Die Qualität achtsamkeitsbasierter Angebote

Qualitäts-Check für Achtsamkeitspraktiker

Ist jeder qualifiziert, Seminare, Kurse und Workshops zum Thema Achtsamkeit zu geben und anderen diese Praxis vermitteln?
Ein kritischer Blick auf den Achtsamkeits-Markt.

Achtsamkeit ist ein Mega-Trend:
„McMindfulness“ ist in

Immer noch boomt die Welle. Achtsamkeit ist nach wie vor ein Megatrend und kaum ein Trainer, Coach, Berater oder Therapeut kann der Versuchung widerstehen, seine bisherigen Angebote mit dem neuen Modebegriff aufzuwerten.

Von „McMindfulness“ ist deshalb vielerorten bereits die Rede. Und inzwischen hat eine Begriffsfluktuation dieses Wortes eingesetzt, über das nur wenige eine klare Auffassung haben. Über das, was Achtsamkeits-Trainer tun, noch viel weniger.

Ist ja auch kein Wunder, denn für sich genommen ist das Wort Achtsamkeit tatsächlich mehrdeutig. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch wird Achtsamkeit gerne als ein synonymes Wort für Aufmerksamkeit verwendet. „Die Feuerwehr rät zu mehr Achtsamkeit“, war zum letzten Jahreswechsel im Hinblick auf die Brandgefahr zu Silvester in der Zeitung zu lesen.

Einige glauben, in der Achtsamkeit ein ethisch-moralisches Regelwerk für ein „besseres Menschsein“ gefunden zu haben. Wer das so interpretiert, kommt der Sache zwar näher, liegt aber immer noch daneben.

Der Zauber der Achtsamkeit:
wenn alle Augenblicke zu einem werden

Was hat denn eigentlich den Siegeszug dieses Zauberwortes begründet? Wieso umflort diesen Begriff die stille, kaum greifbare, aber starke Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem fernen, hinter dichtem Nebel verborgenen Avalon?

Wenn Menschen mit dem in Berührung kommen, was wir Achtsamkeits-Praxis nennen, bleiben sie nicht selten in sprachloser Verwunderung über diese innere Erfahrung zurück, die sich manchmal nur in Metaphern oder lyrischen Versen ausdrücken lässt.

Die Poesie von Achtsamkeit

Wenn ich eintauche
in den Ozean des Universums
erleuchtet mich die Schönheit der Atome
und alle Augenblicke meines Leben
werden zu einem einzigen.

Rumi

Achtsamkeit hat tiefe Wurzeln

Die Wurzeln dieses „Geheimnisses“ sind über zweieinhalbtausend Jahre alt. Zu verdanken haben wir sie einem indischen Prinzen, Siddharta Gautama, der als junger Mann Familie und Palast verließ und viele Jahre später als Buddha (der Erwachte) weltweite Bekanntheit erreichte.

Sein Ansinnen war, einen Weg zu finden, der das Leiden der Menschen lindert, das Leiden, das unvermeidlich für jeden von uns entsteht, weil wir im Leben nicht alles bekommen, was wir wollen und brauchen, manchmal bekommen, was wir nicht wollen und nicht brauchen, weil wir Verluste erleiden, krank werden, alt werden und eines Tages sterben.

Ein zeitloser Weg für ein glückliches Leben

Buddha hat einen Weg gefunden. Und das ist auch heute noch unser Glück, denn dieser Weg ist zeitlos und er spricht jeden Menschen an – jenseits von Religion, Weltanschauung, Alter, Hautfarbe oder sozialem Status. Wir partizipieren heute noch von den Erkenntnissen, zu denen der Erwachte durch lange, systematische Meditation gelangt ist.

Die Reden Buddhas sind uns in sogenannten Suttas (Lehrreden des Buddha in der altindischen Sprache Pali) übermittelt. Dabei handelt es sich nicht um ein Glaubenssystem, sondern um einen Weg zur Befreiung des Geistes.

Buddha hat stets betont, dass man nicht glauben solle, was er sage, sondern dass man nur das annehmen solle, was sich nach gründlicher Prüfung als wahr und hilfreich für einen selbst erweise.

Bei den Ausführungen Buddhas und seinen Weg der Einsicht (in sich selbst und in die wahre Natur des Lebens) geht es nicht nur um eine reine Erforschung der Erfahrung des gegenwärtigen Moments, sondern es geht darum, dies auf eine ganz bestimmte Weise zu tun.

Achtsamkeit im DFME lernen

Achtsamkeit: Sehr viel mehr als Aufmerksamkeit

Und hier kommen wir dem „Mysterium“ der Achtsamkeit ein bedeutendes Stück näher. Denn die Erforschung dessen, was im gegenwärtigen Moment in uns lebendig ist, ist unverrückbar mit bestimmten Qualitäten des Geistes und des Herzens verbunden.

Qualitäten des Geistes und Herzens

Anfängergeist 
Unvoreingenommenheit 
Nicht-Streben 
Nicht-Anhaften 
Vertrauen 
Freundlichkeit 
Offenheit und
(Selbst-)Mitgefühl

In der Natur dieser Eigenschaften liegt, dass sie nicht dadurch zu erlangen sind, dass wir sie haben möchten. Das ist kein Akt des Willens, sondern das Ergebnis einer langen und systematischen Schulung des Geistes – denn von Hause aus hat unser Geist nur wenig Neigung, sich diesen Tugenden zuzuwenden.

Ein Hort des Friedens sein

Achtsame Menschen sind wie ein stiller Waldsee, zu dem abends scheue Rehe zum Trinken kommen

Achtsame Menschen sind wie ein stiller Waldsee, zu dem scheue Tiere zum Trinken kommen

Das ist es, was „die“ Achtsamkeit so wertvoll macht: Je länger ein Mensch Achtsamkeit im Sinne ihrer buddhistischen Wurzeln praktiziert, desto mehr wird er durchzogen von den oben beschriebenen, menschlichen Qualitäten, desto mehr verkörpert er sie.

Solch ein Mensch kann ein Hort des Friedens für andere sein, ein stiller Waldteich, zu dem scheue Tiere kommen, um aus seinem tiefen, klaren Wasser zu trinken.

Es ist nicht so sehr das, was er tut, sondern vielmehr das, was er ist, was einem Achtsamkeit-Praktizierenden seine Besonderheit verleiht und was den „Mythos Achtsamkeit“ begründet.

McMindfulness – Überangebot auf dem Psychomarkt

Und McMindfulness!? Der Psychomarkt ist überschwemmt mit Achtsamkeits-Angeboten; für einen Nicht-Insider ist die Spreu vom Weizen kaum zu trennen. Dennoch es gibt einige Qualitäts-Merkmale, die wir uns später noch anschauen werden.

Während die Achtsamkeit das gesamte Leben eines ernsthaft Praktizierenden durchzieht (er praktiziert täglich formale Achtsamkeits-Meditation, besucht jährlich ein oder mehrere Retreats und bildet sich regelmäßig durch Literaturstudium und Seminare fort), ist das Internet voll von Anbietern, die darauf aus sind, die Welle zu reiten und mit Achtsamkeit das große Geld zu machen.

Aktuelles Beispiel ist ein junger Mann, der einen Achtsamkeits-Workshop offeriert und auf die Frage nach seiner Qualifikation antwortet, er habe vor einem Jahr an einem Achtsamkeits-Seminar teilgenommen, meditiere (15-20 Minuten täglich) und habe einige Bücher zum Thema gelesen.

Es sind in letzter Zeit zunehmend recht junge Menschen mit hervorragenden Kenntnissen in Marketing, Mediengestaltung und technischen Internet-Möglichkeiten, die eindrucksvolle Webseiten kreieren, die ein hohes Maß an Fachkompetenz in Sachen Achtsamkeit suggerieren.

Wenn der Achtsamkeits-Praxis ein Bärendienst erwiesen wird

Liest man sich als erfahrener Achtsamkeits-Lehrer die Texte durch, stößt man jedoch häufig auf Ausführungen, die einem Verständnis der Achtsamkeitspraxis (wie es in diesem Beitrag dargelegt wird) direkt entgegenstehen.

Zum Beispiel Aussagen, dass die Achtsamkeits-Praxis einem dabei helfe, seine „negativen Gedanken und Gefühl besser zu beherrschen“. Bei diesem Satz stellen sich einem Achtsamkeits-Lehrer gleich in mehrfacher Hinsicht die Nackenhaare auf.

Wo das Verständnis fehlt, wird oft ein mit moralischen Regeln behaftetes Weltanschauungs-Konstrukt vermittelt, das ein verzerrtes Bild der Achtsamkeits-Praxis zeichnet und ihr damit nicht gerecht wird.

Halbwissen aus dem Kopf bekommen

In unseren Ausbildungen, Kursen und Seminaren im DFME können wir inzwischen nicht mehr einfach damit beginnen, Achtsamkeit zu lehren – wir brauchen zunächst eine gewisse Anlaufzeit, um das Halb- und Falschwissen aus den Köpfen der Teilnehmer herauszubekommen.

DFME Seminare zu Achtsamkeit

Zu dieser Art des „Wissens“ gehört zum Beispiel auch die Vorstellung, die Achtsamkeits-Praxis diene dazu, „negative“ Gedanken und Emotionen zu „beherrschen“. Aus Sicht der Achtsamkeitspraxis gibt es keine „negativen“ Gedanken und Gefühle.

Die Idee, „negative“ Gedanken und Emotionen zu  „beherrschen“, nährt das in den Köpfen vieler festsitzende, unheilsame Konzept von richtig und falsch, gut und böse und dass es da etwas Schlechtes in ihnen gibt, das ausgemerzt oder doch zumindest unter Kontrolle gebracht werden muss.

Eines der wunderbaren Eigenschaften der Achtsamkeits-Praxis, die ihren guten Ruf maßgeblich mitbegründet, ist die Abwesenheit moralischer Bewertungen und Verurteilungen.

Achtsamkeit ist anders, als Sie denken

In der Praxis der Achtsamkeit geht es vielmehr darum, allen Gedanken und Emotionen die gleiche Anerkennung entgegen zu bringen. In unserem inneren Erleben macht es einen bedeutungsvollen Unterschied, ob wir etwas als „schwierig“ oder als „negativ“ bezeichnen.

Durch die Praxis der Achtsamkeit lernen wir, das Konzept der moralischen Unterteilung und Verurteilung von gut und schlecht, richtig und falsch, hinter uns zu lassen. Aus Sicht der Achtsamkeits-Praxis bringt unser Dasein heilsame und unheilsame Gedanken und Gefühle hervor, und sie zeigt uns einen Weg, wie wir damit umgehen können – ohne etwas zu bekämpfen, zu unterdrücken oder zu beherrschen.

Diese widerstands-freie und von Weisheit geprägte Umgehensweise bewirkt eine tiefe innere Entspanntheit und Gelassenheit – auch den Dingen gegenüber, die wir als schwierig empfinden.

Unzureichend ausgebildete oder unerfahrene Achtsamkeits-Trainer erweisen somit (bei allem guten Willen) der Sache bisweilen einen echten „Bärendienst“.

Die Praxis der Achtsamkeit ist
ein Weg des Gewährenlassens.
Mit der Zeit hören wir auf, den Dingen
unnötigen Widerstand entgegenzusetzen,
lernen, sein zu lassen.

Doris Kirch

Warum Bücher lesen, ein Workshop-Besuch
und Kurzmeditationen nicht ausreichen

Jon Kabat-Zinn, „Vater der modernen Achtsamkeitspraxis“, tritt dem Wildwuchs auf dem Achtsamkeits-Markt gelassen entgegen. Er glaubt, dass alles, was keine wirkliche Substanz hat, früher oder später verschwinden wird.

Derweil sind wir konfrontiert mit Anbietern, die, frustriert von ihrem bisherigen Job und auf der Suche nach Selbsterfahrung einen Workshop besucht und ein paar Bücher gelesen haben und tägliche Kurzmeditation praktizieren – und die anderen auf dieser schmalen Basis vermitteln wollen, wie sie die Achtsamkeits-Praxis dazu nutzen können, ihr Leben sinnerfüllter zu gestalten und wie sie sich auch angesichts schwieriger Lebensumständen ein Höchstmaß an Lebensqualität erhalten können.

Um anderen die Achtsamkeits-Praxis vermitteln zu können, braucht es jedoch ein tiefes Verständnis ihrer Grundlagen und viele Jahre eigener Praxis und Durchdringung. Es braucht Zeit, bis ein unreifer Wein seine Qualität entwickelt. Mit der Praxis der Achtsamkeit ist das nicht anders.

Finden Sie heraus, ob Achtsamkeit drin ist,
wo Achtsamkeit draufsteht

Achtsamkeits-Trainer kann sich jeder nennen; es gibt für diese Bezeichnung keine gesetzlichen Bestimmungen. Die einzigen verlässlichen Kriterien in der Vermittlung von Achtsamkeit gibt es im Zusammenhang mit MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction = Stressbewältigung durch Achtsamkeit), dessen Konzept auf der Basis der buddhistischen Lehre und wissenschaftlicher Studien entwickelt wurde.

Unabhängig von MBSR gibt es derzeit keine allgemein anerkannten Kriterien, um jemanden, der ein heißes Eisen aufgegriffen hat, um sich daran zu wärmen, von jemandem zu unterscheiden, der die Achtsamkeits-Praxis verkörpert und sie im Sinne der Tradition verantwortungsbewusst vermittelt.

Qualitäts-Check für Anbieter von Achtsamkeit

Wenn Sie solch einen vertrauenswürdigen und authentischen Anbieter für Achtsamkeits-Seminare oder achtsamkeitsbasierte Präventionsprojekte suchen, können Ihnen die Antworten auf die folgenden Fragen eine gewisse Orientierung geben:

  • Wie sieht das Gesamtangebot des Anbieters aus?
    Lassen die Angaben zur Person auf der Internetseite eine Einschätzung zu, dass die Achtsamkeitspraxis zugleich auch die Lebenspraxis des Anbieters ist?
  • Was bietet der Anbieter sonst noch an?
    Der Umfang der Angebote auf der Webseite (oder auf verschiedenen Webseiten, die der Anbieter betreibt) gibt Auskunft darüber, ob die Achtsamkeits-Praxis wirklich lebens- und arbeitsbestimmend für ihn ist. 
  • Wie fundiert ist die achtsamkeits-basierte Ausbildung des Anbieters?
    Manch einer wirbt zum Beispiel damit, eine einjährige Ausbildung absolviert zu haben. Doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass sie lediglich aus vier über ein Jahr verteilten Wochenenden bestand. Interessanter ist die Frage, wie viele Präsenzstunden die jeweiligen Achtsamkeits-Ausbildungen und -Fortbildungen umfasst haben.
  • Über wieviel Praxiserfahrung in Sachen Achtsamkeit verfügt der Anbieter?
    Wie lange arbeitet er bereits in diesem Bereich, wie viele Kurse und Seminare mit wie vielen Teilnehmern hat er bereits gegeben?
  • Pflegt der Anbieter eine fortlaufende Entwicklung seiner persönlichen Achtsamkeitspraxis?
    Eine fortlaufende Auflistung der besuchten Achtsamkeits-Retreats und anderer achtsamkeits-basierte Fortbildungen kann darüber Auskunft geben.
  • Gibt es eine Qualitätssicherung über einen Fachverband?
    Erkundigen Sie sich, ob der Anbieter Mitglied eines Fachverbandes und zum Nachweis fortlaufender fachspezifischer achtsamkeits-bezogener Fortbildungen verpflichtet ist.
    (Das ist zum Beispiel verpflichtend für eine Mitgliedschaft im MBSR-Verband).
  • Wie alt ist der Anbieter?
    Ein höheres Alter ist nicht zwangsweise ein Garant für verkörperte Weisheit. Aber im allgemeinen wirkt sich ein Mensch wohltuend auf sein Umfeld aus, der am eigenen Leib erfahren hat, dass nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht ist.
  • Wo hat der Anbieter seine Wurzeln?
    Bei wem hat der Anbieter die Achtsamkeits-Praxis erlernt bzw. bei wem führt er sie regelmäßig fort? Diese Informationen zeigen Ihnen, ob jemand sein Wissen aus erster oder zweiter Hand erhalten hat (bzw. erhält).

 

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