Der Stress mit der Achtsamkeitspraxis

Der Stress mit der Achtsamkeitspraxis

Achtsamkeit wird derzeit als das Allheilmittel gegen nahezu alle mentalen und emotionalen Wunden unseres menschlichen Daseins gepriesen. Doch nicht jeder berichtet über gute Erfahrungen mit dieser im Buddhismus gründenden Praxis. Dafür kann es verschiedene Gründe geben.

Zum einen können die Ursachen innerpsychisch begründet sein, zum anderen können die negativen Erfahrungen damit zusammenhängen, auf welche Weise die Achtsamkeitspraxis bzw. die entsprechenden Achtsamkeitsübungen und Achtsamkeitsmeditationen verstanden oder vermittelt wurden.

Achtsamkeit als Weltflucht

Nicht selten erhoffen sich Menschen durch Meditation etwas Distanz zu ihren Problemen, ein wenig heilsame Auszeit von den Belastungen des Alltags. Sie projizieren auf die Begriffe Achtsamkeit, Meditation oder Buddhismus Vorstellungen von Entspannung, Weltflucht und Räucherstäbchen-Chichi … und werden bereits bei den ersten Achtsamkeitsübungen ebenso unvermeidlich wie unerbittlich mit der Realität konfrontiert, dass der Achtsamkeitspraxis weder Esoterisches noch Romantisches anhaftet.

Der Weg der Achtsamkeit ist kein realitätsfremdes „Schweben im Kosmos“, sondern ein pragmatischer, nüchterner Weg des Lebens im Hier und Jetzt. Achtsam sein bedeutet, genau hinzuschauen und nicht moralisch zu werten, was wir sehen. In der Achtsamkeitspraxis richten wir unsere Aufmerksamkeit wie einen Suchscheinwerfer auf unsere Körperempfindungen, Gedanken, Gefühle, Denkmuster und Verhaltensweisen – auf alles, was in uns und um uns herum im gegenwärtigen Moment präsent ist.

Wer nicht bereit ist, sich seinen Problemen zu stellen, wer ihnen lieber ausweichen oder sie verdrängen möchte, wird die Achtsamkeitspraxis eher bedrohlich als hilfreich erleben. Für diejenigen, die erkannt haben, dass Probleme sich nicht von selbst lösen, hat die Achtsamkeitspraxis jedoch einiges zu bieten.

Achtsamkeitspraxis – eine Herausforderung

Die Sehnsucht nach Entspannung von den täglichen Belastungen ist groß und sie ist verständlich. Diese Entspannung stellt sich auch ein – aber nicht gleich von Anfang an. Ganz im Gegenteil. Achtsamkeitsmeditation und Achtsamkeitsübungen sind keine Entspannungs- sondern Bewusstseinsübungen und die können am Anfang sogar ziemlich anstrengend sein.

Die Arbeit am eigenen Bewusstsein kann vor allem in der ersten Zeit als große zusätzliche Belastung empfunden werden. Vor den Erfolg haben die Götter auch hier den Schweiß gesetzt. Ein Entspannungseffekt setzt in dem Maße ein, in welchem wir sukzessive lernen, uns aus der Umklammerung unbewusster reaktiver Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen zu lösen und heilsamer mit uns selbst und unserem Leben umzugehen. Solch ein Prozess braucht Zeit.

Wer sich mit der Idee zum Meditieren hinsetzt, dass ihm diese Meditation augenblickliche Erleichterung beschert, muss zwangsweise frustriert sein. Ebenso enttäuscht sind auch jene, die versuchen, Achtsamkeitsübungen irgendwo in ihrem vollgestopften Alltag unterzubringen: Das krampfhafte Streben nach Entschleunigung und mehr Ausgeglichenheit erzeugt genau das Gegenteil.

Eine weitere Quelle der Frustration ist die Fixierung auf schnelle Erfolge, damit die Zeit der Achtsamkeitsmeditation, die man dem Alltag mühsam abgerungen hat, gerechtfertigt werden kann. Nicht wenige fühlen sich als Versager oder stellen gleich die ganze Achtsamkeitspraxis in Frage, wenn sie nicht innerhalb von 10 Minuten Achtsamkeitsmeditation ihren Geist beruhigt und geklärt haben oder vor frischen kreativen Impulsen übersprudeln. Die meisten Praktizierenden überschätzen, was die Achtsamkeitspraxis kurzfristig zu leisten vermag – und sie unterschätzen, wie viel sie langfristig zu bewirken vermag.

Warum ein guter Lehrer wichtig ist

Es kann zahlreiche Missverständnisse und Sackgassen geben, wenn man die Achtsamkeitspraxis und die Achtsamkeitsübungen nicht richtig verstanden hat, beziehungsweise wenn sie einem unzureichend oder falsch vermittelt wurden. Bereits geringfügige Irrtümer können zu sehr unbefriedigenden Ergebnissen führen und darin münden, sich enttäuscht von der Achtsamkeitspraxis abzuwenden.

Sich selbst die Praxis beizubringen und sie alleine durchzuführen ist in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt, wie die Erfahrung zeigt. Einen MBSR-Kurs oder einen anderen achtsamkeitsbasierten Kurs zum systematischen Entwickeln einer Achtsamkeitspraxis zu besuchen, könnte sich als erfolgversprechender erweisen.

Ein guter Anbieter verfügt über eine eigene langjährige aktive Achtsamkeitspraxis, hat eine lange und gründliche Ausbildung zum Achtsamkeitstrainer oder MBSR-Lehrer bei einem renommierten Ausbildungsinstitut absolviert, kann auf seiner Internetpräsenz fortlaufende Teilnahmen an Fortbildungen und Meditations-/Achtsamkeitsretreats nachweisen und ist vielleicht auch Mitglied in einem fachlichen Dachverband.

 

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