4 Tipps gegen Schmerzen beim Meditieren

Schmerzen beim Meditieren sind normal. Sie tauchen unvermeidbar auf. In unseren Tipps gegen Schmerzen beim Meditieren  erfahren Sie, was Sie tun können, um Schmerzen in der Meditation möglichst gering zu halten.


Teil I einer Trilogie zum Thema Schmerzen in der Meditation


Sind Schmerzen beim Meditieren normal?

Jeder Meditierende kennt das: Beim Meditieren im Sitzen stellen sich Schmerzen unvermeidlich ein. Früher oder später tauchen Schmerzen in Beinen, Rücken, Nacken oder Armen auf. Das kann sich unangenehm anfühlen, dennoch ist es in gewisser Weise „normal“.


Ursachen von Schmerzen in der Meditation

Schmerzen beim Meditieren entstehen vor allem durch die ungewohnte Sitzhaltung beim Meditieren. Die wenigsten von uns sind diese Körperhaltungen gewohnt. Meditationshaltungen auf dem Meditationskissen oder Meditationsbänkchen erfordern Dehnungen von bestimmten Bändern, Sehnen und Muskeln, die durch Ungewohntheit aber auch durch unsere bewegungsarme Lebensweise teilweise stark verkürzt sind. Wenn sie untrainiert sind, sind sie zudem unelastisch und werden sie gedehnt, kann das leichte Schmerzen verursachen.

Die Schmerzen können aber auch somatisch, neuropathisch oder viszeral bedingt sein und als Begleiterscheinungen von Erkrankungen oder Verletzungen auftreten. Im Zweifelsfall sollte das ärztlich abgeklärt werden.

Manche Menschen denken, dass ihre Beine absterben, wenn sie schmerzen, kribbeln, einschlafen und taub werden. Aber das ist nicht so. Die Missempfindungen entstehen nicht durch Durchblutungsstörungen, sondern durch den zusammenpressenden Druck auf die Nerven. Das ist unbedenklich und nichts, worüber Sie sich Sorgen machen brauchen.

Schmerzen beim Meditieren können auch stressbedingt oder psychisch-seelischen Ursprungs sein. Darum geht es in Teil III dieses Beitrags über Meditation und Schmerz »»



Tipp 1: Den Körper gut versorgen

Schmerzen in der Meditation sind nie ganz zu vermeiden. Aber wir können einiges tun, um sie in Grenzen zu halten. Zum Beispiel den Körper gut zu versorgen, bevor wir uns setzen. Das kann für jeden etwas anderes bedeuten: Vor der Meditation ein großes Glas Wasser zu trinken, zur Muskellockerung Magnesium einzunehmen, die Beine mit einer Venensalbe einzureiben oder ein paar Streching-Übungen zu machen, um anschließend entspannter sitzen zu können.

Auf diese Weise können wir vorsorglich dazu beitragen, die Schmerzen beim Sitzen in Grenzen zu halten. Hören Sie einfühlsam auf das, was der Körper braucht.


Tipp 2: Bequeme Kleidung tragen

Zu enge Kleidung kann einschnüren und dadurch Schmerzen verursachen. Lockern Sie Gürtel und Hosenbund, und am besten meditieren Sie grundsätzlich in gemütlichen Hosen aus Strech-Material.


Tipp 3: Eine förderliche Meditationshaltung einnehmen

Hier ist bewusst von förderlicher und nicht von „richtiger“ Meditationshaltung die Rede. Auch wenn es Körperpositionen gibt, die sich besonders günstig auf die Meditation auswirken, hat jeder Mensch bestimmte körperliche Grundgegebenheiten, die dabei berücksichtigt werden sollten.

Grundsätzlich sollte man wissen, dass die Körperhaltung in der Meditation sich auf die Geisteshaltung auswirkt. Wenn Sie sitzen wie eine krumme Gurke, wird das die Neigung zum Dösen und Einschlafen verstärken. Wenn Sie schief sitzen, können sich Muskeln verspannen und Nerven einklemmen. Um Verspannungen und Krämpfe zu vermeiden, sollten Sie deshalb möglichlichst aufrecht sitzen.


 

Eine Meditationshaltung, die Schmerzen in Grenzen hält

Für eine förderliche Meditationshaltung müssen Sie nicht auf einem Meditationskissen oder einer Meditationsbank sitzen – Sie können ebenso gut auf einem Stuhl meditieren. Egal, wofür Sie sich entscheiden: Wichtig ist immer, den Rücken so gerade wie möglich aufzurichten.

Ein gerader Rücken richtet sich aus dem Becken auf. Dazu sollte das Becken leicht nach vorne gekippt sein. Um das zu erreichen, setzen Sie sich am besten auf das vordere Drittel Ihrer Sitzunterlage.

Jeder Mensch sitzt individuell. Seine Haltung ist das Resultat von Körpergröße und -gewicht, von Alter, Beweglichkeit und gesundheitlichen bzw. körperlichen Beeinträchtigungen. Spüren Sie in Ihren Körper und finden Sie sensibel in eine Position hinein, die es Ihnen ermöglicht, wach und gleichzeitig entspannt zu sitzen – wie ein gut gestimmtes Saiteninstrument. So halten Sie Schmerzen erträglich.

Verspannten Nacken beim Meditieren vermeiden

Wenn Sie beim Meditieren einen verspannten Nacken und Schmerzen im oberen Rückenbereich haben, liegt die Ursache möglicherweise an der Haltung Ihrer Hände und Arme.

Je tiefer Ihre Hände im Schoß oder auf den Oberschenkeln liegen, desto intensiver ist der Dehnungszug im obeneren Rückenbereich, in Schultern und Nacken. Wenn Sie schmerzhafte Verspannungen in diesen Bereichen spüren, dann können Sie sich ein Kissen oder eine Decke in den Schoß legen und die Hände darauf ablegen.

Einen tollen Trick habe ich mir von meinem Vipassana-Lehrer, Bob Stahl, abgeguckt: Wer ihn kennt, weiß, dass er die Angewohnheit hat, seine Hände beim Sitzen in den unteren Teil seines Sweat-Shirts einzurollen. So zerrt das Gewicht der Hände und Arme nicht mehr an der Nackenmuskulatur.



Tipp 4: Eine weise innere Haltung einnehmen

Was immer wir tun, wird durch die innere Haltung eingefärbt, die wir dazu einnehmen. Im Hinblick auf Schmerzen in der Meditation ist dies die Haltung, die Erfahrung des unvermeidbaren Schmerzes als Tatsache anzuerkennen, daraus zu lernen und daran zu wachsen.

Die Erfahrung des Unangenehmen gehört ebenso unvermeidlich wie natürlich zu unserem Leben dazu. Sie macht sie auch vor der Meditation nicht Halt. In der Meditation haben wir die Möglichkeit zu üben, wie wir mit dem unvermeidbar Schwierigen und Schmerzhaften auf eine heilsame Weise umgehen können.

Eine sensationell einfache (aber nicht immer leichte) Strategie ist Akzeptanz. Akzeptanz sollte nicht mit „Gut-Heißen“ verwechselt werden. Es geht vielmehr darum, keine unnötigen Widerstände gegen den momentanen Status quo aufzubauen, denn dadurch würde sich das Geschehen weiter verschlimmern.

In der buddhistischen Psychologie gibt es eine sogenannte „Leidensformel“. Sie besagt, dass Leiden und Schmerz nicht das Gleiche sind. Der Schmerz wird erst dann zum Leiden, wenn ihm Widerstand entgegengesetzt wird. (Schmerz + Widerstand = Leiden).

Widerstand erzeugt Enge und Enge erzeugt Schmerz. Wenn wir es schaffen, eine innere Haltung einzunehmen, die den Schmerz als Teil unserer Realität im gegenwärtigen Moment anerkennt, führt diese Akzeptanz für sich genommen zu einer gewissen geistigen und körperlichen Entspannung.


Der Umgang mit Schmerzen in der Meditation kann Dünger für die Entwicklung unserer Meditationspraxis sein. Mehr darüber in Teil 2 erfahren »»

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