die Verhältnismäßigkeiten in Frage zu stellen? Lässt sich diese Frage ohnehin nicht erst im Nachhinein beantworten? Hinterher ist man immer schlauer. Außerdem ist es die erste Epidemie in der Geschichte der Bundesrepublik. Meiner Ansicht nach sollte man den Verantwortlichen zugestehen, dass sie möglicherweise auch falsche Entscheidungen treffen – aber wer möchte sich hier zum Richter über falsch und richtig machen?

Wir sitzen alle sicher zu Hause mit vollen Speisekammern und heulen herum, weil wir unsere Lieben EIN PAAR TAGE nicht sehen oder körperlich berühren können. Ja, sind denn alle verrückt geworden?

In ein paar Jahren – und vielleicht sogar schon in ein paar Monaten – werden wir auf diese Situation zurückblicken und uns erinnern an die Zeit, wo wir mal einige Tage lang zu Hause bleiben mussten und es kein Klopapier mehr gab.

Mir machen die derzeitigen Maßnahmen keine Angst. Sie geben mir das Gefühl, dass die Verantwortlichen die Sache im Griff haben (so weit das überhaupt möglich ist). Zumindest handeln sie sicher und entschlossen. Wenn mir etwas Angst macht, dann sind das Menschen wie dieser sichtlich nervöse Psychiater, der mit seinem Post Verunsicherung schürt und denen den Rücken stärkt, die ohnehin nicht geneigt sind, den Sicherheitsmaßnahmen Folge zu leisten.

Sich auf das Hier und Jetzt fokussieren

Meine Gesprächspartnerin entgegnete, sie habe mehr Angst vor dem Kontrollwahn der Menschen als vor einem Virus. Sie sagte noch, mir wäre Sicherheit eben wichtiger, während ihr Freiheit wichtiger sei. Aber mir geht es hier nicht um Werte, sondern darum, was wir JETZT tun und welche Auswirkungen das auf andere hat.

Wir stecken mitten in der Epidemie und sollten uns auf das fokussieren, was uns hilft, gut durch diese Zeit zu kommen. Hinterher kümmern wir uns um das, was dann ansteht. Um Freiheit zum Beispiel. Apokalyptische Prophezeihungen werden die Angst vieler weiter schüren und sie verunsichern. Aber was wir derzeit brauchen ist Ermutigung, Kräftigung, etwas, das uns aufbaut.

In dem Dialog mit der Bekannten fiel mir ihre Ich-Bezogenheit auf – symptomatisch für diese Krise, wo vielen die Jacke näher zu sein scheint als die Hose. Für sie war es wichtig, das zu posten, sagte sie, sie wollte das sagen.

In meinem Beitrag 10 Tipps zum Umgang mit der Corona-Angst aus der Sichtweise der Achtsamkeitspraxis gehe ich auf „Die drei Siebe des Sokrates“ ein. Sprich nur, wenn das, was du sagen willst, durch die drei Siebe passt: Erstes Sieb: Ist es wahr? Zweites Sieb: Ist es hilfreich? Drittes Sieb: Ist es gut?

Wir sollten vor allem in dieser Zeit besonders achtsam mit unseren Gedanken und Äußerungen und sensibel für ihre möglichen Auswirkungen auf andere sein.


Leben im Hier und Jetzt

21.03.2020

Morgenmeditation. Ein Vogel singt: „Meet me, met me, met me“ und ein anderer antwortet: „Here, here, here.“ Sind das die Auswirkungen des Corona-Virus, den ich nicht habe!? ;o) Wohl eher ein Geschenk des Himmels, eine Einladung, mich voll und ganz auf den gegenwärtigen Moment zu besinnen. Denn der ist das Einzige, was ich habe – gestern ist vorbei und ob es ein Morgen gibt, weiß ich nicht – aber ich habe das Jetzt. „Here, here, here“. Ich fühle mich von tiefem Glück erfüllt.

Es gibt Zeiten, da ist es anders. Gestern bemerkte ich seufzend, dass wir schon seit Tagen keine Anmeldung für ein Seminar, ein Retreat, eine Fortbildung oder unsere Ausbildung hatten. Wir werden den Gürtel ziemlich eng schnallen müssen. Aber vorausgesetzt, die Corona-Epidemie dauert nicht ewig, werden wir es überleben. Damit gehören wir zu den Glücklicheren in diesen unwägbaren Zeiten.

Aussteigen

Die Erkenntnis der ausbleibenden Einnahmen ließ unwillkürlich Panik in mir aufsteigen. Ich konnte direkt dabei zuschauen, wie Stimmung und Körperhaltung in sich zusammensanken und sich Starre in mir ausbreitete. Mein achtsamer Geist nahm die unangenehmen Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle im Moment ihres Entstehens zur Kenntnis. Gleichzeitig war ich mir des Prozesses dieser Beobachtungen bewusst.

Zu erkennen, wie es gerade um mich stand, einen Moment innezuhalten und tief in diese Empfindungen hineinzufühlen, schaffte den inneren Raum mir zu überlegen, wie ich damit umgehen wollte. Ich entschied mich für „aussteigen“, zog Schuhe und Jacke an und drehte eine Runde im Garten. Während ich in die Natur schaute, die sich unbeeindruckt von Corona mit neuer Frische entfaltet, dachte ich darüber nach, dass es uns – wenn ich den Kreis des uns mal um Deutschland ziehe – wesentlich schlimmer hätte treffen können.

Es hätte schlimmer kommen können

Ich dachte an die Gebiete der Erde, in denen Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme, Dürren oder Feuer Leid von unvorstellbarem Ausmaß hervorgebracht haben. Alleine der Tsunami 2004 hat über 200.000 Menschen! das Leben gekostet.

Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich friedlich in meinem Garten sitze, mir die Sonne ins Gesicht scheinen lasse, ich gesund bin und überlege, dass ich uns heute zum Mittag ein leckeres indisches Dal kochen werde. Klopapier ist auch noch da. Ich wende mich wieder dem Alltag zu. „Holz hacken und Wasser holen“, sagt man im Zen.

Achtsamkeit als Mittel der Verdrängung?

Kürzlich fragte mich einer unserer Absolventen, ob es nicht Verdrängung sei, sich von den quälenden Gedanken und Gefühlen fortzubewegen und den Geist auf angenehmere Dinge zu richten. Es solle ja in der Achtsamkeitspraxis darum gehen, dem Unangenehmen gerade nicht auszuweichen, nichts zu verdrängen, sondern sich stattdessen in Akzeptanz zu üben.

Das ist natürlich richtig aber in der Realität ist der Sachverhalt etwas komplexer. Zunächst einmal geht es darum, die von Moment zu Moment auftauchenden Körperempfindungen, Gedanken, inneren Bilder und Gefühle wahrzunehmen: „Was ist Teil meiner Erfahrung im gegenwärtigen Moment?“.

Was bedeutet „Akzeptanz“?

Mit Akzeptanz beschreiben wir eine innere Haltung, die allem, was im Bewusstsein auftaucht – egal ob angenehm oder unangenehm – mit dem gleichen offenen, freundlichen Interesse begegnet. Weder versuchen wir manisch das Angenehme zu erhalten oder zu behalten, noch versuchen wir, uns das Unangenehme „vom Hals zu schaffen“.

Erfahre hier mehr über die inneren Haltungen der Achtsamkeitspraxis →

Die Gelassenheit, Dinge aus einem gewissen Abstand heraus zu betrachten, will gelernt sein, denn diese Fähigkeit ist leider nicht angeboren. Jeder von uns weiß, wie heilsam es ist, etwas Abstand zu schmerzhaften Ereignissen zu bekommen.

Praktizieren wir Achtsamkeit, dann lassen wir nicht die Zeit für uns arbeiten. Wir nehmen die Dinge quasi selbst in die Hand und schaffen durch das Einnehmen einer Beobachterposition einen gewissen Abstand zum Geschehen, der uns davor bewahrt, von den Ereignissen absorbiert zu werden.

Keine runden Pfeiler in viereckige Löcher klopfen

Akzeptanz bedeutet, dem Status quo keinen unnötigen Widerstand entgegenzusetzen. Wir können die Corona-Situation noch so blöd finden – sie ist Teil unseres Lebens in diesem Moment. Das anzuerkennen, bedeutet zu akzeptieren, dass die Dinge sind, wie sie sind. Wir müssen nicht mögen, was wir da gerade erleben. Was mich anbelangt, finde ich die Corona-Krise so überflüssig wie einen Kropf.

Aber sie ist da. Punkt. Und ich habe mich damit auseinanderzusetzen. Punkt. Ich habe Angst. Punkt. Und ich wünschte, dass die Dinge anders liegen würden. Punkt. Tun sie aber nicht. Punkt.

Stoppen. Innehalten. Die Dinge zu sehen, wie sie sind, öffnet einen inneren Raum, der uns Freiheit zum selbstbestimmten Handeln gibt. Wir sind ausgestiegen aus dem Automatismus des instinktgetriebenen Überlebensmodus.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Viktor Frankl

Wenn das kluge Denken die Regie übernimmt

Das bringt uns wieder in Kontakt mit den weiseren Regionen unseres Gehirns und wir können wohlüberlegte Entscheidungen treffen, was nun das Beste ist. Manchmal ist Verdrängung das Beste. Verdrängung wird oft als etwas Verwerfliches dargestellt, denn sie löst Probleme nicht und macht sie oft noch größer.

Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Verdrängung als Sicherheitsmaßnahme, um nicht von schmerzhaften Emotionen überwältigt zu werden und Verdrängung als Lebenskonzept. Die derzeitige Krise verlangt uns täglich viel ab. Wir kommen gar nicht umhin, uns mit ihren Auswirkungen auf unseren Alltag auseinanderzusetzen.

Aber wenn wir mit den Augen der Achtsamkeit schauen, können wir erkennen, dass parallel zu all dem Schwierigen auch ganz viel Wunderbares vorhanden ist. Die Corona-Krise verlangt nicht von uns, die Augen davor zu verschließen. Ein achtsames Bewusstsein ist sich der schwierigen Situation bewusst und tut nicht so, als wäre alles in Ordnung. Es tut aber auch nicht so, als wäre nichts mehr in Ordnung.

Tausend kleine Wunder, um zu überleben

Eine Freundin in einer wirklich schweren existenziell bedrohlichen Lebenssituation antwortete mir auf die Frage, wie sie damit umgeht:

Ich schaff‘ mir täglich tausend kleine Wunder, um zu überleben.

Wir können uns unsere täglichen kleinen Wunder erschaffen und sind gleichzeitig auch von ihnen umgeben. Zahlreiche schöne Dinge und Momente sind Möglichkeiten zum genießen, um wieder neue Kraft zu sammeln. Auch in der Corona-Krise. Vor allem in der Corona-Krise.

Der Duft von frisch gewaschenem Haar; Sonne, die warm auf die Haut scheint; der Sternenhimmel bei Nacht; farbenfrohe Blumen auf dem Tisch; der Duft frisch gebackener Brötchen und Kaffees am Morgen; ein unerwartetes Lächeln eines Mitmenschen; der Genuss von klarem Wasser; sich Zeit zum Lesen zu nehmen; anderen eine Freude machen; Spaziergang durch den Wald; Sonne, die aus den Wolken hervorbricht; Lieblingsmusik hören; sich nach einem Bad in den Bademantel kuscheln; Kaminfeuer; im Garten das Herbstlaub entfernen; achtsam Kochen; achtsam Essen; meditieren; sich beim Einschlafen in die richtige Position kuscheln; Zeit zu haben und mal aus der ständigen Betriebsamkeit heraustreten.

Achtsamkeitsübung:

Schreibe heute den Tag über alle Genussmomente auf.

Ich bin dann mal weg

Siehst du das kleine Rotkehlchen auf dem Bild? Es klopfte gerade ans Fenster, um mich in den Garten zu locken. Wenn ich draußen zugange bin, leistet mir mein kleiner Freund häufig Gesellschaft. Oft kommt er mir dabei so nahe, dass ich Angst habe, auf ihn zu treten oder ihn vom Rand der Schubkarre zu kegeln. Er hat keine Corona-Angst vor Nähe. Nähe hat viele Gesichter.

Jetzt folge ich erstmal dem Ruf des Rotkehlchens und gehe in den Garten.


Morgengedanken über achtsames Handeln

20.03.2020

Eine Leserin eines meiner Facebook-Posts hat sich mitfühlende Gedanken zu meinen Anmerkungen über den Rücktritt von Seminarteilnehmern und den damit verbundenen Rückerstattungen der Seminargebühren gemacht. Sie regte an, die Haltung derjenigen verständnisvoll zu betrachten, weil sie durch die Corona-Krise möglicherweise einen finanziellen Engpass haben.

Ich finde es sehr wichtig, diesen Gedanken zu berücksichtigen, was wir natürlich getan haben – und bei einer Person, war das ganz bestimmt auch der Fall. Die Frage ist, ob dieses Geld, das man zurückfordert, den Status quo in irgendeiner Form nachhaltig! verbessert.

Ich habe da meine Zweifel. Unzweifelhaft hingegen ist die Tatsache, dass diese reflexhaften Panikreaktionen dazu führen, Arbeitsplätze zu vernichten und viele Menschen nebst deren Familien in eine echte Existenznot stürzen.

Achtsames Handeln ist umsichtiges und mitfühlendes Handeln

Wenn man darüber nachdenkt, führt das fast zwangsweise zu der Frage, was achtsames oder ethisches Handeln eigentlich ist. Wie definiert sich das? Die buddhistischen Lehren geben da eine gute Orientierung. Nicht im Sinne eines moralischen Leitfadens. Auch hier erweist sich die Lehre Buddhas eher als erstaunlich pragmatisch.

Welche Konsequenzen hat mein Handeln und welchen Schaden wird es (langfristig gesehen) möglicherweise nach sich ziehen? Nach umsichtiger Abwägung aller Fakten kann achtsames Handeln dazu führen, eigenes Leid hinzunehmen, um mehr Leid an anderer Stelle zu verhindern.

Es gibt keine Achtsamkeit ohne Mitgefühl

Um eigene Interessen hintenan stellen zu können, braucht man ein starkes, mitfühlendes Herz, das sich gegen die reflexhaften Impulse des inneren Überlebenssystems durchzusetzen vermag. Es geht dabei nicht um irgendeine fragwürdige „Moral“. Es geht viel mehr um ein Handeln mit Weisheit, ohne jemandem (sich selbst eingeschlossen) in manifeste Schwierigkeiten zu bringen, um ein kluges Abwägen aller Fakten, bevor man zur Tat schreitet.

Von der Amöbe zum Menschsein

C. G. Jung, der bekannte Psychoanalytiker, prägte den Begriff der Individuation („Menschwerdung“). Ich mag diesen Begriff. Er verkörpert für mich die Möglichkeit, mich zum Menschsein zu entwickeln. Wie definiere ich mein Menschsein?

Individuation bedeutet, zu dem Menschen zu werden, der man wirklich ist.

Für mich ist das weder eine rhetorische, noch eine metaphorische und auch keine philosophische, sondern eine höchst pragmatische Frage: Was für ein Mensch möchte ich sein? Als welcher Mensch möchte ich handeln?

So lange wir vom unbewussten Automatismus eines evolutionären Überlebensmodus beherrscht sind, trennt uns nicht viel von einer Amöbe.

Doris Kirch

Individuation bedeutet auch Bewusstwerdung – was uns dann wieder direkt zur Achtsamkeits- und Meditationspraxis zurückbringt.

Meditation macht aus uns keinen anderen, sondern den, der wir immer gewesen sind.

Carl Friedrich von Weizsäcker,
Physiker und Philosoph

Aha. Der hat es auch verstanden. Um achtsam handeln zu können, braucht es einen achtsamen Geist. Mit solch einem Geist werden wir nicht geboren. Es gibt jedoch einen Weg, um ihn auszubilden und diesen Weg zeigt uns die Achtsamkeitspraxis. Indem wir regelmäßig formale und informelle Meditation praktizieren und unseren Geist systematisch in Retreats schulen, transformieren wir unser Bewusstsein allmählich in Richtung Menschsein.

Lerne systematisch, ein achtsamer Mensch zu werden →

Buchtipp:

Physik und Transzendenz. Die großen Physiker unseres Jahrhunderts über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Hans-Peter Dürr (Hrsg.).
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Die Corona-Krise als Chance für die Menschheit

Und hier birgt die derzeitige Corona-Krise die Chance zu einer wahrhaftigen Transformation der Menschheit. Solch ein transformativer Akt wird vor allem von Menschen ausgehen, die ihren Geist bereits für diese Möglichkeit geöffnet haben.

Wer noch „tief versenkt ist, in seines Daseins tiefstem Schacht“, wie es Lama Anagarika Govinda einmal formulierte, ist vollauf von seinem täglichen Überlebenskampf in Anspruch genommen.

Wer Sklave seines Überlebensmodus ist, prügelt sich eher im Supermarkt um Klopapier, statt zu meditieren, um sich in einen mitfühlenden und weisen Menschen zu verwandeln.

Ich meine das weder wertend noch zynisch. Vielleicht, mit Blick auf den derzeitigen Zustand des Homo Sapiens, etwas frustriert, angesichts der Herkulesaufgabe, die noch vor uns liegt.

Und sonst so?

Es geht mir gut. Jedenfalls so lange ich dem keinen Glauben schenke, was mein Kopf mir so erzählt. Nach einer Woche häuslicher Zurückgezogenheit erklärte er mir heute Morgen: „Dir fällt die Decke auf den Kopf.“ „Was für ein Blödsinn“, entgegnete ich.

Hätte ich diesem Gedanken geglaubt, der irgendwo in den Tiefen meines Unterbewusstseins entstanden ist, wäre dem wahrscheinlich eine miese Stimmung gefolgt. Wer Achtsamkeit praktiziert, ist auch hier klar im Vorteil. Er ist sich nämlich seiner Gedanken bereits bei ihrem Entstehen bewusst und er kann sich frei entscheiden, ob er ihnen glauben möchte – oder nicht. Ich habe mich in diesem Fall für „oder nicht“ entschieden :o)

Don’t believe
everything
you think.

Nicht alles glauben, was du denkst

Ein unverstellter Blick auf meine Situation zeigt nämlich, dass es mir gerade ziemlich gut geht. Ich kann im Home-Office gemütlich vor mich hin arbeiten, muss weniger E-Mails beantworten und werde weit weniger als gewöhnlich von Anrufen aus meinem Work-Flow gerissen. Außerdem kann ich mich sehr gut um meine Gesundheit kümmern, was angesichts der Tatsache, dass ich zur Corona-Risikogruppe gehöre, von unschlagbarem Wert ist.

Draußen stinkts nach Gülle. Schöner Normalitätsgeruch.

Ich werde heute tagsüber weiter fasziniert die fragwürdige Strategie meines Kopfes beobachten, mein Überleben mittels furchterregender geistiger Zukunftszenarien und bedrohlicher Gedanken sichern zu wollen.

*händevorsgesichtschlagäffchen*
*zwinkersmiley*

10 Tipps zum achtsamen Umgang mit der Corona-Angst →


Die Kraft der Achtsamkeitsmeditation

19.03.2020

5:35 Uhr: Meditation. Der erste Vogel am Morgen bringt seinen ersten Ton hervor. Ein magischer Moment. Nach und nach stimmen weitere Piepmätze in den Gesang ein. Die Situation hat etwas Surreales: Während die Welt mit dem Corona-Virus ringt, singen draußen die Vögel, als wäre nichts geschehen.

Während wir alle den Atem anhalten, dreht die Welt sich weiter. Menschen sterben, werden geboren, Blumen blühen, werden verwelken, die Sonne geht auf und wieder unter.

Sorgen schmelzen in der wärmenden Sonne der Achtsamkeit

Dieses Bewusstsein weitetet meinen Geist. Ganz von allein. Er gibt meinen kleinen Sorgen Raum. Auch den großen Sorgen: Der Angst vor Ansteckung, der Angst vor einem möglichen Tod, wirtschaftliche Ängste. Je größer ich diesen Raum werden lasse, um so mehr löst sich das ganze Affentheater auf. Es wird ersetzt durch ein fast surreal anmutendes Einverstandensein. Sitzen. Inmitten aller Dinge. Atmen. Tiefer noch.

In der Meditation finde ich große Kraft, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Ich lasse zu, mich von dieser Kraft anfüllen zu lassen. Sie verbrennt alle Ängste und Zweifel. Statt dessen breitet sich ein zärtlicher tiefer Frieden in mir aus. Auf seinen Flügeln gleite ich sanft in den Tag.

Klorona-Krise

15:20 Uhr: Habe gerade gelesen, dass in Mannheim ein Streit um Toilettenpapier zwischen einem Kunden und zwei Supermarktangestellten in eine handfeste Schlägerei ausgeartet ist.


Selbstwirksamkeit tut gut

18.03.2020

In meinem Beitrag über die Corona-Krise habe ich einige Ideen angeregt, wie man das Zurückgeworfensein auf die eigenen vier Wände sinnvoll gestalten kann. Ich dachte, ich gehe mal mit gutem Beispiel voran :o)

Glücklicherweise lebe ich in einem Haus auf dem Land, das von einem parkähnlichen Garten umgeben ist. In diesem Jahr werde ich es wohl erstmalig schaffen, den Garten zeitgerecht frühlingsfit zu machen. Ein kleiner aber angenehmer Nutzen, den ich jetzt schon aus der Krise ziehe.

In unserer kleinen 3er-WG haben wir beschlossen, keine weitreichenden Pläne zu machen. Wir leben von Tag zu Tag, besprechen morgens, wie wir den Tag gestalten wollen und was wir zum Mittag kochen. Dass  wir vom Home-Office aus arbeiten, erlaubt uns, die Tage in einer harmonischen Ausgewogenheit zwischen sitzender Tätigkeit am Computer und körperlicher Arbeit an frischer Luft zu gestalten.

Freude aus der Natur schöpfen

Suche in der Natur und in den Blumen nach Ruhe im Geist und nach Lebensfreude

sagte einst der chinesische Philosoph Wang Wei. Wie recht er hat! Natürlich treiben auch mich Sorgen um meine Lieben und die Sicherung der Arbeitsplätze meiner Kollegen um. Ich merke, wie schnell die Gedanken Fahrt aufnehmen und welche unangenehmen Emotionen sie nach sich ziehen. Achtsamkeit hilft mir, frühzeitig die heraufziehenden „Gewitterwolken“ zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern. Die erdende Arbeit im Garten macht den Kopf wieder frei.

Auch die Hausarbeit – wir haben heute alle bodentiefen Fenster des Hauses geputzt – ist in dieser Hinsicht wohltuend. Diese Tätigkeiten sind einfach. Die Resultate sind direkt sichtbar und das freut mich. Außerdem merke ich, dass das Saubermachen und Ordnungschaffen mein Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken. Ich bin nicht „allem“ hilflos ausgeliefert. Innerhalb der äußeren Begrenzungen kann ich entscheiden, was ich tue und lasse.


Sehnsucht nach Nähe!?

17.03.2020

Einkauf im Supermarkt. Während ich darauf achte, den 2-Meter-Abstand zum Vordermann einzuhalten, rückt der Nächste in der Schlange mir dicht auf die Pelle, um seine Lebensmittel zur gleichen Zeit wie ich aufs Band zu legen. Auf meine freundliche Bitte, den gebotenen Abstand einzuhalten, glotzt er mich verständnislos an.

Selbst im Bioladen und in der Apotheke halten Menschen den Sicherheitsabstand nicht ein. Was sind wir nur für eine merkwürdige Spezies, die an der Supermarktkasse farbige Fußboden-Markierungen braucht, weil sie sonst offenbar nicht in der Lage ist, 2 Meter Abstand zum Vordermann zu halten. Sehnsucht nach Nähe!? Wenn weiterhin viele Menschen so ignorant sind, wird sich das Corona-Virus schneller ausbreiten. Das wird uns unausweichlich zu einem Shut-Down führen. Und zu noch mehr Toten.

Gutes Essen genießen, um die Gesundheit zu stärken

Es scheint derzeit realistisch, sagen die Experten, dass wir nahezu alle vom Corona-Virus infiziert werden. Eine stabile Gesundheit scheint da die beste Vorsorge zu sein, um ihm gut zu überstehen. Da im Fachzentrum derzeit alles ruhiger läuft und ich im Home-Office arbeite, finde ich zwischendurch Muße zum achtsamen Kochen und achtsamen Essen.

Der Anblick der frischen Gemüsefarben die würzigen Aromen des Veggie-Gyros erfüllen mich mit Wohlbehagen. Sind die Stücke nicht wundervoll achtsam in gleicher Größe geschnitten? ;o)

Habe auch gleich meine neue Granit-Bratpfanne eingeweiht :o)


Wenn Selbstbezogenheit Unternehmen ruiniert

16.03.2020

Während wir anfangs noch dachten, diese Corona-Epidemie sei in ein bis zwei Wochen Legende, wird allmählich klar, dass wir uns auf einen längeren Zeitraum einzurichten haben. Bei vielen steigt das Panikthermometer. Hastig ergreifen sie Maßnahmen zur (scheinbaren) Existenzsicherung – auch wenn diese so unüberlegt sind, wie Toilettenpapier für 10 Jahre im voraus zu kaufen.

Für einige gehört dazu auch, bei uns gebuchte Veranstaltungen abzusagen und ihr Geld zurückzuverlangen. Glücklicherweise ist das die geringere Zahl. Wäre die Mehrzahl unserer Teilnehmer und Absolventen nicht so besonnen, hätte uns das den Kopf kosten können.

Bei den meisten gibt es für solche Rücktritte, die uns zum Teil recht rüde übermittelt wurden, gar keinen „echten“ Grund. Wir haben allen Teilnehmern angeboten, sie auf die nächste Veranstaltung umzubuchen. Aber einige wollten das nicht – sie würden sich dann nach der Krise erneut anmelden, so die Begründung. Nach mir die Sintflut.

Handeln ohne zu denken

Solche selbstbezogenen und kurzsichtigen Aktionen können Unternehmen in den Ruin stürzen. Uns betrifft das glücklicherweise (Dank der überwiegenden Zahl unserer besonnenen Teilnehmer) nicht. Aber zahlreiche andere Unternehmen schon. Ich bin erschreckt darüber, wie wenig Gedanken sich manche über die Auswirkungen ihres Handelns machen. Oder noch schlimmer, dass es ihnen möglicherweise sogar egal ist.

Auch das geht vorbei

Wenn jetzt alle „den Ball flach halten“ und wir die Situation quasi aussitzen, bleiben Arbeitsplätze erhalten und Familien werden nicht ins Unglück gestürzt. In der buddhistischen Psychologie gibt es das Konzept der Drei Daseinsmerkmale. Eines dieser Merkmale unseres Daseins ist Anicca (Vergänglichkeit). Es besagt, dass alles vorbeigeht. Das gilt auch für die Corona-Krise. Wir harren ein paar Wochen aus und irgendwann finden wir uns wieder zum gemeinsamen Praktizieren von Achtsamkeit zusammen. So einfach könnte das sein. So einfach ist es.

Kein Zombie

Anfangs spürte ich bei jedem dieser Rücktritte Anflüge von hilfloser Verzweiflung, weil ich keine Ahnung hatte, wohin das führen würde. Dann wurde ich wütend auf die Betroffenen. Und dann sah ich meine Wut, mein Unverständnis und meine Traurigkeit. Ich spendete mir soviel Selbstmitgefühl wie nötig war, um aus dem Überlebensmodus herauszutreten und mich mit den weiseren Bereichen meines Gehirns zu verbinden.

Mein kluges Gehirn hat Verständnis für ihr Handeln. Sie sind Instrumente ihrer Angst – dafür können sie nichts. Achtsamkeit könnte ihnen helfen, umsichtigere Entscheidungen zu treffen. Langfristig. Vorerst sagen sie ihr Achtsamkeitsseminar aber erst einmal ab.

Wer Achtsamkeit praktiziert, steht nicht über den Dingen. Auch eine Achtsamkeitstrainerin kann Aufwallungen unangenehmer Emotionen erleben. Wir wären Zombies, wenn das anders wäre. Was den Unterschied macht ist: Ich falle nicht mehr tief und wenn es doch einmal passiert, komme ich schnell wieder aus der Fallgrube heraus.


Die Welle reiten

15.03.2020

In dieser unwägbaren Zeit erlebe ich meinen, seit 35 Jahren in Achtsamkeit und Meditation geschulten Geist als echten Vorteil. Das brachte mich auf die Idee, dessen Ruhe und Klarheit in diesem Achtsamkeitstagebuch mit anderen zu teilen.

Einige der Absolventen unserer Achtsamkeitstrainer-Ausbildung haben mich gebeten, etwas Heilsames aus Sicht der Achtsamkeitspraxis zur derzeitigen Corona-Epidemie zu schreiben. Voilá: Hier ist der Beitrag →



 

9 Kommentare

  • Liebe Doris,
    eigentlich lege ich sehr viel Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung und das macht mir auch viel Spaß, aber was mache ich seit Freitag? Ich schaufele Tüten an Chips und Mengen an Kuchen in mich hinein. Es erscheint mir unmöglich meinen eigentlich (da ist es wieder dieses Wort) geliebten Smoothie zu trinken. Es ist weniger die Langweilige die mich umtreibt, es ist mehr das Gefühl dem Unkontrollierbaren ausgeliefert zu sein, welches mir die Kontrolle über mein Essverhalten als unsinnig einreden will. Dabei weiß ich leider zu genau, dass mein jetziges Essverhalten mir gesundheitlich ziemlich schaden wird. Vom Blick auf die Waage ganz zu schweigen. Ich bin mir dessen bewusst. Erst war ich wütend auf mich, dann war ich verzweifelt. Langsam kommt in mir das leise Gefühl von Verständnis für mich auf. Wie viele von hab auch ich in der Vergangenheit Dinge erlebt die die Gegenwart erklären. (Als ich mich von meinem Exmann trennte empfand ich es als lebenswichtige Maßnahme so Zipperbags mitzunehmen, die auch heute noch keiner benutzen darf) So übe ich mich nun in Nachsicht mit mir. Außerdem habe ich mir vorgenommen, meine „sozialen Kontakte“ auch im Bereich der Medien zu reduzieren und nicht mehr jeden Coronabericht anzuschauen, dafür aber wieder mehr Zeit mit mir zu verbringen und wieder in einen tieferen Kontakt zu kommen. Dein Tagebuch hilft mir. Es erdet und erinnert mich. Dafür danke ich dir aus tiefstem Herzen. Namaste Sibylle

    • Liebe Sibylle,

      es hat mich zutiefst berührt, deine Zeilen zu lesen. In vielfacher Hinsicht ;o)

      Ja, es ist wirklich erstaunlich, was mit uns geschieht, wenn unser innerer Überlebensmodus die Regie übernimmt und sogar die intelligenteren Bereiche unseres Gehirns für seine Zwecke instrumentalisiert. Da gaukelt uns der Kopf plötzlich vor, dass wir unseren geliebten kalorienarmen und gesunden Smoothie doch nicht sooo gerne mögen. Er schaltet die Regionen auf standby, die uns zuvor von Chips und Sahnetörtchen abgehalten haben und sorgt dafür, dass wir das Ganze auch noch vor uns selbst rechtertigen. „Ich muss mir jetzt was Gutes tun“, „Das ist jetzt auch egal“, etc.

      Ich bin beeindruckt davon, wie klar du das erkannt hast und auch die folgenden Phasen der verschiedenen Emotionen – um letztlich beim Mitgefühl für dich selbst zu landen.

      Das ist so wunderbar und ermutigend! Das System in unserem Inneren, das uns schützen möchte, sieht sich derzeit in seinem Überleben bedroht. Und das ist auch gar nicht abwegig. Wir können dieses System nicht unterdrücken – aber mit den Augen der Achtsamkeit können wir die Auswirkungen erkennen und sanft gegensteuern.

      Eines der größten Geschenke der Achtsamkeitspraxis ist sicherlich genau das, was du angesprochen hast: Dass wir im Anerkennen unseres Leids und Unvermögens, milde und freundlich zu uns selbst sind.

      Danke dafür, dass du deine Gedanken und Gefühle, deine Schwäche wie deine Stärke mit uns geteilt hast. Ich bin sicher, dass diese freimütigen Bekenntnisse und dein liebevoller Umgang mit dir selbst inspirierend für andere sind.

      Sei von Herzen umarmt,
      Doris

  • Liebe Doris, auch wenn das Schreiben für Dich sicherlich auch heilsam ist… Ich finde es mutig und stark von Dir, Deine Gedanken und Gefühle direkt und offen mit uns zu teilen. Bisher hatte ich noch keinen Kopf für andere Gedanken. Nachdem meine jetzt aber einigermaßen sortiert sind, habe ich Deine sehr gerne gelesen.
    Danke, dass Du meine Lehrerin warst und irgendwie auch immernoch bist. :-)
    Ich konnte jetzt wieder in deinen Worten feststellen wie sehr mir die Achtsamkeit geholfen hat und auch weiterhin helfen wird. Bei dieser Krise, und auch der nächsten. LG, Mona

  • Liebe Doris, auf der Suche nach einem Weg aus der Corona Angst auszusteigen, habe ich deine Seite über Achtsamkeit-Angst-Corona entdeckt und war tief berührt. Ich habe vor einigen Jahren Achtsamkeitstraining gemacht und dann auch wieder andere Wege gegangen. Aber Achtsamkeit und Mitgefühl spielte immer eine große Rolle. Dann fand ich deinen Blog und merke noch mehr, wie ich wieder in die Erdung komme. Ich danke dir sehr für dein Teilen.
    Ja, ich bin echt verwundert und teilweise entgeistert wohin uns, mich diese Corona Angst hinbringt. Manchmal habe ich das Gefühl in ein tiefes Loch zu fallen, Weltuntergangsphantasien, Verschwörungstheorien passieren dann auch mal kurz mein Gehirn. :)
    Wie gut ist es dann sich auf die Basics der Achtsamkeit einzulassen, vor allem auf dem Atem oder das Trinken eines Schluck klaren Wassers..
    Ich werde weiterhin hier mitlesen und wieder mehr meine Achtsamkeitsmodis aktivieren.
    Vielen Dank für die Ermutigung und alles Gute für dich, Maryam

    • Liebe Maryam,

      ich bin sehr berührt von deinen authentischen und offenen Zeilen. Und ich freue mich immer zu erfahren, dass sich meine Mühe lohnt, diesen Achtsamkeits-Blog zu schreiben, weil er in der Zeit dieser Corona-Krise erdend und hilfreich für Menschen ist.

      Und ja, es ist erstaunlich, wohin der Geist uns führt, wenn man ihn zügellos gewähren lässt. Ich muss immer schmunzeln, wenn Leute erstaunt sind, dass eine Achtsamkeitslehrerin auch mal in ein geistiges Loch fällt. Das tun wir alle – einfach weil wir Menschen sind. Die Frage ist nur, was als nächstes geschieht. Und hier kann ich bei mir und auch bei anderen Praktizierenden sehen, dass man zum einen nicht mehr so tief fällt und zum anderen schneller wieder aus dem Loch herauskommt. Die Achtsamkeitspraxis ist uns „Maß und Meister“, ein Leuchtturm, an dem wir uns immer wieder orientieren, wenn das Unwetter unser Lebensschiff ins Schaukeln bringt.

      Praktizieren wir weiter und nutzen wir die Krise als Dünger für unsere Praxis! In diesem Geiste grüße ich dich ganz herzlich und wünsche auch dir alles Gute,
      Doris

      • Vielen Dank, liebe Doris.
        Zwei Dinge möchte ich heute schreiben:
        Ich habe die Bergmeditation wieder entdeckt. Und bin so dankbar dafür. Gerade jetzt passt sie so gut. Der unerschütterliche Berg, der geerdet ist und verbunden mit dem Himmel. Es tut gut, sich genau daran wieder zu erinnern.
        Und: Ich habe deinen Eintrag von heute, den 30.3. so begrüßt. Danke für deine Offenheit!! Genau das erlebe ich auch seit Tagen und ich habe auch schon interessante, sachliche Beiträge gelesen, gesehen, die eine diametral andere Haltung haben. Und dann fängt es in mir an zu kreiseln und im Grunde meines Herzens möchte ich ihnen zustimmen.. und dann beginnt schnell eine Spirale des Denkens.
        Also vielen Dank dafür, diese Spirale besser zu verstehen und auch da ein Stop zu setzen.
        Im Endeffekt können wir es nicht wissen.
        Herzliche Grüße, Maryam

        • Ich freue mich von Herzen, dass meine Zeilen und die Bergmeditation hilfreich für dich sind. Und ich habe den Impuls mit der Bergmeditation aufgenommen und werde morgen im Blog etwas darüber schreiben – vielleicht finden andere ebenfalls eine Stärkung ihrer Meditationspraxis und ihrer Alltagsbewältigung während der Krise darin.

          Bleibe gesund und fühle dich umarmt,
          Doris

  • Liebste Doris,
    es ist mir ein Fest jeden deiner Beiträge zu lesen.
    Sie sind eine sehr wertvolle Unterstützung im täglichen Üben meiner Praxis.
    Sie inspirieren mich dazu tiefer einzutauchen, mich jeden Moment zu reflektieren und im Sinne des Anfängergeistes… wohlwollend … und mit ( Selbst)Mitgefühl…stets “ auf ein Neues“ üben zu dürfen.
    Ein sehr wertvolles Geschenk.
    Danke.
    Fühle dich von Engelsflügeln umarmt.
    Deine Britta

    • Von Engelsflügeln umarmt – was für eine schöne Vorstellung, liebe Britta.

      Ich fühle mich dir nah und deine lieben Zeilen lassen die Vorfreude auf unser Wiedersehen wachsen.

      Einen tiefen Gassho, deine Freundin
      Doris

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