Die Haltungen der Achtsamkeit

Die Haltungen der Achtsamkeit

Achtsamkeit ist mehr als Aufmerksamkeit

Achtsamkeit ist weit davon entfernt, eine kalte mentale Erforschung der inneren und äußeren Vorgänge zu sein. Aber diesen Eindruck kann man leicht haben, wenn man liest, was im Internet und in Büchern zur Lebenshilfe von Nicht-Fachleuten über Achtsamkeit geschrieben wird.

Zum einen wird der Begriff Achtsamkeit häufig als schickes Synonym zum Begriff Aufmerksamkeit verwendet. Zum anderen wird er bisweilen mit fragwürdigen moralischen Konzepten verknüpft.

„McMindfulness“ nennen Insider das, was bei der inflationären Verwendung des Wortes Achtsamkeit herauskommt und vielerorts zu einer verzerrten Vorstellung über die dahinter stehende Achtsamkeitspraxis geführt hat.

Das Gehirn eines Buddha

Bei „der“ Achtsamkeit jedoch, die die Herzen so vieler Menschen berührt und mittlerweile eine weltweite Achtsamkeitsbewegung hervorgebracht hat, handelt es sich um weit mehr, als um eine kognitive Gehirnfunktion.

Diese Achtsamkeit hat ihre Wurzeln in den buddhistischen Lehren und sie ist verbunden mit bestimmten Geisteshaltungen. Wer Achtsamkeit praktiziert, tut mehr, als aufmerksam zu sein.

Er nutzt seine Fähigkeit zur Aufmerksamkeit, um diese inneren Einstellungen zu entwickeln und in seinem Leben zum Ausdruck zu bringen.

Innere Haltungen, die das Leben verändern

Wer Achtsamkeit praktiziert, kann feststellen, dass sich die Beziehungen zu sich selbst und anderen – und damit das Leben schlechthin – wohltuend verändern. Diese Veränderung geschieht jedoch weniger durch eine verbesserte Aufmerksamkeit, sondern vor allem durch eine Veränderung der inneren Einstellungen.

Dies sind die Geisteshaltungen (engl. attitudes), die das Herz der Achtsamkeitspraxis bilden:

  • Anfängergeist
  • Nichturteilen (Nichtwerten)
  • Akzeptanz
  • Nichtstreben
  • Seinlassen
  • Geduld
  • Vertrauen
  • Dankbarkeit und Großzügigkeit.

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Diese Begriffe sind leicht aufzuzählen aber im Sinne der Achtsamkeitspraxis nicht leicht zu verstehen. (Deshalb sagen wir oft, unsere Praxis sei „simple but not easy“). Es braucht einen erfahrenen Achtsamkeitslehrer, um Laien die hinter den Begriffen stehende tiefe Weisheit zu vermitteln.

Wer in Büchern über diese Haltungen liest, wird eine erstaunliche Erfahrung machen: Das Wissen darüber alleine verändert nur wenig. Die Veränderung geschieht durch eine Bewegung im Herzen, wenn ein Laie die Verkörperung dieser inneren Haltungen durch einem erfahrenen Achtsamkeitslehrer erlebt. Das ist fast schon ein alchemistischer Prozess.

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Geisteshaltungen in der Achtsamkeit

Die Haltungen der Achtsamkeit im Alltag leben

Haben wir einmal verstanden, worum es bei den Geisteshaltungen der Achtsamkeitspraxis geht, können wir sie in jedem Moment unseres Lebens üben. („Üben“ meint übrigens nicht „versuchen“, sondern „praktizieren“).

Suchen Sie sich eine Haltung aus, zu der Sie den besten Zugang haben oder die Sie am meisten anspricht. Dann nutzen Sie Ihre Aufmerksamkeit, um diese Haltung eine Woche lang bewusst im Alltag zu entwickeln. Dabei werden Sie schnell feststellen, wie sehr diese eine Haltung mit allen anderen verknüpft ist.

Und in der Tat hängen alle zusammen; indem Sie eine Eigenschaft bewusst entwickeln, stärken Sie auch die anderen.

Die Kraft des Vorbilds

Ich sagte, dass Sie für die Umsetzung eine lebendiges Vorbild brauchen. Ein inspirierendes Vorbild für mich war mein lieber Lehrer Prof. (em.) Jon Kabat-Zinn, der „Vater der modernen Achtsamkeitsbewegung“ und Urheber des MBSR-Programms.

In seiner Nähe, beim Unterricht, in der Meditation bei den gemeinsamen Mahlzeiten und sogar in den Zeiten des Schweigens habe ich durch ihn mehr über die Verkörperung der Haltungen der Achtsamkeit gelernt, als es aus Büchern je hätte möglich sein können.

In den folgenden Beiträgen spricht Jon Kabat-Zinn jeweils über eine der Geisteshaltungen der Achtsamkeit. Den größten Nutzen werden Sie daraus ziehen, wenn Sie nicht nur mit den Augen sehen und den Ohren hören, sondern mit dem ganzen Körper lauschen.

Geisteshaltungen in der Achtsamkeit

Im MBSR-Programm gibt es die sogenannten Haltungen (attitudes) der Achtsamkeit. Hier sind Kurzvorträge von Jon Kabat-Zinn zu jeder dieser Geisteshaltungen. Sehr empfehlenswert.

Einführung in die Haltungen –
Introduction to the Attitudes

 

Anfängergeist – Beginner’s Mind

 

Nichturteilen (Nichtwerten) – Non-Judging

 

Akzeptanz – Acceptance

 

Nichtstreben – Non Striving

 

Seinlassen – Letting Go

 

Geduld – Patience

 

Vertrauen – Trust

 

Dankbarkeit und Großzügigkeit –
Gratitude and Generosity

 

 

Gemeinsam übt es
sich leichter…

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