10 Irrtümer über Stress und Stressbewältigung

Es gibt ein paar Irrtümer über Stress und Stressbewältigung, die ausgesprochen kontraproduktiv sind. Dennoch halten sich diese Glaubenssätze so hartnäckig, wie ein eingetretener Kaugummi. In die hier vorgestellten Stress-Fallen nicht mehr zu tappen, bringt dich deiner persönlichen Stressbewältigung einen bedeutenden Schritt näher.

1. Irrtum:
Äußere Umstände sind Schuld an meinem Stress

Medizinische Untersuchungen belegen: Stress entsteht nicht zwangsweise durch einen großen Arbeitsanfall (der Hamster im Rad hat auch viel zu tun – aber er hat keinen Stress), sondern in erster Linie durch das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein, die man glaubt, nicht beeinflussen zu können.

Stress entsteht in hohem Maße dadurch, wie wir über uns selbst, unsere Situation und über das Leben denken.

Beispiel: Beobachte einmal, was geschieht, wenn du ein technisches Problem hast und bei der Hotline einer Firma anrufst. Das technische Problem für sich genommen, ist bereits ärgerlich. Aber erst das Ohnmachtsgefühl im hilflosen Hängenbleiben der Hotline-Endlos-Warteschleife sowie inkompetente, lustlose Callcenter-Mitarbeiter lassen den Stresspegel steigen.

Tipps:

Befreie dich aus der Opferrolle. Analysiere deine Situation. Erwäge Perspektiven. Rede mit Freunden über deine Situation. Hole dir Unterstützung bei einer Beratungsstelle, einer Facheinrichtung für Stressbewältigung oder von einem Therapeuten.

2. Irrtum:
Gegen den Stress in meinem Leben kann ich nichts tun

  • Du kannst auf Situationen Einfluss nehmen.
  • Wo das nicht geht, kannst du die Situationen vermeiden oder verlassen.
  • Wenn auch das nicht möglich ist, hilft es, eine entspanntere Sicht einzunehmen, indem du das, was ist, zunächst einmal akzeptierst. Zunächst einmal deshalb, weil sich alles in unserem Leben verändert und jede Situation, egal wie unangenehm sie gerade ist, irgendwann vorbei ist.
  • Du kannst versuchen, einer herausfordernden Situation etwas Positives abzugewinnen. Übe dich darin, mehr Gelassenheit und Geschicklichkeit im Umgang mit Problembewältigung zu erlangen.

Tipp: Vergegenwärtige dir, dass du immer eine Wahl hast: Love it, change it or leave it – but decide … and be happy!

3. Irrtum:
Stress am Arbeitsplatz lässt sich nicht vermeiden

Ein weiterer Irrtum über Stress ist, dass ein hohes Maß an Arbeitsbelastung ein Hauptstressor ist. Inzwischen wurde festgestellt, dass das nicht stimmt: als primärer Stressfaktor gelten häufig die Mitmenschen. Die Art und Weise, wie wir mit anderen umgehen – und sie mit uns – bringt eine Menge stressigen Aggressionspotenzials in das menschliche Miteinander.

Tipps:

  • Beziehe nicht gleich alles auf dich selbst.
  • Übe dich in Toleranz für die Unzulänglichkeiten deiner Kollegen und Vorgesetzten.
  • Lerne „Gewaltfreie Kommunikation“ (nach Rosenberg).
    Ohne viele Reibungsverluste schaffst du es damit, deine Bedürfnisse und Wünsche selbstbewusst und gleichzeitig freundlich und wertschätzend zu vermitteln.

4. Irrtum:
Die „Rotwein-Meditation“ am Abend ist ein gutes Mittel zur Entspannung

Kurzfristig entspannt Alkohol tatsächlich – langfristig bewirkt er jedoch genau das Gegenteil. Die Vorgänge von Anspannung und Entspannung im Körper werden nach Ansicht der Traditionellen Chinesischen Medizin durch die Leber geregelt. Wenn wir Stress empfinden, ist die Leber erhitzt. Alkohol erhitzt sie zusätzlich. Das erhöht langfristig den Stresspegel. Wenn dieser dann wiederum durch Alkohol kompensiert wird, entsteht ein Teufelskreis.

Tipp: Trinke abends ein Gläschen Rotwein mit Freunden – aber nutze Alkohol nicht, um dich zu entspannen.

5. Irrtum:
Stressbewältigung bedeutet, ein paar Tricks zur sofortigen Beruhigung zu kennen

Egal, was dir irgendwelche semiprofessionellen Ratgeber einreden wollen: Den Stresspegel dauerhaft zu senken, verlangt einigen Einsatz. Die meisten Menschen überschätzen, was sie kurzfristig erreichen können, aber sie unterschätzen, was sie langfristig zu erreichen in der Lage sind.

6. Irrtum:
Am Arbeitsplatz habe ich weder die Zeit noch die Möglichkeit für Entspannungsübungen

Zu sagen: „Ich habe keine Zeit“, heißt eigentlich: „Etwas anderes ist mir wichtiger“. Räume künftig drei kleinen Übungen eine Priorität in deinem Arbeits-Alltag ein.

3 einfache aber wirkungsvolle Übungen:

Beginne deinen Arbeitstag mit der Übung „Nichtstun I“

Bevor du mit deiner Arbeit loslegst, setze oder stelle dich einen Moment lang hin und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Lass deinen Geist auf den Wellen des Atems zur Ruhe kommen, ohne ihn zu beeinflussen. Starte anschließend ruhig und zentriert in den Tag.

Beende deinen Arbeitstag mit der Übung „Nichtstun II“

Führe die gleiche Übung vom Beginn des Tages durch. Lasse so den Arbeitstag hinter dir und stimme dich auf den weiteren vor dir liegenden Tag ein.

Praktiziere zwischendurch eine „Klo-Meditation“

Die Toilette ist der einzige Ort, an dem dich garantiert niemand stört, deshalb eignet sie sich gut für kleine Zwischenübungen, zum Beispiel für achtsames Atmen.

7. Irrtum:
Meditation ist Sitzen auf einem Meditationskissen

Innere Ruhe kann auch in der Aktivität gefunden werden. Es gibt sogar ausgesprochen dynamische Entspannungsmethoden, die über aktive Phasen in die Ruhe führen – für Menschen, die nicht in zwei Sekunden von 100 auf 0 herunterkommen. (Zum Beispiel die Kundalini-Meditation von Osho).

Achtsamkeit in Bewegung (z. B. Yoga) oder die Gehmeditation wirken sich ebenso ausgleichend auf Körper und Geist aus, wie die stille Sitzmeditation.

8. Irrtum:
Stressbewältigung bedeutet, bestimmte Techniken zu erlernen

Bestimmte Methoden oder Techniken zu erlernen, ist ein elementarer Bestandteil eines Stressbewältigungs-Trainings. Dennoch reichen diese Maßnahmen in der Regel nicht aus. Zu einem Stressmanagement gehört auch, sich mit seinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Wer eine negative Einstellung zu sich selbst, zu anderen und zum Leben hat, kann endlos üben, ohne wirklich ein tiefe Gelassenheit zu entwickeln.

9. Irrtum:
Kurzfristige Maßnahmen und kleine Tricks reichen aus, um Stress zu bewältigen

Kurzfristige Maßnahmen können dazu dienen, ein kleines Feuer nicht zu einem Steppenbrand werden zu lassen. Um jedoch eine dauerhafte Umstimmung von Stressverhalten zu bewirken, müssen Gehirn und Körper mittels Übungen über einen längeren Zeitraum gezielt konditioniert werden. Von nix kommt nix. Vor den Erfolg haben die Götter auch hier den Schweiß gesetzt.

10. Irrtum:
Gegen die körperlichen und psychischen Auswirkungen von Stress helfen nur Medikamente

In besonders belastenden Situationen kann es sinnvoll sein, auf Anti-Depressiva, Medikamente zur Senkung des Blutdrucks oder zur Reduzierung der Magensäfte zurückzugreifen.

Parallel dazu sollten jedoch Meditation oder ein Entspannungsverfahren erlernt, eine kognitive Umstrukturierung und eine umfassende Lebenssanierung vorgenommen werden. Medikamente sollten nur der Überbrückung dienen und mit zunehmender körperlicher und psychischer Stabilisierung allmählich wieder abgesetzt werden.

© Doris Kirch

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