Achtsamkeit und Christsein

Achtsamkeit und Christsein

Dass die Achtsamkeitspraxis eine feine Sache ist, bleibt auch Christen nicht verborgen. Sobald sie jedoch erfahren, dass diese Praxis ihre Wurzeln im Buddhimus hat, werden einige ängstlich und verunsichert: Passt es zu ihrem Christ-Sein, etwas zu praktizieren, das buddhistischen Ursprungs ist? Riecht das nicht geradezu nach Indoktrination?

Manchmal kann es hilfreich sein, sich zunächst einmal darüber zu verständigen, was man unter “Achtsamkeit” versteht, denn Achtsamkeit kann verstanden werden als

~ Geisteszustand
~ Methode
~ Weg

Je nachdem, welchen Aspekt man anspricht, kann man über Achtsamkeit aus verschiedenen Perspektiven diskutieren. Reden wir über den ‘Geisteszustand’, dann verstehen wir unter Achtsamkeit schlicht eine besondere Form von frei schwebender, nicht wertender Aufmerksamkeit. Wenn der Begriff auf diese kognitive Fähigkeit reduziert wird, spielt er für die Frage der Religion keine Rolle.

Buddhismus: Wissenschaft des Geistes
Reden wir über Achtsamkeit als ‘Methode’, dann kommen wir um die Tatsache nicht herum, dass diese Methode aus dem Buddhismus stammt. Achtsamkeit wurde von Buddha als geistige Fähigkeit erkannt und er beschrieb präzise, wie diese Geisteshaltung systematisch entwickelt werden kann. Das steht in keinem Zusammenhang zu irgendetwas Religiösem. Obwohl es sich bei Buddhas Erkenntnissen um nüchterne eher wissenschaftliche Betrachtungen handelt, die aus der Untersuchung des eigenen Geistes entstanden sind, haben wir hier die erste Berührung mit Religion – vorausgesetzt, wir betrachten den Buddhismus als Religion. Die Frage, ob der Buddhismus eine Religion ist oder nicht, wird zwar durchaus kontrovers diskutiert, aber im Grunde genommen ist er es nicht, weil ihm die wesentlichen Merkmale einer Religion fehlen: Es gibt weder eine Gottesgestalt noch eine heilige Schrift und schon gar nicht hat der Buddha uns aufgefordert, an irgendetwas zu glauben.

Eine Basis für ein Leben in Liebe und Mitgefühl
Der Buddhismus eine Wissenschaft des Geistes, die uns einlädt zu untersuchen, wie die Dinge sind. Er kann eine Grundlage für ein ethisch ausgerichtetes Leben sein. Achtsamkeitslehrer Jon Kabat-Zinn bezeichnet die Lehrreden Buddas deshalb als “universellen Dharma” – und macht damit deutlich, dass dessen Inhalte nicht an eine Religion gebunden sind, sondern auf grundlegenden menschlichen Werten basieren. Als Buddha diese Erkenntnisse hatte, gab es noch keinen “Buddhismus” – der entstand erst sehr viel später. Der ehemalige Prinz Siddharta Gautama verfolgte nicht das Ziel, eine neue “Religion” zu gründen. Er wollte den Menschen zur Befreiung aus der Verstrickung in ihre Leiden verhelfen.

Möchten Sie Ihre Achtsamkeitspraxis vertiefen – oder die Achtsamkeitspraxis überhaupt kennenlernen? Können Sie sich vorstellen, einen Tag lang in Stille einzutauchen, dem eigenen Herzen zu lauschen und die eigene Gegenwart auszuhalten? Dann nehmen Sie doch an einem unserer Achtsamkeitstage teil.

Werfen wir nun einen Blick auf Achtsamkeit als ‘Weg’. Es ist eine Tatsache, dass Idee und Systematik der Achtsamkeitspraxis dem legendären Buddha zuzuschreiben sind und dass die Methode zum Entwickeln dieses Geisteszustandes über die Jahrhunderte in der buddhistischen Tradition erhalten wurden.

Wenn wir davon ausgehen, dass es sich bei der Achtsamkeitspraxis zum einen um einen kognitiven Geisteszustand handelt und zum anderen um eine spezielle Methodik, ihn zu erlangen, dann bietet er die wundervolle Möglichkeit, ihn in jeden weltanschaulichen oder religiösen Kontext einzubinden.

Ja, die Achtsamkeitspraxis stammt aus dem Buddhismus. Aber das Wundervolle daran ist, dass sie völlig frei und unbefleckt ist. Sie ist offen für jedermann und für jeden Lebensstil. Wird Achtsamkeit praktiziert, entstehen daraus auf ganz natürliche Weise Freundlichkeit, Sanftmütigkeit, Wohlwollen, Mitgefühl, Toleranz, Geduld, Großzügigkeit und andere menschliche Werte. Werte, dich sich jede Religion auf die Fahne schreibt.

Nicht Entweder-oder, sondern Sowohl-als-auch
Aus diesen Gründen lässt sich die Achtsamkeitspraxis wundervoll in jede Religion integrieren. In unserer Fachausbildung Stressbewältigung und Achtsamkeit zum Beispiel hatten und haben wir auch christliche Geistliche, die tief bewegt davon sind, wie sehr sich durch die Achtsamkeitspraxis ihr Glaube und ihre Beziehung zu Gott vertieft hat. Wenn das keine Visitenkarte für die Anpassungsfähigkeit der Achtsamkeit an den eigenen Weg ist.

 

Gemeinsam übt es
sich leichter…

Achtsamkeitsseminare des DFME
Achtsamkeitsseminare buchen