Achtsamkeitsübungen im Alltag – eine Herausforderung

Achtsamkeitsübungen im Alltag

Achtsamkeitsübungen in den Alltag zu integrieren ist einfach aber nicht immer leicht. So vermeiden Sie klassische Anfängerfehler.

Möchten Sie mehr Achtsamkeit entwickeln? Wenn Sie schon einmal versucht haben, Achtsamkeitsübungen „einfach“ in den Alltag zu integrieren, werden Sie vermutlich festgestellt haben, dass das leichter gesagt als getan ist. Wer mit seinen Bemühungen gescheitert ist, stellt nicht selten die ganze Praxis der Achtsamkeit in Frage – zumindest aber sich selbst.

Doch seien Sie versichert: Die Ursachen liegen weder in der Achtsamkeitspraxis selbst, noch bei Ihnen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Sie einfach „zu große Päckchen gepackt“ haben – ein typischer Anfängerfehler.

Vorprogrammiertes Scheitern bei zu hohen Ansprüchen

Wer sich mit Begeisterung seinen ersten Achtsamkeitsübungen zuwendet, dessen Enthusiasmus spiegelt sich oft in der Höhe des Herausforderungsgrades dieser Übungen wider. Spitzenreiter des vorprogrammierten Scheiterns sind zum Beispiel Vorhaben wie die Fahrt zur Arbeit, Unkrautjäten im Garten oder die Zubereitung einer Mahlzeit.

Aufgrund ihrer Komplexität und Dauer sind solche Vorhaben in vielerlei Hinsicht störanfällig. Aus der Meditations- und Bewusstseinsforschung wissen wir, dass es für einen Ungeübten in Sachen Achtsamkeit unmöglich ist, einen konstanten Zustand reinen Gewahrseins im Hier und Jetzt über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Viele Neulinge nehmen sich jedoch genau das vor und wundern sich dann, wenn es nicht funktioniert.

Einige Achtsamkeitsübungen

Komplexität von Achtsamkeitsübungen reduzieren

Wenn Sie sich eine Alltagsübung zum Entwickeln von Achtsamkeit aussuchen und merken, dass es Ihnen nicht gelingt, die ganze Zeit über präsent zu bleiben, dann reduzieren Sie diese Übung einfach. Und zwar so lange, bis es klappt. Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie weit Sie die Übung verringern müssen. Aber seien Sie versichert: das ist normal.

Unser Gehirn lernt Achtsamkeit besser in vielen kleinen Schritten als in wenigen großen. Was den Erfolg bringt, ist die fortwährende Aktivierung der neuronalen Netzwerke innerhalb unseres Gehirns, die für das Entwickeln von achtsamer Präsenz zuständig sind.

Meine Lieblings-Achtsamkeitsübung: der Magnet-Seifenhalter

Einer dieser kleinen „Reminder“ meines Alltags ist der Magnet-Seifenhalter im Badezimmer. Bei dieser Konstruktion presst man ein spezielles rundes Metallplättchen in ein Stück Seife. Das so präparierte Seifenstück wird zum Befestigen einfach von unten gegen eine an der Wand montierte, mit einem Magneten versehene Halterung gedrückt.

Der Magnet ist nicht allzu stark. (Schließlich will man ja die Halterung nicht aus der Wand reißen, wenn man sich der Seife bemächtigt). Die Folge des etwas schlappen Magneten ist: Positioniere ich das im Seifenstück enthaltene Metallplättchen nicht mittig unter dem Magneten, fällt es wieder herunter. Es fällt auch durch die entstehende Unwucht herunter, wenn ich die Hand nach dem Absetzen des Seifenstücks zu schnell wegziehe.

Der Prozess verlangt also eine bedachte, sanfte und entschleunigte Vorgehensweise. Dadurch komme ich gar nicht drumherum, meine Aufmerksamkeit jedes Mal beim Händewaschen ganz bewusst auf die achtsame Rückführung der Seife zum Halter zu richten. Oft gelingt es mir, die an dieser Stelle aufgebaute Achtsamkeit mit in die folgenden Aktivitäten zu nehmen. Aber das ist dann eine nette Nebenwirkung der eigentlichen Übung, das Stück Seife sicher an der Halterung zu positionieren.

Schwierigkeiten mit Achtsamkeit begegnen

Ein Freund von mir (der keine Achtsamkeit praktiziert), dem ich lachend von meiner Interaktion mit dem Seifenhalter erzählte, meinte, ich solle mir einen neuen Seifenhalter mit einem stärkeren Magneten zulegen, um „dem Stress ein Ende zu machen“. Er muss erst noch lernen, wie hilfreich – und durchaus auch erheiternd – es sein kann, (vermeintlichen) Schwierigkeiten mit Achtsamkeit zu begegnen  🙂 

Welche Verrichtungen führen Sie zu mehr Achtsamkeit?

Wenn Sie nicht solch einen schönen „Achtsamkeits-Seifenhalter“ besitzen wie ich, dann fragen Sie sich, welche Verrichtungen des Alltags Sie dafür nutzen können, um sich immer wieder in die Haltung der Achtsamkeit zurückzubringen?

Vielleicht ist es der Moment bevor Sie morgens die Beine aus dem Bett schwingen, das Zudrehen der Zahnpasta-Tube, der erste Schluck des ersten Getränks am Morgen, das Abschließen der Tür, wenn Sie das Haus verlassen, das Entwerten Ihres Fahrscheins im Automaten oder das Ein- und Ausatmen an einer roten Ampel.

Alles, was uns im Alltag begegnet, können wir zur Achtsamkeitsübung machen, einfach indem wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten und uns für diesen kurzen Moment mit unserem Atem verbinden. Machen Sie sich frei von der Idee, dass Achtsamkeitsübungen im Alltag besser wirken, je umfangreicher sie sind. Die Praxis der Achtsamkeit ist auch eine Praxis der Einfachheit, der Leichtigkeit und der Freude.

Fazit:

Wenn es anfängt, sich schwierig anzufühlen, gestalten Sie Ihre Übungen einfach etwas schlanker.

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