Die Achtsamkeitspraxis: Wirkliche Hilfe bei Stress und Burnout

Die Achtsamkeitspraxis: Wirkliche Hilfe bei Stress und Burnout

Im vorherigen Blogbeitrag habe ich mich dafür ausgesprochen, die Ursachen für Stress und Burnout nicht ausschließlich den Betroffenen anzulasten. Dennoch trägt natürlich jeder Einzelne seinen Teil zum Geschehen bei. Darauf wies eine Leserin noch einmal hin, die meinen Beitrag kommentiert hat:

„Ist es der unbewusste, unachtsame Mensch, der besinnungslos auf sein Ziel zurennt und all die mitzieht, die keinen Widerstand leisten oder aufgrund ihrer Einstellungen keinen Widerstand leisten können? Wie kann die Bewusstheit, dass wir uns durch bestimmte Verhaltensweisen selbst an unsere Grenzen bringen und eine Leben ohne Lebensqualität leben in unsere Gesellschaft gebracht werden? Wie kann Besinnung funktionieren? Wer sind die, die Vorbild dafür sein könnten?“

Diese Stellungnahme hat mich tief berührt. Was die Rolle des Einzelnen im Stressgeschehen anbelangt, da spricht die Leserin das Grundproblem des ganzen Desasters an – zumindest nach meiner Ansicht, die aus einer langjährigen Berufserfahrung auf dem Sektor der Stressbewältigung und Burnoutprophylaxe resultiert: Besinnungslosigkeit! Ich meine damit Folgendes: Was wir fühlen und was wir tun hängt davon ab, was und wie wir denken. Der jüdische Talmud bringt diese einfache Wahrheit weise auf den Punkt, wenn er sagt:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Hausgemachter Stress durch den ‚Affengeist‘

Alles beginnt also damit, wie wir unser Hirn benutzen. Und wer wissen möchte, wie gut er darin ist, der sollte sich nur einmal spontan die letzten drei Sätze, die er gerade gedacht hat, in Erinnerung rufen. Fast niemand kann sich daran erinnern. Noch eine kleine Übung: Denken Sie an irgend ein Problem, das bei Ihnen derzeit zur Lösung ansteht. Und dann denken Sie dieses Problem von vorne bis hinten kontinuierlich durch und schließen den Vorgang mit einer Entscheidung über die weitere Vorgehensweise ab. Sie werden sehen, dass das nicht möglich ist. Denn wir denken nicht kausal-linear, sondern ‚primärprozesshaft‘, wie der Psychoanalytiker Sigmund Freud es nannte.

Schauen Sie sich einmal selbst beim Denken zu. Einmal abgesehen davon, dass es Ihnen nicht lange gelingen wird, die Aufmerksamkeit darauf zu halten, können Sie feststellen, dass Ihr Gehirn mit einem wahren Chaos an quer durcheinanderschießenden Gedankenimpulsen überflutet wird. Im Buddhismus spricht man wegen dieser Eigenschaft es Geistes auch von einem Monkey-Mind, einem Affengeist. Trifft solch ein Geist auf eine Welt, die nicht minder ‚irre‘ ist, kann man sich vorstellen, welche Qualität das hat, was bei dem ganzen Durcheinander herauskommt. In meinem „Handbuch Stressbewältigung„, Mankau Verlag, habe ich diese Sachverhalte ausführlicher beschrieben. Um Ordnung in dieses Chaos zu bringen, könnte man zunächst einmal damit beginnen, Ruhe und Klarheit in den Geist zu bringen.

Ruhe und Klarheit im Geist durch Meditation

Und die Methode, die dies bewirken kann, heißt ‚Meditation‘. Nun erschauern manche Zeitgenossen schon bei diesem Begriff, aber das sind die Zeitgenossen, die glauben, dass man als Meditierender zum weihrauchumwölkten, weltfremden, pendelschwingenden Esoteriker werden müsste. Weit gefehlt. Es war der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker, der so treffend formulierte:

Man wird durch Meditation kein anderer, sondern der, der man immer gewesen ist.“

Das Konzept der Achtsamkeit ist rund zweieinhalb tausend Jahre alt. Es stammt aus den grundlegenden buddhistischen Lehren. Es handelt sich dabei um eine Schulung des Geistes, der durch verschiedene formale und informelle Übungen – die im Allgemeinen als ’simple but not easy‘ beschrieben werden – beruhigt und geklärt wird.

Das MBSR-Programm: Achtsamkeit systematisch erlernen

Der amerikanische Mediziner Prof. Jon Kabat-Zinn entwickelte aus dieser Achtsamkeitspraxis und ihren Übungen ein einfaches 8-wöchiges Stressbewältigungsprogramm, das zunächst im klinischen Bereich eingesetzt wurde, das aber nach dreißig Jahren (inzwischen bestens medizinisch erforscht) weltweit immer mehr Menschen als Grundlage für eine ganzheitliche Lebensweise dient. Das Programm ist bekannt unter dem Namen MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit). Durch diese Achtsamkeitspraxis wird der Geist in Bewusstheit geschult. Wir bekommen, vereinfacht ausgedrückt, mehr von dem mit, was in uns und um uns herum vor sich geht. Das ist deshalb von so großer Bedeutung, weil wir nur dann unseren Gefühlen und Bedürfnissen gerecht werden und situationsadäquat handeln können, wenn wir nicht von wild durcheinanderschießenden Gedanken und Gefühlen umhergewirbelt werden, wie ein Blatt im Wind.

Die Wissenschaft hat bewiesen: Das Maß an Stress ist umso höher, je geringer das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist. Und je weniger man erfasst, was in einem und um einen herum geschieht, desto größer ist das Gefühl des ohnmächtigen Ausgeliefertseins an etwas, das sich der eigenen Einflussnahme zu entziehen scheint – und dass so kennzeichnend für Stress ist. Für mich ist diese Achtsamkeitspraxis die Antwort auf die Herausforderungen, vor die uns unser Leben im 21. Jahrhundert stellt. Unseren Klienten, Teilnehmern und Absolventen hilft der klare, ruhige, sich seiner selbstbewusste Geist, selbstbestimmtere Entscheidungen zu treffen und zielsicherer Dinge zu unterlassen, die das Leben erschweren und verkomplizieren. Wir sprechen hier von einem Potenzial, das in jedem Menschen vorhanden ist, das aber bei den meisten einen unbekümmerten Dornröschenschlaf führt. In dem Maße, wie zunehmend immer mehr Menschen aus der Bewusstlosigkeit zu Selbst-Bewusstsein erwachen, wird sich auch das System ändern.

Die Achtsamkeitspraxis stärkt auch menschliche Tugenden

Durch eine Achtsamkeitspraxis werden auf eine ganz selbstverständliche Weise auch andere Tugenden des Menschseins wie Geduld, Mitgefühl und Toleranz gestärkt. Je mehr Menschen einen klaren Geist und ein mitfühlendes Herz entwickeln desto schneller wird ‚das System‘ sich ändern, das – wie die Leserin des obigen Textes so treffend bemerkte – aus uns selbst besteht.

Im DFME arbeiten wir seit einigen Jahren mit der Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Die Erfolge übertreffen alles, was wir in den Jahren davor mit den klassischen Entspannungsmethoden und Strategien zur Erhöhung von Resilienz erreicht haben. Die Erfahrungen aus unserer täglichen Arbeit geben wir in unserer Ausbildung zum Stresstrainer DFME weiter.

 

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