Haben Achtsamkeitsübungen Nebenwirkungen?

Haben Achtsamkeitsübungen Nebenwirkungen?

Achtsamkeitsübungen wirken tiefgreifend aber sanft – gerade das macht sie so beliebt. Kaum vorstellbar, dass sie dennoch nicht für jeden geeignet sind. Es gibt für Achtsamkeitsmeditationen zwar keine ausgesprochenen Gegenanzeigen, dennoch sind sie aus psychologischer Sicht nicht für jedermann geeignet.

Achtsamkeitsübungen bei psychotischen Symptomen

Eine Psychose ist eine Krankheit, bei der bedeutende psychische Funktionen erheblich gestört sind. Betroffene erleben sich selbst, andere und Geschehnisse als verändert. Auf diese Fehleinschätzungen können sie mit unmotiviert erscheinenden Verhaltensauffälligkeiten reagieren.

Ob jemand mit einer psychotischen Störung Achtsamkeit praktizieren sollte, kann nur ein erfahrener Psychotherapeut beurteilen und nur er sollte die Übungen mit dem Betroffenen durchführen. Von einer Anleitung durch Laien oder selbstständiger Durchführung ist dringend abzuraten.

Achtsamkeitsübungen bei Depressionen

Für Personen, die erstmalig mit einer Depression konfrontiert werden, stellen Achtsamkeitsübungen eine echte Kontraindikation dar. Zu den Hauptsymptomen depressiver Störungen gehören zum Beispiel Antriebs- und Interessenlosigkeit, Müdigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, gedrückte Stimmung, „Kopfkino“, völlige Unmotiviertheit und Gefühlstaubheit.

Das Denken und Fühlen richtet sich fast ausschließlich auf Negatives; Positives wird kaum noch wahrgenommen. In den Achtsamkeitsübungen wird die Aufmerksamkeit direkt auf die Wahrnehmung der Gedanken und Gefühle gelenkt. Dadurch könnte der Betroffene seinen belastenden Zustand als unerträglich und überwältigend erleben, was schlimmstenfalls im Suizid enden könnte.

Für Betroffene, die chronisch unter depressiven Zuständen leiden, stellen Achtsamkeitsübungen jedoch eine wirksame Rückfallprävention dar, wie wissenschaftliche Studien zeigen. Sie lernen, frühzeitig erste Anzeichen einer sich ankündigenden depressiven Phase zu erkennen und können entsprechend gegensteuern. Darüber hinaus ist die Achtsamkeitspraxis ein bewährter Weg, sich von tief verankerten, destruktiven Denk- und Verhaltensmustern zu befreien.

Achtsamkeitsübungen bei Suchtproblemen

Eine Suchtproblematik stellt nicht per se eine Kontraindikation dar. Es kann jedoch zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen, wenn medizinische Laien Menschen mit Suchtproblemen anzuleiten versuchen oder wenn Betroffene eigenständig beginnen, Achtsamkeit zu praktizieren.

In der Hand eines erfahrenen Therapeuten hingegen können Achtsamkeitsübungen zum Ende einer Entwöhnungsbehandlung und zur Rückfallprävention durchaus wertvolle Dienste leisten.

Achtsamkeitsübungen bei körperlichen Erkrankungen

Für viele Menschen ist die Achtsamkeit ein unverzichtbarer Begleiter während einer körperlichen Erkrankung und einige haben sogar die Empfindung, dass die Achtsamkeitsmeditation die körperlichen Selbstheilungskräfte unterstützt. Vorsicht geboten ist dort, wo die Übungen zu anstrengend werden – in diesem Fall sollten sie gekürzt oder abgewandelt werden.

Sich im Krankheitsfall direkt der körperlichen Wahrnehmung und zum Schmerz zuzuwenden, kann als überfordernd empfunden werden. Hier empfiehlt es sich, auf Achtsamkeitsübungen zu verzichten und statt dessen auf lindernde, ablenkende, regenerierende Phantasiereisen oder andere Arten geführter Meditationen oder Imaginationen zurückzugreifen.

 

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